Rolf Jürdens aus Nienburg schlüpft seit 25 Jahren in den roten Mantel

Wenn der Weihnachtsmann beim Supermarkt parkt

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Egal ob Schnee liegt oder nicht, Rolf Jürdens besucht am Heiligabend viele Familien.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Angespannt ist er auch nach rund 25 Jahren noch. Jedes Mal, wenn er vor einer Haustür steht, sich vielleicht nochmal über den Bart streicht und die rote Kutte zurechtrückt, in der einen Hand das goldene Buch, in der anderen den Sack voller Geschenke. Gleich wird die Tür geöffnet und dann beginnt sein „Auftritt“.

Rolf Jürdens aus Nienburg ist nebenberuflich Weihnachtsmann und dass er noch immer ein bisschen Lampenfieber hat, sieht er positiv. „Denn dann gibt man sich Mühe.“ Und dass man sich Mühe gibt, ist für den 55-Jährigen selbstverständlich, denn als Weihnachtsmann sei man „Teil des Zaubers“, der den Heiligabend zu etwas Besonderem macht, an das sich gerade die Kinder noch lange erinnern sollen.

Damit das auch klappt, plant Weihnachtsmann Jürdens seine Besuche genau durch. Er fährt vorher seine Route ab, um am Heiligabend nicht versehentlich vor der falschen Tür zu stehen. Er spricht mit den Eltern, um Informationen über die Kinder zu bekommen, die er in seinem goldenen Buch notiert. Da steht dann zum Beispiel, in welche Klasse oder in welchen Kindergarten das Kind geht oder was es in der letzten Zeit so erlebt hat. Das ist wichtig denn: „der Weihnachtsmann weiß und sieht alles“, sagt Jürdens und schmunzelt.

Manche Eltern seien dabei besonders eifrig und geben ihm lange Listen von Erlebnissen aus jedem Monat. „Das lehne ich dann ab. Ich spreche nur zeitnahe Erlebnisse an, damit die Kinder sie auch noch im Gedächtnis haben.“

Natürlich dürfe der Weihnachtsmann auch mal tadeln, wenn das Kind sich falsch verhalten habe, aber hauptsächlich würde er loben und trösten, denn die Kleinen sollen seinen Besuch als etwas Schönes in Erinnerung behalten. „Die Rute bleibt grundsätzlich stecken“, betont Jürdens. Zu seinem Besuch gehört auch, dass das Kind ein Gedicht aufsagt oder vielleicht ein Lied singt.

Jürdens bezeichnet das als „sein Programm“, das ihm auch am Herzen liegt. „Einfach nur reinkommen, frohe Weihnachten wünschen und dann Geschenke verteilen, mache ich nicht“, sagt er. Die Geschenke gibt es bei ihm generell erst zum Schluss. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist mit den Kindern kaum noch zu reden, wenn sie ihre Pakete haben und zum anderen nutzt Jürdens die Zeit des Auspackens immer gern, um unauffällig zu verschwinden, um sich heikle Situationen zu ersparen. „Ich hatte schon Kinder, die dann zum Abschied unbedingt mit rauskommen wollten, um den Schlitten und die Rentiere zu sehen. Da hieß es dann improviseren“, sagt Jürdens und lacht. Diesen Kindern habe er erzählt, dass die Straße zu klein für den Schlitten gewesen sei – und er deswegen auf dem großen Parkplatz bei Real stehen würde.

Aber auch das ist eine Facette, die Jürdens an seinem „Nebenjob“ liebt. Ebenso mag er das Verkleiden, das Schlüpfen in eine andere Rolle und natürlich auch, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Selbst wenn ein Kind bei seinem Erscheinen erst einmal weinend unter dem Tisch sitzt, gelingt es ihm meistens nach kurzer Zeit, es zu beruhigen, in dem er sich erstmal den Eltern zuwendet und die ein Gedicht aufsagen lässt. Dann fasst der Nachwuchs auch rasch Vertrauen und taut auf.

Was Jürdens stört, ist, wenn die anderen Familienmitglieder die besondere Stimmung zunichte machen, die er zu erzeugen versucht, indem sie entweder den Fernseher laufen lassen, gelangweilt an ihren Smartphones herumspielen oder jede seiner Bewegungen mit ihren Handys filmen. „Zu solchen Familien gehe ich in der Regel auch nicht wieder“, so Jürdens.

Seine eigene Familie ist es gewohnt, dass er in der Adventszeit einen vollen Terminkalender hat. Neben seinem Beruf als Hausmeister bei der Agentur für Arbeit, ist er auf Betriebsfeiern und war in diesem Jahr zum ersten Mal an jedem Adventswochenende auf dem Weihnachtsmarkt an der Kirche. „Das hat Spaß gemacht und ich werde wohl nächstes Jahr wieder dabei sein“, meint der zweifache Vater. Sein Sohn ist übrigens begeistert, einen Weihnachtsmann zum Papa zu haben und möchte ihn als „Knecht Ruprecht“ begleiten. Die Leidenschaft scheint also in der Familie zu liegen, denn Jürdens hat herausgefunden, dass auch sein Großvater schon als Weihnachtsmann unterwegs war.

Heute wird sich der 55-Jährige am Nachmittag auf die Reise machen und wieder mehrere Familien besuchen. Doch um 19.30 Uhr ist für ihn Schichtende, denn dann beginnt der Heiligabend auch für den Weihnachtsmann.

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