Software-Entwickler aus Balge starten Initiative für Barrierefreiheit im Netz

Informatiker nehmen Blinde an die Hand

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Mediengruppe Kreiszeitung

Balge - Das Software-Unternehmen „i.syde“ aus Balge hat eine Initiative gestartet, die öffentliche und privatwirtschaftliche Unternehmen für das Thema „Barrierefreiheit im Internet“ sensibilisieren will. Das Bundeswirtschaftsministerium brachte die Kreis-Nienburger Firma auf diese Idee.

Denn für die Beamten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel programmierten die Informatiker aus Balge den neuen Pressespiegel. Damit können die Mitarbeiter in der Behörde die Artikel von dutzenden europäischen Medien in digitaler Form lesen. Das Angebot ist barrierefrei gestaltet, was Entwickler aus dem Landkreis Nienburg auf die Idee für die Initiative brachte.

Zur Barrierefreiheit im Internet gehört zum Beispiel das Zwei-Sinne-Prinzip. Sprich: Akustische Signale sollen erscheinen auch auf dem Bildschirm und bei Texten besteht die Möglichkeit, diese von einem Programm vorlesen zu lassen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person zwei Sinne nicht vollständig nutzen kann, ist um ein Vielfaches kleiner, als dass nur ein Sinn betroffen ist“, heißt es auf der Internetseite „einfach-barrierfrei“, die sich mit dem Thema befasst.

„Es ist uns wichtig, dass auch Menschen mit Behinderungen, in erster Linie blinde oder stark sehbehinderte Menschen, den Pressespiegel nutzen können“, sagt Thomas Friebe, Geschäftsführer von „i.syde“. „Um das sicherzustellen, haben wir mit Jan Hellbusch zusammengearbeitet.“ Der Dortmunder gelte als anerkannte Größe, wenn es um Barrierefreiheit im Netz geht: Auf Grundlage der Verordnung für barrierefreie Informationstechnik überprüfe er Websites und erstelle Gutachten. Hellbusch beschreibt die Situation so: „In einigen Staaten, etwa den USA und Großbritannien, sind die Vorgaben sehr streng. In Deutschland sind manche Bundesländer gut aufgestellt; in Niedersachsen gibt es aber nicht einmal die entsprechende Landesverordnung.“

„Barrierefreie Websites wie die des Wirtschaftsministeriums haben Vorbildcharakter für Wirtschaftsunternehmen“, sagt Friebe. Viele Betreiber würden schon bei der Programmierung auf Barrierefreiheit achten, andere rüsteten entsprechend nach. Die Erkenntnis, dass die eingeschränkte Nutzung einer Seite potenzielle Kunden ausschließt, sei in Hessen oder Nordrhein-Westfalen weit verbreitet.

Gemeinsam mit Hellbusch und der ebenfalls im Landkreis Nienburg ansässigen Grafikerin Janet Schendel will „i.syde“ nun Betreiber für das Thema sensibilisieren und – bei Interesse – beraten. „Wie groß der Aufwand für einen barrierefreien Internetauftritt ist, hängt sehr stark von der bisherigen Qualität der Webpräsenz und dem Engagement der Webentwickler ab. Moderne Websites halten Webstandards ein, und Barrierefreiheit ist ein Webstandard“, sagt Hellbusch. Mehr Informationen zu dem Thema stehen im Internet.

www.einfach-barrierefrei.net

www.isyde.de

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