Katharina Datan spielt Hauptrolle in „Parade"

Steimbkerin erfolgreich auf Musical-Bühne 

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Katharina Datan überzeugte bereits in der Vorjahresproduktion des Freien Musical Ensembles als Sklavin „Salomé“.

Steimbke/Münster - Dienstagabend ins Kino, Mittwoch in die Bar und am Wochenende wird gefeiert – so könnte der ganz gewöhnliche Alltag eines Studenten aussehen. Nicht so bei Katharina Datan, die gebürtig aus Steimbke kommt und nun im westfälischen Münster lebt und studiert.

Dort ist sie außerdem ab Freitag, 10. November, auf der großen Musical-Bühne zu sehen, berichtet Katharina Kleber vom Freie Musical-Ensemble Münster (FME). Zwölf Mal bringt das FME - laut der Zeitschrift „Musical-Kompass“ das beste Laien-Ensemble Deutschlands - den amerikanischen Broadway-Klassiker „Parade“ auf die Bühne. Und Datan spielt mit Lucille Frank die weibliche Hauptrolle.

Fast täglich laufen die Proben. Mehr als 100 Darsteller, Musiker, Bühnenbildner und viele mehr sind beteiligt. Schließlich gilt es an den Vorjahreserfolg anzuknüpfen. 5000 Menschen und sogar eine eigens für die Aufführung angereiste Delegation Kulturschaffender aus den USA, Kanada und Israel sahen „Imagine This“, die letzte Produktion des FME. Auch in diesem Jahr wird dem Ensemble eine besondere Ehre zuteil. Denn das Musical „Parade“ wird zum ersten Mal in Deutschland auf die Bühne gebracht.

In den USA mit zwei der begehrten Tony Awards prämiert, ist das Musical aus der Feder von Alfred Uhry mit der Musik von Jason Robert Brown daher noch weitestgehend unbekannt in Deutschland. Es basiert auf der wahren Geschichte des jüdischen Fabrikbesitzers Leo Frank.

Herausforderung für Datan

Frank wurde 1913 der Ermordung seiner 13-jährigen Angestellten Mary Phagan für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Obwohl entlastende Hinweise auftauchten, sodass das Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt wurde, endete Frank als ein Opfer der Lynchjustiz am Strick. Der Prozess hatte seinerzeit weitreichende Folgen: Der Ku Klux Klan lebte wieder auf, aber auch die ADL (Anti-Defamation-League) wurde gegründet, die sich noch heute für die Rechte jüdischer Mitbürger stark macht. Für Katharina Datan birgt „Parade“ eine besondere Herausforderung.

Die Lehramtsstudentin spielt mit Lucille Frank die Ehefrau des verurteilen Leo Frank. „Als ich die Geschichte um Leo Frank gelesen habe, konnte ich mich direkt mit Lucille identifizieren, habe beim Lesen mitgelitten, mitgekämpft, war schockiert und berührt, aber am Ende auch stolz. Was sie für mich auszeichnet, ist die Mischung aus Zerbrechlichkeit und Stärke. Nicht nur ihre Beziehung zu Leo entwickelt sich in dem Stück weiter, sondern auch sie selbst entwickelt immer mehr Selbstbewusstsein und Entschlossenheit.“

Katharina Datan und Frank Janßen, der mit Leo Frank die männliche Hauptrolle und Lucille Franks Ehemann spielt.

Zudem sei es etwas Besonderes, eine reale Person zu verkörpern: „Ich finde es toll, wie lebensnah und schlicht die Figur in dem Stück gezeichnet ist. wie authentisch sie ist und wie real sie auch heute sein könnte.“ Die nötige Erfahrung für eine große Musical-Rolle sammelt Datan schon ihr ganzes Leben lang. Angefangen mit der musikalischen Früherziehung blickt sie auf eine umfassende Karriere mit diversen Instrumenten und Ensembles bis zum Studium der Musik zurück. „So sehr ich es mag, selber zu fühlen, so schön finde ich es, wenn ich – ob allein oder in der Gruppe – Menschen berühren oder unterhalten kann, wenn man dazu beitragen kann, dass sie für einen Abend in eine andere Welt abtauchen, sich von dem Alltag und ihren Sorgen lösen und auf die Reise mitgehen, die wir als Ensemble mit dem Publikum gemeinsam durchleben.“ Wenn auch historisch orientiert dreht sich „Parade“ um ein Thema, wie es aktueller kaum sein könnte. Neben Antisemitismus geht es um die Auswirkungen von Sensationsgier und darum, wie sich Menschen unter Druck verändern und manipulieren lassen.

Brücke in die Gegenwart schlagen 

Das Stück soll daher eine Brücke zur heutigen Gesellschaft schlagen. Sicherlich bringt das Stück keine schillernd bunte Geschichte mit, wie man es von vielen Musicals gewohnt ist. Musicaltauglich wird das Thema, wenn man Datan glaubt, gerade durch die ernsten Inhalte: „Der Zuschauer muss sich selber fragen: „Wie hätte ich selber wohl gehandelt oder wie handele ich tatsächlich in vergleichbaren Situationen?“ Es ist unglaublich interessant, die Entwicklung und Auswirkungen der Gruppendynamik in „Parade“ zu beobachten und mitzuerleben. Das Einzelschicksal von Leo Frank steht außerdem stellvertretend für jeden Menschen, der schon mal gemobbt, ausgeschlossen oder verurteilt wurde, dessen Würde durch das Handeln Anderer die Unantastbarkeit verliert und dessen Leben in den Augen Anderer keinen Wert (mehr) darstellt.“

Katharina Datan überzeugte bereits in der Vorjahresproduktion des Freien Musical Ensembles als Sklavin „Salomé“.

Ab der Premiere am 10. November führt das FME „Parade“ zwölf Mal auf. Gespielt wird im Konzertsaal der Freien Waldorfschule Münster, Rudolf-Steiner-Weg 11. Tickets sind auf der Website des Ensembles (www.fme-ms.de) erhältlich.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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