Keine "Abholzung": Rechtmäßige Waldverjüngung im Steyerberger Pfarrbusch

„Fachlich nicht zu beanstanden“

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Henning Schmidtke, Bernhard Schiewe, Stefan Bruns, Heinz-Jürgen Weber, Frank Siedenberg (Gemeindeverwaltung Steyerberg), Karl-Heinz Dose und Hubert Wichmann (v.l.). bei der Begehung.

Steyerberg - von Kristina Stecklein. Ein geringer Teil des Steyerberger Pfarrbusches wurde vor einigen Wochen gerodet. Insbesondere Bürger zeigten sich alles andere als begeistert, sprachen sogar von Kahlschlag. Doch die Verantwortlichen wissen: Hier lief alles richtig ab.

Zwei neue Nachbarn: Rechts eine kürzlich gepflanzte Douglasie – und links daneben (wirkt wie eine Blume) der Keimling einer kleinen Buche.

Dass ein Thema ganz besonders am Herzen liegt, wird vor allem dann deutlich, wenn viele Beteiligte gemeinsam an einem Strang ziehen. Nachdem Kritik an der Rodung eines 1,6 Hektar großen Waldgebietes im Steyerberger Pfarrbusch geäußert worden ist (wir berichteten), erreichten Revierförster Karl-Heinz Dose einige negative Nachrichten. Fehler hat er allerdings keine gemacht – daher stehen sowohl das Forstamt, die Verwaltung Steyerbergs, die Fortwirtschaft als auch der Naturschutzbund (NABU) hinter ihm.

Um die aktuelle Situation vor Ort bewerten zu können, trafen sich der Leiter des Forstamtes Henning Schmidtke, Betriebsdezernent Hubert Wichmann, Steyerbergs Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber, Frank Siedenberg (Gemeindeverwaltung Steyerberg), Forstwirt Stefan Bruns, Habitatbaum-Projektleiter Bernhard Schiewe und Karl-Heinz Dose mit dem Blickpunkt am Ort des Geschehens.

Verkauf deckt Neubepflanzung nicht

„Die Maßnahme ist geplant gewesen. Was Herr Dose gemacht hat, ist fachlich nicht zu beanstanden“, betont Heinz-Jürgen Weber. Der Bürgermeister möchte den Pfarrbusch mit seinen Fitnessrouten und den Naherholungsmöglichkeiten als Anziehungspunkt unterstützen – nichtsdestotrotz müsse man auch Forstwirtschaft betreiben. Doch wirklich wirtschaftlich war die Abholzung sowie Neubepflanzung des Waldstückes nicht. Ganz im Gegenteil: Die Gemeinde musste für die 1 200 Stieleichen, 600 Bergahorne und 2 250 Douglasien, die nun auf der gerodeten Fläche ein neues Zuhause finden, trotz des Verkaufes der alten Kiefern, noch ordentlich drauf zahlen. „Es geht nicht darum, Geld zu machen“, sagt Forstamtleiter Henning Schmidtke. Waldsicherung sei in diesem Fall das richtige Stichwort.

„Lebensraum geschaffen“

Auf der Fläche liegt Reisig. Damit ist ein neues Zuhause für andere Tiere geschaffen.

„Es waren gerade noch 20 Kiefern über. Der Bereich war überhaupt nicht mehr mit Waldbäumen bewachsen. Die spätblühende Traubenkirsche dehnte sich hier ebenfalls aus. Sie verhindert die natürliche Waldverjüngung zunehmend“, erklärt Karl-Heinz Dose bei der Begehung. Überall liegt auf der gerodeten Fläche Reisig. „Wir haben hier keinen Lebensraum zerstört“, sagt der Revierförster und zeigt auf die dünnen Äste, die zusammengelegt nun Käfern, Vögeln und anderen Kleintieren Schutz bieten. „Wir haben eher Lebensraum geschaffen“, betont er. Auch privat habe Dose Freude am Naturschutz. Vor seinem Haus liegen seit längerer Zeit Eichenrollen, in denen Hirschkäfer leben – eine bekannte, aber mittlerweile sehr seltene Art.

Schutz – vor allem für die heranwachsenden Keimlinge und Jungpflanzen – gibt es seit der Rodung und Neubepflanzung auch in Form eines Zaunes. „Um das zu schützen, was wir investiert haben“, hebt der Bürgermeister hervor. Aus der einstigen Monokultur wird nun ein Mischwald. „Wir wollen Mischbestände haben“, erklärt Dose, weil „Mischwälder viel stabiler sind, auch gegen Schädlinge.“ Nach dem Krieg sind hauptsächlich Kiefern gepflanzt worden. Zum einen, weil sie schneller wachsen, zum anderen, weil große Flächen zerstört gewesen waren.

Keine Habitatbäume betroffen

Gekennzeichneter Habitatbaum.

Dass Habitatbäume auf der Fläche abgeholzt worden sind, verneint Bernhard Schiewe nach der Begehung des Waldstückes. Vor Ort bestätigt der Projektleiter nun: „Aus Naturschutzsicht ist hier alles richtig gemacht worden“. Auf der Fläche stehen Bäume mit einem hell orange-leuchtenden Kreuz. Lediglich die Grenze der geplanten Rodungsfläche wurde damit gekennzeichnet. Es gibt aber auch welche mit einem „H“– und genau diese Bäume sind stehengebliebene Habitatbäume.

Das NABU-Projekt bezieht sich ausschließlich auf Privatwälder. „Diese Bäume möchten wir schützen“, erklärt Schiewe. Wenn aber ein Baum „Leib und Leben“ gefährdet – dann muss dieser gefällt werden. Da sind sich alle Beteiligten bei der Begehung einig. „Wenn etwas passiert, bringt es dem Habitatbaum-Projekt nichts“, verdeutlicht Schiewe ernst. Für andere Wälder sei die Kommune und ein entsprechender Gutachter zuständig.

Eine Waldgeneration überlebt drei bis fünf Menschengenerationen. Für einige sei das ein schwer nachvollziehbarer Prozess. „In 100 Jahren sind das Bäume, in denen der Specht leben wird. Das ist die Dynamik hier“, hebt Schmidkte hervor. „Der Seeadler, der Fischadler – die Waldkatze. Eigentlich sind sie ein Beleg dafür, dass die Fortwirtschaft einen anderen Weg eingeschlagen hat“, erklärt Hubert Wichmann.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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