Prozess in Verden

36-jähriger Nienburger wegen Überfall auf Spielhalle verurteilt

Verden - Von Wiebke Bruns. Um die Allgemeinheit zu schützen, muss ein Spielhallenräuber aus Nienburg nach dem Verbüßen einer gleichzeitig verhängten Haftstrafe in Höhe von siebeneinhalb Jahren in die Sicherungsverwahrung. Angeordnet hat dies gestern die 7. Große Strafkammer des Landgerichts Verden in dem Prozess gegen einen 36 Jahre alten Angeklagten. Die Verurteilung erfolgte wegen besonders schweren Raubes und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung.

Das Gericht folgte bei der Strafhöhe der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte allerdings den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung als ausreichend erachtet. Verteidigerin Katharina Theuerkaufer hatte sechs Jahre und neun Monate Haft beantragt sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Sie ist überzeugt, dass die therapeutischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind. Ein Sachverständiger hatte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine Polytoxikomanie (Form des Drogenkonsums) bescheinigt und keine therapeutischen Möglichkeiten gesehen.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Mai 2016 hatte der Angeklagte zwei Spielhallen in Nienburg überfallen. Am 20. Mai hatte eine Mitarbeiterin in der Burgstraße ohne zu zögern dem mit einem Messer bewaffneten, aber unmaskierten Räuber den Kasseninhalt überlassen. Eine Mitarbeiterin einer Spielothek in der Celler Straße wollte den Täter zunächst mit lauwarmen Wasser aus einem Wasserkocher vertreiben. Bei einem Gerangel hatte der Angeklagte sie mit dem Messer verletzt und war dann ohne Beute verschwunden.

Was die Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, war aus Sicht des Gerichts jedoch ein „massiver Gewalteinsatz“. „Wir konnten sehen, wie Sie die Frau weggedrückt und ihr den Mund zugehalten haben. Sie haben sie heftig angefasst und ihr das Messer immer wieder vorgehalten. Wir glauben Ihnen aber, dass sie das Messer nicht einsetzen, die Frau nicht abstechen oder schneiden wollten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Deshalb ging die Kammer von Fahrlässigkeit bei der Verletzung an einer Hand aus, die noch eine weitere Operation erforderlich machen. Bei Hämatomen am Arm lag aus Sicht der Kammer Vorsatz vor.

„Ihre Verteidigerin hat beachtliche Aspekte in die Hauptverhandlung eingebracht“, betonte der Vorsitzende Richter Marcus Tittel. Doch in dem Urteil ging die Kammer bei der Sicherungsverwahrung über die Forderungen beider Juristinnen hinaus. Und wie Tittel betonte, sei dies keine Ermessensfrage des Gerichts. Die Voraussetzungen würden vorliegen und damit sei die Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Der Angeklagte hat bereits Freiheitsstrafen wegen eines Überfalls auf einen Getränkemarkt in Nienburg und einen Überfall in Lüneburg verbüßt. Ohne Sicherungsverwahrung würden solche Taten mit „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ wieder passieren, betonte Tittel und merkte an, dass der Angeklagte von den letzten elf Jahren zehn Jahre in Haft verbracht habe. Zuletzt war der Angeklagte 2015 nach Verbüßen einer Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden und hatte recht schnell wieder Drogen konsumiert. Die Taten hatte er begangen, um an Geld für Drogen zu kommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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