Staatsanwalt dennoch von Schuld überzeugt

Freispruch für mutmaßlichen Räuber

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. Ein 38 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg ist vom Vorwurf des Raubes und des versuchten schweren Raubes freigesprochen worden. Staatsanwaltschaft und Nebenklage zeigten sich dagegen bis zum Ende des Prozesses am Landgericht Verden von einer Beteiligung des Angeklagten an zwei Raubüberfällen in Nienburg und Estorf-Leeseringen überzeugt.

Staatsanwältin Inga Hahn hatte vier Jahre Haft beantragt. Sie vertrat in ihrem Plädoyer den Standpunkt, dass der 38-Jährige zusammen mit einem Komplizen im November 2014 in Nienburg ein Ehepaar im Rentenalter nachts in deren Haus überfallen hat. Die Täter hatten eine Fensterscheibe eingeschlagen und waren in das Schlafzimmer eingedrungen. „Das ist eine Horrorvorstellung für jeden“, betonte Hahn. Schmuck im Wert von rund 20000 Euro wurde erbeutet.

Die zweite Tat hatte sich rund zwei Monate später in Estorf-Leeseringen ereignet. Zwei Räuber hatten bei einem Ehepaar, ebenfalls Rentner, geklingelt und sich beim Öffnen der Tür ins Haus gedrängt. Der Hausherr leistete erheblichen Widerstand und die Frau schrie bei geöffneter Haustür um Hilfe. So konnten die Räuber in die Flucht geschlagen werden.

An beiden Tatorten fanden sich DNA-Spuren, die dem Angeklagten zugeordnet worden sind. Am Tatort in Nienburg hatte einer der Täter zudem einen Sohlenabdruck hinterlassen. Die Schuhe wurden später beim Angeklagten während einer Hausdurchsuchung sichergestellt.

Der Angeklagte hatte jedoch für alles Erklärungen. Die Schuhe habe sich ein Mitarbeiter seines kleinen Gewerbebetriebs für Baustelleneinrichtungen einmal ausgeliehen. Der mittlerweile verstorbene Mann sei vermutlich einer der Täter gewesen. Er habe zudem Zugriff auf Arbeitsmaterialien, wie die Klebebänder gehabt.

Staatsanwältin und Nebenklagevertreter lieferten in ihren Plädoyers etliche Argumente, warum sie dennoch von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt sind. So habe er sein Alibi, dass von keinem der benannten Zeugen eindeutig bestätigt worden ist, genauso wie alle anderen Erklärungen erst in dem Prozess und damit mehr als ein Jahr nach Anklageerhebung vorgebracht.

Nach elf Verhandlungstagen gab es kaum etwas, was das Gericht zur Klärung des Falls noch hätte machen können. Es blieben Zweifel auch bei der 2. Großen Strafkammer. „Vielleicht war es der Angeklagte. Wir sind nicht restlos davon überzeugt, dass er es nicht war. Die Zweifel sind jedoch von der Intensität, dass guten Gewissens keine Verurteilung ausgesprochen werden konnte“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert in der mündlichen Urteilsbegründung.

Ob die Nebenkläger Rechtsmittel einlegen werden, konnte deren Anwalt Max Reimers noch nicht sagen. Die Staatsanwalt will dies ebenfalls prüfen.

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