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Nienburg: Mehr Kinderpornografie-Delikte

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Eine Kriminaloberkommissarin vor einem Auswertungscomputer.
Eine Kriminaloberkommissarin vor einem Auswertungscomputer. Auch im Kreis Nienburg gibt es mehr Fälle von Kinderpornografie. © dpa

Landkreis – „Dramatisch“, so schätzt die Polizeiinspektion (PI) Nienburg/Schaumburg die gestiegene Zahl von sexualisierter Gewalt gegen Kinder in den Kreisen Nienburg und Schaumburg ein. Die Inspektion hat jetzt ihre aktuelle Kriminalstatistik veröffentlicht.

234 Fälle haben die Beamten in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr erfasst. Dabei handelt es sich um den Besitz und die Verbreitung pornografischer Erzeugnisse. In 209 Fällen (2020: 88) seien demnach Kinder und Jugendliche bei Missbrauchshandlungen abgebildet worden. Die Aufklärungsquote dieser Taten liege bei 97,5 Prozent. „Dieser bundeseinheitliche Anstieg ist weiterhin auf viele Verdachtsanzeigen aus den USA zurückzuführen“, sagt der Leitende Polizeidirektor Mathias Schröder, zugleich Leiter der PI. 2021 gingen rund 50 Hinweise vom NCMEC2 (National Center for Missing & Exploited Children) in den USA über das Bundes- und das Landeskriminalamt aufgrund örtlicher Bezüge bei der PI ein. „Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist von 47 auf 60 Fälle gestiegen“, heißt es weiter. „Bei der Auswertung pornografischer Bild- und Videodateien mit Kindern und Jugendlichen ist die Aufklärung und Verhinderung dahinterliegender realer Missbrauchsfälle unser oberstes Ziel“, betont Kriminaldirektor Andreas Tschirner, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der PI. „Dabei verzeichnen wir weiter unglaubliche Zuwächse an auszuwertenden Datenmengen, was deutlich macht, wie groß mittlerweile offenbar das furchtbare Geschäft mit den oft kindlichen Opfern geworden ist“, sagt Tschirner. Seit Februar ist eine ständige Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder aktiv. „Darüber hinaus haben wir erheblich investiert, um technische Möglichkeiten der Auswertung zu verbessern und unsere Daten- und Speichernetze auszubauen. Wir bekämpfen diese verabscheuungswürdigen Taten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln“, betont Tschirner.

Häusliche Gewalt: Vor allem Frauen betroffen

In Zeiten der Pandemie gilt außerdem den Delikten im Bereich der häuslichen Gewalt ein besonderes Augenmerk: 2021 erlebten nach Angaben der Statistiker 745 Menschen in den Kreisen Nienburg und Schaumburg häusliche Gewalt und zeigten das an. 73 Prozent der Opfer waren Frauen, 27 Prozent Männer. Der Großteil der Taten sei auf vorsätzliche Körperverletzungsdelikte zurückzuführen (478 Opfer), darauf folgten gefährliche sowie schwere Körperverletzung (73 Opfer) und zuletzt Straftaten gegen das Leben (6 Opfer). Häusliche Gewalt beinhaltet nach einer bundeseinheitlichen Definition „alle Formen körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt und umfasst familiäre sowie partnerschaftliche Gewalt“.

Die Ermittler haben festgestellt, dass die Abstände zwischen den Gewalttaten häufig kürzer werden und ihre Intensität steigt. „Oft aus Angst, Scham oder Schuldgefühlen, aber auch aufgrund von Abhängigkeiten bleiben Betroffene in Beziehungen, obwohl diese zunehmend gefährlich für sie werden“, heißt es im Bericht.

Besonders Kindern falle es schwer, sich gegen die eigene Familie zu wenden und Hilfe zu suchen. „Gerade für sie fehlte im vergangenen Jahr unter anderem infolge der pandemiebedingten Schulschließungen und Ausfälle der Betreuungseinrichtungen die soziale Kontrolle, sodass hier von einem hohen Dunkelfeld auszugehen ist“, schreiben die Beamten.   kat

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