Hip-Hop im Kloster

Reichlich ungewohnte Klänge

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Ungewohnte Musik lässt Rapper „Spax“ im Refektorium des Klosters Loccum erklingen.

Loccum - Reichlich ungewohnt sind die Klänge gewesen, die das Refektorium des Klosters Loccum an einem Abend seines Kloster-Klang-Festivals erfüllt haben. Hip-Hop vom Rapper „Spax“ ist nicht eben die alltägliche Art und Weise, mit der auf das Reformations-Jubiläum hin musiziert wird.

„Schon schräg.“ Der Kommentar des Rappers zu Beginn des Konzertes, das er gemeinsam mit „DJ Mirko Machine“ gestaltete, war knapp, aber treffend, als er seinen Blick nach oben zum Gewölbe des Refektoriums richtete. Eigentlich seien sie eher düstere, niedrige Kellergewölbe zu ihren Auftritten gewohnt.

So ungewöhnlich, wie der Raum für die beiden Männer war, so ungewöhnlich war auch das Publikum. Zappelnde und aufgeregte Kinder, ein zu großen Teilen jüngeres Publikum als jenes, das bei anderen Gelegenheiten auf den alten Stühlen sitzt, aber eben auch jene, denen nahezu schon ein angestammter Platz im schönsten Gemach des Klosters zukommt, warteten auf die Dinge, die da auf sie zukommen sollten.

Im Vorfeld des Reformations-Jubiläums und innerhalb des musikalisch-literarischen Festivals, das das Kloster über vier Wochen ausgerichtet hat, war das Ungewohnte aber durchaus gewollt. 2013, als das Kloster sein 850-jähriges Bestehen feierte, da hätten sie den Rapper schon einmal zu sich geholt, sagte Loccums Abt Horst Hirschler. In wie kurzer Zeit jener damals wie viel zum Kloster habe sagen können – davon sei er so fasziniert gewesen, dass er ihn unbedingt noch einmal nach Loccum holen wollte.

Das Thema hat gewechselt, die Schnelligkeit des Vortragenden jedoch nicht. Was folgte, könnte sich womöglich mancher Prediger auf der Kanzel zu Herzen nehmen – im Stakkato und deshalb nicht weniger eindringlich ließ „Spax“ sein Hip-Hop-Feuerwerk durch den Saal schwingen und hatte keine Mühe damit, sein Publikum zu animieren, selbst mitzusingen. „Boom, boom – bäng, bäng“ als eingängige Formel schallte vielstimmig bis in den Kreuzgang hinein.

Auch Abt Horst Hirschler (3.v.r.) stimmt fröhlich in den Beat von Rapper „Spax“ ein.

Dass es dennoch kein Konzert „just for fun“, sondern durchaus mit Bezug zum Reformator Luther war, hatte Hirschler zu Beginn bereits erläutert. Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“, den dieser geschrieben hatte, als seine Übersetzung des Neuen Testaments in die Kritik geriet, sollte der Ausgangspunkt sein. Was Dolmetscher anrichten können, erklärte Hirschler launig anhand einer Übersetzung der Luther-Bibel aus den 1970er-Jahren, als Gottesdienst-Besucher beim Zitieren herzhaft zu lachen begannen: Statt sein Licht unter den Scheffel zu stellen, hatten die Dolmetscher seinerzeit gemeint, jenes Licht müsse unter einem Eimer stehen. Dem Volk aufs Maul zu schauen, seine Sprache zu sprechen und dadurch verstanden zu werden – das wollte Luther und dieses „Aufs-Maul-Schauen“ war auch Sinn und Zweck des Konzerts. Sprache verändert sich eben und diejenigen, an die sich eine Botschaft richtet, sollten sie auch verstehen können. Manchmal jedoch, bei eingängigen und tradierten Zitaten, kann es eben auch vorkommen, dass sich die Dolmetscher rückwärts wenden müssen. Wie beim Eimer, der in der Bibel mittlerweile wieder ein Scheffel ist.

„Spax“ indes machte angesichts Raum, Publikum und Thema kleine Zugeständnisse. Mit Religion, weder katholisch, evangelisch, muslimisch noch anderer Art, habe er nichts am Hut. Er glaube in diesem Sinne nicht – interessiere sich aber dennoch für Religion. Seine persönliche Form von Glauben habe er im Hip-Hop gefunden, der für ihn weitaus mehr als eine Musikrichtung sei. Von diesem Glauben verbreitete er an diesem Abend viel im Refektorium des Klosters. 

ade

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