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Streik bei Helios-Kliniken: „Nur Almosen“

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Von: Frank Jaursch

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Warnstreik vor dem Helios-Eingang: Mitarbeiter des Konzerns erhöhen den Druck auf die Unternehmensleitung.
Warnstreik vor dem Helios-Eingang: Mitarbeiter des Konzerns erhöhen den Druck auf die Unternehmensleitung. © Jörn Bracker

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Internationalen Tag der Pflege zu ganztägigen Protesten an Kliniken aufgerufen. In Nienburg zeigten Mitarbeiter der Helios-Kliniken ihren Ärger über die Situation.

Nienburg – Lautstark haben am Donnerstag mehr als 100 Beschäftigte der Helios-Kliniken in Nienburg und Stolzenau ihren Unmut über ihren Haustarifvertrag zum Ausdruck gebracht. Bei einem mehrstündigen Warnstreik – durchaus symbolträchtig auf den „Tag der Pflege“ terminiert – wollten sie auf diesem Weg den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen und der Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einer Lohnsteigerung von 15 Prozent mehr Gewicht verleihen.

Betrieb muss am Laufen bleiben

Der zuständige Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker zeigte sich beeindruckt von der Streikbereitschaft der Belegschaft. Viele Mitarbeiter konnten an dem vierstündigen Ausstand nicht teilnehmen: Sie mussten den Betrieb in der Nienburger Klinik am Laufen halten.

In dem Zusammenhang übte Bracker im Gespräch mit der Kreiszeitung scharfe Kritik an der Arbeitgeberseite: Die Verhandlungen über eine Notdienstvereinbarung im Vorfeld des Warnstreiks seien außergewöhnlich schwierig gewesen. „Solche Vereinbarungen über Notdienstvereinbarungen sind überall zäh“, berichtete der Gewerkschaftssekretär, der für Bremen und Nord-Niedersachsen im Bereich Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft tätig ist. „Aber bei Helios sind sie noch zäher.“

Gewerkschaftssekretär kritisiert Arbeitgeberseite

So habe Bracker es als „merkwürdig und empörend“ empfunden, dass der ärztliche Direktor alle medizinischen Fälle in der Klinik kurzerhand als Notfälle definiert habe – was dafür gesorgt habe, dass „den Kollegen in der Pflege und im OP das demokratische Grundrecht auf einen Streik verwehrt“ werde, so Bracker.

Seine Schilderungen über die schwierigen Gespräche mit der Unternehmensleitung sorgten auch unter den Streikenden für Empörung und ein gellendes Trillerpfeifenkonzert. Die Helios-Mitarbeiter – einige waren vom kleineren Standort Stolzenau nach Nienburg gekommen – drehten unter anderem eine Runde um den Klinikkomplex. In Höhe der Räume der Geschäftsleitung blieb der Tross stehen und skandierte „Applaus, Applaus – das reicht uns nicht aus“. Das bisher vorgelegte Angebot der Unternehmensleitung gleiche nicht annähernd die Inflation aus und sei damit gleichbedeutend mit einem Reallohnverlust.

Den größten Teil der Streikzeit verbrachten die Teilnehmer vor dem Eingang der Klinik. Bracker überbrachte unter anderem die Solidaritätsbotschaften anderer Kliniken. Die Streikenden, so seine Einschätzung, könnten auf eine „breite Unterstützung“ zählen. Nach Brackers Ansicht war die Stimmung kampfeslustig, aber zeitweise auch gelöst: Die Streikenden „freuen sich, mal miteinander ins Gespräch zu kommen“, so seine Beobachtung.

„Nur Almosen“ geboten

Laut einer Verdi-Mitteilung zeigte sich Izabela Dierks, Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege in Nienburg, überwältigt von der Zahl der Teilnehmer „angesichts der Tatsache, dass durch die extrem dünne Personaldecke und den Notdienst kaum Kolleginnen zum Streik raus konnten. Das zeigt, wie sehr die Beschäftigten eine echte Wertschätzung seitens des Konzerns erwarten.“ Stattdessen biete Helios „nur Almosen“. Wenn der Konzern nicht deutlich nachbessere, werde man weiter streiken müssen – „dann aber nicht nur einen Tag“.

Helios mache „satte Gewinne“ und schütte diese an die Aktionäre aus. Man halte es daher „für unverantwortlich, dass der Helios-Konzern uns mit Minimalerhöhungen abspeisen will“, erklärte Dierks weiter.

Tarifstreit

Im Tarifstreit zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und dem Helios-Konzern steht die dritte Verhandlungsrunde an. Verdi fordert für die rund 5000 Beschäftigten der acht Krankenhäuser eine Lohnerhöhung von 15 Prozent sowie 200 Euro mehr für Auszubildende, außerdem eine einheitliche Jahressonderzahlung in Höhe eines Monatslohns sowie eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1 500 Euro. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll 12 Monate betragen. Das Konzernangebot umfasst vier Erhöhungsschritte von insgesamt 4,6 Prozent, kostenfreie Laptops und insgesamt 140 Euro mehr für Auszubildende, eine Corona-Prämie in Höhe von 200 Euro (bei Vollzeit) sowie eine Pflegezulage in Höhe von 70 Euro ab Juli 2023. Nach dem Willen des Konzerns sollen die Erhöhungen schrittweise über zwei Jahre eingeführt werden.

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