Profi-Sprayer aus Potsdam verschönern Bauwerke im Auftrag der Avacon

Rund 250 Trafo-Häuser sind längst echte Kunstwerke

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Gespraytes Schmuckstück in Lemke: Dieses künstlerisch gestaltete Trafo-Häuschen weist den Weg zur Freilichtbühne Marklohe.

Nienburg - Von Kurt Henschel. Mehr oder weniger hässlich, schmuddelig und langweilig grau – so kennen viele Bewohner auch des Landkreises Nienburg die zahlreichen Trafo-Häuser, Ortsnetz-Stationen und Kabel-Verteilerschränke im Einzugsgebiet des heimischen Stromnetz-Betreibers Avacon. Diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an: Rund 250 dieser Objekte sind längst zu echten Kunstwerken geworden.

„Die Objekte tragen nicht nur zur Verschönerung des Ortsbildes bei, wir kommen damit auch unserer Verantwortung als Netzbetreiber nach und leisten so einen wichtigen Beitrag zu Werterhalt, Instandhaltung und Prävention gegen wilde Graffitis“, erklärt Bernd Heckmann vom Kommunalmanagement der Avacon in Nienburg, zu der insgesamt zwölf Betriebsstandorte gehören und deren Bereich damit „so groß wie das Saarland“ ist. Seit fünf Jahren, so Heckmann, arbeite das Unternehmen, das sich nach der Sparkasse als zweitgrößten Sponsor im Landkreis Nienburg betrachtet, mit der Firma Art-EFX aus Potsdam zusammen. Deren Mitarbeiter sind Sprayer-Profis und gehen mit Sprühdose, Pinsel, Airbrush und Lackstift am auserkorenen Objekt an ihr künstlerisches Werk.

Das aber eben nicht willkürlich. Heckmann: „Die suchen sich nicht einfach etwas aus, sondern treten gezielt in Aktion.“ Kommunen, Vereine oder auch Bürger hätten die Möglichkeit, Vorschläge zur Verschönerung eines blassen und farblosen Objekts einzureichen, wobei die Profis dann bis zu drei Entwürfe erarbeiten, von denen am Ende eines „gewinnt“.

Die Profis besichtigen das Objekt, vermessen es, beraten bei gegebenenfalls bereits vorhandenen Ideen, erstellen ein kostenloses Angebot, liefern Entwürfe inklusive digitaler Vorschau, behandeln vor und grundieren, ehe es schließlich zur künstlerischen Gestaltung durch individuell abgestimmte Teams kommt, wie eine Firmen-Sprecherin in Potsdam auf Nachfrage mitteilte.

Die Umsetzung lässt sich die Avacon in Nienburg pro Objekt zwischen 1000 und 3000 Euro kosten. „Das hängt von der Größe ab“, so Heckmann, der hauptsächlich für Konzessionsverträge zuständig ist, sich aber auch um das Sponsoring kümmert. „Der Preis für das Verschönern unserer Strom- und Gas-Bauwerke ist uns die Sache allemal wert“, denn „die ausgesuchten Motive zeigen örtliche Besonderheiten oder stellen einen direkten Bezug zur Umgebung her“, ergänzt der 57-Jährige, der bereits als ein Avacon-Urgestein gilt und den Spraydosen-Künstlern stets mit Interesse bei ihrer Arbeit zuschaut – und fasziniert ist von deren Künsten: „Die sprayen sogar Gesichter so exakt als handele es sich um Fotografien.“

„Immer zwei Leute kommen mit einem Bulli angefahren, in dem sich weit mehr als 100 Spraydosen mit allen möglichen – auch speziell gemischten – Farben befinden“, so Heckmann. Dann legen sie los, die Sprayer, die unter Atemschutz arbeiten und „etwa drei Häuschen in zwei Tagen schaffen“, wie Heckmann erklärt.

Warum engagiert sich die Avacon – neben Hand-, Fuß- und Volleyball sowie der Kreisjugendfeuerwehr – auch in diesem Bereich? Heckmann: „Es ist für uns eine Win-Win-Situation. Wir fördern unser Image und erreichen eine optimale Synthese zwischen unserem Unternehmen und den Bewohnern in den Kommunen.“

Zu den Motiven: In Lemke steht ein Trafo-Häuschen, das den Weg zur Freilichtbühne Marklohe weist. Weitere Kunstwerke befinden sich in Nienburg beispielsweise „Am Haaken Werder“ (Schiff auf der Weser), an der Hakenstraße (das „wählige Rott“), in Rohrsen an der „Alten Schule“ (Schulkinder) oder in Münchehagen an der Hannoverschen Straße, wo es sich beim aufgebrachten Motiv wie selbstverständlich um Dinosaurier handelt. In anderen Bereichen realisierten die Profi-Sprayer zum Beispiel auch Szenen aus der Landwirtschaft, verzierten Türme oder auch Feuerwehrhäuser.

Heckmann: „Wir machen so weiter. Etwa fünf oder sechs Trafo-Häuschen pro Jahr lassen wir verschönern.“ Er freut sich in diesem Zusammenhang darüber, dass ein „Sprayer-Kodex“ vor wilden Graffitis schützt: „Bemalte Flächen beschmiert eigentlich niemand“, so Heckmann. Er hofft, „dass das so bleibt“.

Die Sprayer-Profis von Art-EFX in Potsdam beschreiben sich auf ihrer Homepage so: „Im Zeichen des Chamäleons verwandelt Art-EFX mit Farbe und Ideenreichtum seit 2003 Objekte aller Art. Wir erschaffen Räume, wir visualisieren Träume. Wir lassen verschwinden, wir heben hervor. Wir lassen Altes neu aussehen – und wenn nötig auch Neues alt. Unser Handwerk ist authentisch, unsere Kunst weckt Emotionen, unsere Geschichten regen die Fantasie an. Art-EFX verlässt die bekannten Pfade der Illustration, Fotografie und Werbegrafik um Ihnen mit künstlerischer Fassadengestaltung neue Perspektiven der visuellen Kommunikation zu eröffnen.“

Das Art-EFX-Team besteht aus 18 Leuten, von denen drei Auszubildende zum Mediengestalter für Digital und Print sind. Die Geschäftsführung teilen sich Ronny Bellovics, Markus Ronge und Christian Hipp.

Infos und Kontakt unter

art-efx.de

info@art-efx.de

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