Gericht: Gefährliche Körperverletzung

Diepenau: Eine Ladung Pfefferspray gegen ungebetene Gäste

Der Einsatz von Pfefferspray brachte einen 34-Jährigen aus Diepnau jetzt vor Gericht. symbol
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Der Einsatz von Pfefferspray brachte einen 34-Jährigen aus Diepnau jetzt vor Gericht. symbol

Ein 34-jähriger Mann aus Diepenau hat mit Pfefferspray ungebetene Gäste aus seiner Wohnung vertrieben. Dafür musste er jetzt vor Gericht.

Diepenau – Als Worte nicht genügten, um seinen Neffen und weitere Jugendliche aus seiner Wohnung zu vertreiben, griff ein 34 Jahre alter Angeklagter aus Diepenau zum Pfefferspray. Die ungebetenen Gäste war er dann zwar los, doch es folgte neuer Ärger. Dieses Mal mit der Justiz. Der Einsatz des Pfeffersprays war eine gefährliche Körperverletzung. Ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Stolzenau wurde in einem Berufungsverfahren von der 5.

Kleinen Strafkammer des Landgerichts Verden bestätigt.

Zum Tatzeitpunkt im August 2020 war die Wohnung noch möbliert, der Angeklagte wohnte aber woanders. Wiederholt sollen der Neffe und seine Kumpels – ohne die Zustimmung des Onkels – die Wohnung „zum Feiern und dergleichen missbraucht haben“, wie es die Verteidigerin formulierte. Unerlaubt soll sich der Neffe einen bei seinem Opa hinterlegten Schlüssel für die Wohnung genommen haben.

Über eine installierte Kamera konnte der Angeklagte sehen, was sich an jenem Morgen in seiner Wohnung abspielte. Der 34-Jährige fuhr zu seiner Wohnung, forderte die Jugendlichen auf, zu gehen. „Sie haben überhaupt keine Anstalten gemacht und sich weiterhin auf dem Sofa gefläzt“, so die Verteidigerin. Da frühere Gespräche mit Polizei und Eltern nichts gebracht hatten, habe ihr Mandant das Pfefferspray eingesetzt. Er habe aber nicht gezielt auf die Jugendlichen, sondern von der Tür in den Raum gesprüht. Das zeigte Wirkung.

„Charakter von Selbstjustiz, den man nicht dulden kann“

Was die Verteidigerin als vertretbares Mittel ansah und deshalb einen Freispruch beantragte, hat nach Auffassung die Staatsanwältin den „Charakter von Selbstjustiz, den man nicht dulden kann“. Die Staatsanwältin sah dafür keinen Rechtfertigungsgrund, wertet das Ganze aber auch wegen des provozierenden Verhaltens der Jugendlichen als minderschweren Fall. „Das ist sehr unglücklich gelaufen“, billigte sie dem Angeklagten zu, der den Pfeffersprayeinsatz nicht bestritten hat.

„Wir können den Ärger und die Entrüstung des Angeklagten sehr gut verstehen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Vorsitzende Richterin Marita Gudehus sprach von einer „ganz unglücklichen Eskalation der Geschehnisse“. Und in Richtung des nicht anwesenden Neffen: „Er wusste genau, dass er nicht in die Wohnung durfte.“

„Der Angriff auf das Hausrecht war aber nicht so gravierend, dass der Angeklagte berechtigt war, das Pfefferspray einzusetzen“, betonte sie zugleich. Er sei ein erwachsener Mann, die Jugendlichen 15 bis 16 Jahre alt. Der 34-Jährige habe „vollkommen überreagiert“.

Die Rechtssprechung sei eindeutig: beim Einsatz von Pfefferspray in geschlossenen Räumen sei nicht zu kontrollieren, wer es abbekommt. Die Verletzungen seien in diesem Fall aber eher geringfügig gewesen. Zurecht habe das Amtsgericht auf gefährliche Körperverletzung im minderschweren Fall entschieden und 90 Tagessätze á 60 Euro verhängt. Die Berufung des Angeklagten wurde somit verworfen.Rechtskräftig ist aber auch dieses Urteil noch nicht.

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