Schießen, oder nicht?

Realitätsnahes Schieß-Training in neuer Anlage der Polizeiakademie

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Stress durch Mathematik: Zwischen den Schussabgaben müssen die Polizeistudenten Rechenaufgaben lösen und richtig reagieren. Nach jeder Übung folgen Sicherheitskontrollen.

Nienburg - Seit Mitte Januar wird scharf geschossen – in der neuen Raumschießanlage der Polizeiakademie Nienburg, an der Rohrsener Straße. Das moderne System nutzen die rund 650 Studierenden am Hauptsitz ebenso wie das Stammpersonal.

Wenn im April noch einmal bis zu 300 Studenten dazukommen, wird die Schießanlage gut ausgelastet sein. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagte im Dezember vergangenen Jahres bei der Einweihung der Anlage: „Eine zeitgemäße und vor allem professionelle Aus- und Fortbildung ist nicht nur zum Schutz der Polizeibeamten unverzichtbar, sondern auch ein ganz entscheidender Baustein für eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung.“ Und so sehen es auch die rund 30 Schießtrainer der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg.

Einer von ihnen, Hauptkommissar Thomas Hoppmann, verschaffte jüngst eingeladenen Pressevertretern einen Überblick über die moderne Ausbildung. Rede und Antwort standen auch Jörg Henne als Leiter des Studiengebietes 5 (Polizeitraining) und der Direktor der Akademie, Carsten Rose. Die Umstellung vom Schießtraining im offenen Gelände zur High-Tech-Variante im sogenannten Schießkino verlief problemlos, so Hoppmann, wobei die Schießanlage in Langendamm auch weiterhin für das Schießtraining auf lange Distanzen genutzt werde. 

Schnell Entscheidung treffen

Der zeitliche Aufwand des Trainings an der Waffe habe sich gegenüber früheren Zeiten kaum verändert. Was sich jedoch geändert habe, sei die Art des Trainings. Situationen zu schaffen, in denen der Schütze lernt, sich in Sekundenschnelle zu entscheiden: „Schieße ich, oder nicht?“, sei primäres Ziel der Ausbildung.

Vom Regieraum aus werden den Polizeistudenten wechselnde Szenarien vorgegeben, auf die sie situationsgerecht reagieren müssen.

Ausgerüstet mit der hochmodernen Pistole SFP 9 der Oberndorfer Waffenschmiede Heckler und Koch beginnen die Studenten bereits im ersten Studiensemester, sich mit der Waffe vertraut zu machen. Individuell angepasst an die Anatomie des Trägers wird der angehende Polizeibeamte diese erste Waffe während seiner gesamten Dienstzeit führen.

Selbstverständlich ist dem ersten Schießtraining ein intensives Studium der Waffentechnik sowie der rechtlichen Gegebenheiten vorweggegangen. Während im Grundlagentraining erste praktische Übungen wie das Schießen hinter der hohen Deckung auf dem Programm stehen, ist das situative Training besonders realitätsnah.

So werden die Polizeistudenten in computergestützten Filmsequenzen mit wechselnden Szenarien konfrontiert, die im täglichen Dienst immer wieder vorkommen könnten. Will der bei einem Einbruch ertappte Täter nur seinen Ausweis hervorholen, oder zieht er eine Waffe?

Unter höchster Anspannung

Obwohl es nur eine Übung ist, befinden sich die 18-jährige Alina Kathmann und Manuel Scharnbeck (26) in höchster Anspannung. Der Puls steigt merklich an, und nach erfolgter Schussabgabe zittern die Hände leicht. Das ist gewollt, erklärt Hoppmann. Um den Stressfaktor noch einmal zu erhöhen, gibt es auch Schießübungen, in denen die jungen Beamten während der Schussabgaben mathematische Aufgaben lösen müssen, ohne sich vom Einsatzziel ablenken zu lassen. 

Ein Unterschied in der Problemlösungs-Kompetenz zwischen männlichen und weiblichen Polizeistudenten sei im Schießtraining nicht erkennbar, sagt Jörg Henne als Chef der Polizeitrainings. Für beide gelten demnach gleiche Bedingungen im Training sowie im echten Einsatz.

In späteren Semestern folgen noch Trainings mit der FX-Waffe. Dabei können die Studenten mit Farbpatronen, ähnlich dem Paintballspiel, realitätsnahe Stresssituationen trainieren. So hat das neue Schießkino diverse Nutzungsmöglichkeiten.

hg

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