Heimatspiele Marklohe bestehen seit 84 Jahren 

Sogar von den Ästen haben die Unentwegten zugeschaut

Eine Top-Anlage ist die Freilichtbühne in Marklohe: Wo heute auf den Bänken im idyllischen Wald noch niemand sitzt, herrscht am Sonnabend bei der Premiere mit dem Stück „Heiratsschwindel“ ganz sicher Hochbetrieb. - Foto: Kurt Henschel

Marklohe - Seit 84 Jahren führen die Heimatspiele in Marklohe auf der Freilichtbühne plattdeutsche Theaterstücke auf. Das Ziel der Hobby-Schauspieler besteht nach wie vor darin, die plattdeutsche Sprache zu pflegen und zu verbreiten.

Die Heimatspiele sind 1932 aus dem damaligen Jugendbund, der 1922 gegründet worden war und das Ziel hatte, dass sich die schulentlassenen Jugendlichen zu Spiel, Sport und Musik treffen sollten, hervorgegangen. Im Gründungsjahr führten die „Heimatspile Marklohe“ Szenen aus „Wilhelm Tell“ auf. Als 1933 „De heilige Lebuin un der Landestag von Markloh“ aufgeführt wurde, spielte fast das ganze Dorf mit. Bis 1937 wurde auf einer Bühne agiert, die sich einige hundert Meter entfernt von der jetzigen Bühne befand. Gespielt wird seitdem jedes Jahr – einzige Unterbrechungen waren die Jahre während des Zweiten Weltkriegs.

Viele Mitglieder waren da zum Militär einberufen worden und es fehlte einfach an Spielern. Doch die Jugend hatte es 1942 hinbekommen, trotzdem ein Stück zu präsentieren und so von dem schrecklichen Geschehen in der Welt ein paar Stunden abzulenken.

Einer der Spieler hat von der Front dem damaligen Spielleiter Helmut Evers geschrieben: „Wenn wir aus dem Krieg zurückkehren, dann werden Sie weniger Arbeit mit uns haben. Nun haben wir erlebt, das wir damals in manchen Sätzen sagen mussten, hinter denen noch keine Erfahrung und noch weniger Lebensmut stand. Wir werden schon aus Dankbarkeit weiterspielen in unserem wunderschönen Marklohe.“ Die Freude am Theaterspiel konnte dieser Krieg, der auch viel Leid über die Markloher Familien brachte, nicht zerstören.

Heinrich Dieckhoff fungiert seit mehr als 50 Jahren als Spielleiter bei den Heimatspielen Mark-lohe. - Foto: msa

Heinrich Dieckhoff, der seit mehr als 50 Jahren als Spielleiter fungiert, erinnert sich noch gerne daran und betont: „Die besten Jahre hatten wir nach dem Krieg und vor dem Fernsehen“. Zum Lale-Andersen-Auftritt 1962 beispielsweise erschien nicht nur ein Fernsehteam, sondern es kamen auch 1 400 Besucher. „Die Sitz- und Stehplätze reichten nicht aus, sogar auf den Ästen der Bäume hockten Unentwegte“, heißt es in der Chronik, die die Heimatspiele anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens herausgegeben hatten. Mit dem Aufkommen des Fernsehens, erinnert sich Heinrich Dieckhoff, bekam man plötzlich Konkurrenz – durch das Hamburger Ohnsorg-Theater, das regelmäßig über die Bildschirme flimmerte. Deshalb habe man dann auch mit dem Wintertheater aufgehört – seit 1991 sind die Heimatspiele aber auch im Winter wieder zu erleben. Sie spielen im Gasthaus Frank und im Nienburger Theater – häufig genug vor ausverkauftem Haus.

Dank des Wintertheaters, aber auch weil Plattdeutsch seit Jahren wieder deutlich mehr im Trend liegt, haben die Heimatspiele übrigens keine großen Nachwuchsprobleme. Zumindest nicht in der Wintersaison – für die Sommersaison Spieler zu finden, die fünf Wochenenden ohne Unterbrechung jeweils sonnabends und sonntags Lust und vor allem Zeit haben, sei schon etwas schwieriger.

Die Heimatspiele würden sich jedoch freuen, wenn interessierte Damen und Herren, aktiv bei den Heimatspielen mitwirken würden. Denn für einen reibungslosen Ablauf werden nicht nur Mitspielerinnen und Mitspieler gesucht, sondern auch Menschen, die sich während der Saison auf vielfältige Weise einbringen. Gesucht werden handwerklich geschickte Frauen und Männer für den Kulissenbau, Elektrik, Malerarbeiten sowie Leute mit „grünem“ Daumen für die Landschaftspflege, Verkaufstalente für den Kiosk, Kassierer, Platzanweiser sowie Spielerbetreuer.

Wer im Ensemble mitwirken möchte, muss des Plattdeutschen nicht mächtig sein. Alle weiteren Details sind bei Heiner Dieckhoff unter Telefon 05021 / 923700 zu erfahren. - msa

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