Prozess um den Mord an Judith T. in Bad Rehburg beginnt

Der „Psychopath mit sexuellem Sadismus“ schweigt

Der Angeklagte Jörg N. sitzt beim Prozessauftakt in einem Gerichtssaal im Landgericht in Verden. - Foto: dpa

Verden - Von Wiebke Bruns. Unscheinbar wirkte der Angeklagte Jörg N. als er gestern gegen 11.15 Uhr von zwei Justizbeamten in den Saal 113 des Landgerichts Verden geführt wurde. Nachdem man ihm die Handschellen abgenommen hatte, versuchte der 48-Jährige sein Gesicht vor den zahlreichen Kameras hinter einer Hand zu verbergen. Er will sich nicht der Öffentlichkeit zeigen und er will nichts zu den Tatvorwürfen sagen. Schweigen ist die Strategie des Angeklagten, den die Staatsanwaltschaft Verden für einen Mörder, Psychopathen und Sadisten hält.

Am 12. September 2015 soll der in Lingen geborene Angeklagte die 23-jährige Judith T. „zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes und aus sonstigen niedrigen Beweggründen“ ermordet haben, so der Vorwurf. An diesem Tag hatte er unbegleiteten Ausgang aus dem niedersächsischen Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg.

Der Angeklagte und sein Opfer hielten sich auf dem Pilgerweg im Klosterforst auf, heißt es in der Anklageschrift. Seine Absicht sei es gewesen, die junge Frau zu vergewaltigen. „Er packte sie überfallartig und brachte sie zu Boden“, so Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. Der vorbestrafte Vergewaltiger, Familienstand geschieden, habe die junge Frau fixiert. Am Körper des Opfers wurden später Zeichen stumpfer Gewalteinwirkung gefunden. Unklar ist für die Ermittler, ob er die 23-Jährige entkleidet hat oder ob er sie gezwungen hat, sich selbst auszuziehen.

„Sie wehrt sich, fügt ihm Kratzer im Gesicht und am Hals zu“, heißt es weiter. „Er fixiert sie an den Oberarmen und drückt sie auf den Waldboden.“ Bereits zu diesem Zeitpunkt soll Jörg N. geplant haben, die junge Frau zu töten und ihre persönlichen Gegenstände zu entsorgen, um nicht als Täter überführt zu werden. Außerdem habe er sie gewürgt, um sich an ihrer Panikreaktion sexuell zu stimulieren.

„Bei der Säuberung des Tatortes übersah er ihre Brille und ein Stück Kaugummipapier, das ihm aus der Kleidung gefallen war“, heißt es weiter in der Anklageschrift. Dieses kleine Stück Papier brachte die Ermittler – wegen einer Panne jedoch erst Monate später – auf die Spur des Angeklagten. Außerdem soll er am Tattag mit Kratzern im Gesicht in das Maßregelvollzugszentrum zurückgekehrt sein.

Dort befand er sich seit Januar 2013 auf Grund einer Verurteilung wegen Vergewaltigung. Im Rahmen von Lockerungen hatten er wiederholt unbegleiteten Ausgang, obwohl seine Gefährlichkeit in einem früheren Urteil festgestellt und die Sicherungsverwahrung angeordnet worden war (wir berichteten).

Die Staatsanwaltschaft Verden strebt mit dem Prozess neben der Verurteilung wegen Mordes die erneute Anordnung der Sicherungsverwahrung von Jörg N. an. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde er weitere Gewaltdelikte begehen, heißt es in der Anklageschrift. Denn der 48-Jährige habe sich als „Psychopath mit sexuellem Sadismus auf Vergewaltigung mit Würgen bis zur Bewusstlosigkeit spezialisiert“.

Die Familie des Opfers ist an dem Prozess als Nebenkläger beteiligt. Ihnen gehe es um die Aufklärung des Sachverhaltes, der Schuldfrage und der Versäumnisse, sagte später Raban Funk als einer der drei Anwälte der Familie.

Am Freitag, 14. Oktober, um 9 Uhr soll der Prozess fortgesetzt werden. Ein Urteil wird nicht vor Januar 2017 erwartet.

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