Strafe für 25-Jährige

Mutter wegen Totschlags verurteilt: Sieben Jahre Haft für Totschütteln

Verden – Das Landgericht Verden hat eine 25 Jahre alte Angeklagte aus der Gemeinde Raddestorf wegen Totschlag zu sieben Jahren Haft verurteilt. Zur Überzeugung der Schwurgerichtskammer hat die gelernte Altenpflegerin am 5. Oktober 2018 ihr dreieinhalb Monate altes Baby so stark geschüttelt, dass es zum Hirntod gekommen ist.

Donnerstagvormittag hatte der Verteidiger noch in einem Beweisantrag den Ehemann seiner Mandantin als möglichen Täter benannt, doch das passte zur Überzeugung von Gericht und Staatsanwaltschaft nicht zu den Schilderungen der Angeklagten und den Feststellungen der Rechtsmedizin.

Ein Schütteln hatte die 25-Jährige eingeräumt, wenngleich auch bagatellisiert. Ihr Mann sei nicht zu Hause gewesen, als Tyler am Mittag des 5. Oktober 2018 geschrien habe. Sie habe ihn aus dem Bett geholt, versucht zu füttern und gewickelt. Dann habe sie gedacht, dass er sich an der Milch verschluckt habe. In Panik habe sie ihn geschüttelt.

„Das Schütteln hat solch schwere Verletzungen herbeigeführt, dass er gar nicht mehr in der Lage gewesen wäre, zu quengeln. Er war klinisch tot, er war blind“, nannte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk die Fakten. Noch am selben Tag wurden in einer Mindener Klinik die Geräte abgestellt. Am 112. Lebenstag des kleinen Tyler. Kommende Woche wäre er ein Jahr alt geworden.

„Augenblicksversagen“ und Überforderung

Zur Überzeugung der Kammer war es ein „Augenblicksversagen“. Aus den unzähligen Chats zwischen den Eheleuten sei eine Überforderung und problematische Situation zu erkennen. „Aber keine ausweglose Situation“, betonte der Vorsitzende. Mit ihrer Herkunftsfamilie hatte die Angeklagte gebrochen und „alles auf die Karte Ehemann gesetzt.“ Dieser sei von ihr idealisiert worden, „er war aber alles andere als ein treuer und vorbildlicher Ehemann“, hieß es weiter.

In einer der unzähligen Whatsapp-Nachrichten zwischen den Eheleuten soll die 25-Jährige mal geschrieben haben: „Tyler muss weg.“ „Das heißt nicht, dass die Angeklagte vorgehabt habe, ihn umzubringen, sagte der Vorsitzende. Sie suchte im Internet unter anderem mit dem Begriff Adoption. „Man hat sich ernsthaft damit auseinandergesetzt“, so die Feststellung des Gerichts. „Leider wurde der Gedanke nicht weiter verfolgt, sonst könnte Tyler noch leben und sich weiter entwickeln“, stellte er fest. „Eine Adoption kann eine verantwortungsvolle Entscheidung sein, die zur Folge hat, dass ein Kind weiterleben kann.“

Sauberes Strafregister spricht für Mutter

Zugunsten der Angeklagten wurde gewertet, dass ihr Strafregister sauber ist, sie hinsichtlich der objektiven Tatumstände geständig war, die problematische Familiensituation und dass sie sich umgehend um Rettung bemüht hatte. „Es handelt sich um ein Augenblicksversagen und eine Impulshandlung“, betonte der Vorsitzende. „Sie hat eine Minute vorher noch nicht gewusst, dass sie ihr Kind töten wird.“

Aber es liege weder eine verminderte Schuldfähigkeit noch ein minderschwerer Fall vor. Eigentlich zu erwartende Milderungsgründe könne man nicht berücksichtigen. „Wir haben kein Bedauern und keine Reue. Nicht mal im letzten Wort. Wir können auch keine tiefe Erschütterung darüber feststellen, dass sie ihr Kind getötet hat. Die Angeklagte bleibt emotional flach und bei sich.“

Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft und der Verteidiger einen Freispruch beantragt. Beide können Revision einlegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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