Lohmeyer: „Vergleich verbietet sich“

„Wildschweine keine Wölfe“

Erster Wolf im Landkreis Nienburg: Am 26. Februar dieses Jahres fotografierte Ulrich Runde dieses Tier im Bereich Landesbergen.

Stendern/Nienburg - Von Kurt Henschel. Der noch bis Mitte Juni im Ehrenamt eines Wolfsberaters tätige Christian Lohmeyer aus Stendern (Ortsteil des Fleckens Bücken) lässt die Aussage, Wildschweine seien ebenso gefährlich wie Wölfe, nicht zu: „Ein Wildschwein verfolgt keine Beute und jagt nicht – es verteidigt lediglich sich und seine Jungen“, sagt der 37-Jährige.

Wildscheine könnten zwar gefährlich für den Menschen sein, aber anders als ein Wolf: „Der Wolf ist ein Tötungs-Profi“, so Lohmeyer. Dass sich der Wolf immer mehr an Menschen gewöhne, liege an „ungewollter Anfütterung“. Überall seien weggeworfene Speisereste zu finden und menschliche Witterung aufzunehmen, da verwundere es nicht, dass Wölfe auch durch Gärten liefen, sagt Lohmeyer. Auch könne ein Wolf schwimmen: „Wenn er vom Ufer aus auf der anderen Seite Schafe sieht, dann ist er da.“

Lohmeyer hat selbst etwa 100 Schafe, die am Deich weiden – zu dessen Schutz. Seine Schafe kann er nicht schützen, denn er kann auf dem Deich keinen Zaun errichten und auch keine Herdenschutzhunde einsetzen. „Auch bei Verkehrsunfällen sind Unterschiede zwischen beiden Arten zu erkennen: Während ein Wildschwein nach einem Unfall erlöst werden muss, darf ein Wolf keinesfalls getötet werden – egal, wie schwer seine Verletzungen sind.“ In Brandenburg habe es einen solchen Fall gegeben. Dort habe ein verletzter Wolf stundenlang im Graben gelegen, bis ein zuständiger Amtstierarzt gefunden gewesen sei, der das Tier erst habe betäuben und dann untersuchen dürfen. Und wenn dieser Amtstierarzt zu der Erkenntnis komme, dass dieses Tier „nicht mehr in der Lage ist, die Art zu erhalten“, dann dürfe der Amtstierarzt das Tier einschläfern.

Das bezeichnet Lohmeyer als „Slapstick“ und verweist auf andere europäische Länder, in denen es schnellere Lösungen gebe, um das Tier von seinem Leid zu erlösen. Kritisch äußert sich Lohmeyer auch über die Form der Erstattung von Schäden. Erst dann, wenn das Ergebnis einer DNA-Analyse vorliege, fließe Geld an den Geschädigten. Voraussetzung sei nämlich der eindeutige Nachweis, dass ein Wolf den Schaden angerichtet habe. „Warum nicht gleich erstatten und später gegebenenfalls den Betrag zurückfordern, wie es beispielsweise Sachsen handhabt?“, fragt sich Lohmeyer. Und überhaupt: Für das Ergebnis einer DNA-Analyse benötige das private Institut im hessischen Senkenberg „viel zu lange“.

Von Proben aus Dezember lägen immer noch keine Resultate vor. Positiv vermerkt Lohmeyer, dass auch seine Klagen dazu geführt hätten, dass sich inzwischen drei Personen (vorher ein Mitarbeiter) im Ministerium „in Vollzeit“ mit dem Thema Wolf beschäftigten.

Lesen Sie auch zu dem Thema:
Wolfsberater wirft Minister seinen Job vor die Füße

Ein Kommentar - Ehrenamt ist nicht gleich Ehrenamt

Das könnte Sie auch interessieren

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Meistgelesene Artikel

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Herbstmarkt in Hoya: So bunt wie die Jahreszeit

Herbstmarkt in Hoya: So bunt wie die Jahreszeit

Archäologen graben in Erichshagen

Archäologen graben in Erichshagen

Kommentare