Petra Bauer kümmert sich im Landkreis Nienburg nicht nur um Frauen

„Gleichstellung betrifft durchaus auch Männer“

Petra Bauer, seit gut fünf Monaten Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg, in ihrem Büro im Kreishaus und mit dem „Politik-braucht-Frauen“-Flyer.
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Petra Bauer, seit gut fünf Monaten Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg, in ihrem Büro im Kreishaus und mit dem „Politik-braucht-Frauen“-Flyer.

Nienburg - Von Kurt Henschel. Mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und dann gleich rechts – dort ist im Nienburger Kreishaus das Büro von Petra Bauer. Sie ist seit dem 1. Juni Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nienburg und Nachfolgerin von Ilona Scheller. „Erst fühlte ich mich schon ein wenig abgeschoben, inzwischen gefällt mir mein Zimmer aber sehr gut“, erklärt die 55-jährige Wahl-Markloherin, die gebürtig aus Alfeld stammt und sich nach nunmehr gut fünf Monaten eingelebt hat.

„Die Kennenlern- und Vorstell-Phasen sind weitgehend vorbei, erste Projekte sind angelaufen“, so die Mutter zweier erwachsener Söhne. Sie dürfte keine Unbekannte sein im Landkreis Nienburg, denn sie hatte zuvor in der „Koordinierungsstelle frau+wirtschaft“ in Nienburg gearbeitet. „Dort war mein Vertrag immer nur für ein Kalenderjahr gültig, das war mir zu unsicher. Ich wollte unbedingt etwas machen, was längerfristiger Natur ist“, so Bauer. Ihre jetzige Aufgabe umfasse zwar lediglich eine halbe Stelle mit 19,5 Stunden in der Woche, aber sie müsse nicht mehr jedes Jahr im Herbst darum bangen, ihre Aufgabe auch fortsetzen zu können.

Petra Bauer ist zufrieden – nicht nur mit ihrem Büro ganz oben im Kreishaus. Gut angelaufen sei die notwendige Vernetzung im Kreishaus sowie anderen Gleichstellungsbeauftragten und Einrichtungen. Dass das sogar bis über die Grenzen des Landkreises Nienburg hinausgeht, beweisen Aktionen, die mit Christina Runge, ihrer Amtskollegin im Landkreis Diepholz, auf dem Weg sind: Das „Mentoring-Programm“, bei dem es darum geht, noch mehr Frauen als bisher für einen Einstieg in die Kommunalpolitik zu begeistern, und die Brötchentüten-Aktion gegen Gewalt an Frauen. Bei Letzterer sitzen auch die Betriebe der Bäcker-Innung Diepholz/Nienburg für den „Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Dienstag, 25. November, mit im Boot, berichtet Petra Bauer.

„Mehr Frauen in die Politik“ – bei dieser Aktion haben sich im Landkreis Nienburg acht Frauen gemeldet, die einen „Partner“ an die Seite gestellt bekommen, der bereits kommunalpolitische Erfahrungen besitzt. Diese „Tandems“ arbeiten fortan eng zusammen und entwickeln gemeinsam die Grundlagen für den Einstieg in die Kommunalpolitik. Dazu startet zu Beginn des neuen Jahres auch eine spezielle Seminar-Reihe mit dreistündigen Themen-Abenden im Haus der Volkshochschule in Nienburg (siehe Info-Kasten).

Petra Bauer baut bei ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte auf ihre berufliche Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen. Sie ist gelernte Erzieherin, hat studiert und war als Diakonin tätig. Nach zehnjähriger Elternzeit arbeitete sie als Honorarkraft in diversen Kirchengemeinden, unterrichtete Erzieherinnen und Diakoninnen am Religionspädagogischen Institut (RPI) in Loccum und wirkte für den Sprengel Calenberg-Hoya in Hannover in der Altenarbeit.

In ihrer aktuellen Rolle sieht sie sich „für alle Menschen im Landkreis in Sachen Gleichstellung zuständig“. Sie arbeite zusammen mit den Gleichstellungsbeauftragten in der Stadt Nienburg, in Rehburg-Loccum, in der Grafschaft Hoya, in Liebenau und Uchte. Mit ihnen hat Petra Bauer den „Arbeitskreis Gleichstellung“ wiederbelebt und trifft sich mit den Kolleginnen einmal monatlich zum Austausch.

Dass sie sich ausschließlich um Frauen-Belange kümmere, stimme so nicht. Zwar suchten Männer nur vergleichsweise selten Rat bei ihr, aber das sei ein Prozess, der weiter wachsen müsse, sagt die Gleichstellungsbeauftragte, die eben nicht mehr – wie früher – eine reine Frauenbeauftragte sei. „Deshalb ist die Aufgabe ja auch umbenannt worden“, erinnert Bauer und sagt: „Auch Männer, die aus der Elternzeit kommen und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, dort aber eine andere Aufgabe als zuvor zugewiesen bekommen, holen sich Rat bei mir.“ Es gehe schließlich um „Gleichstellung“ – „und die betrifft sowohl Frauen als auch Männer.“

Für das „Mentoring“-Programm „Politik braucht Frauen“, das im Vorfeld der Kommunalwahl 2016 ins Leben gerufen worden ist, gibt es Schulungen für die acht Frauen, die sich bei Petra Bauer, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Nienburg gemeldet haben. Die sogenannten Begleitveranstaltungen der Seminar-Reihe „Einstieg in die Kommunalpolitik“ laufen allesamt im kommenden Jahr im Haus der Volkshochschule (VHS) Nienburg an der Rühmkorffstraße 12 in Nienburg (Termine stehen noch nicht genau fest). Jeweils in der Zeit von 18 bis 21 Uhr lauten die Themen: „Einführung in das Kommunalrecht“, „Haushaltsrecht und Haushaltsplanung I und II“, „Das Baurecht – Bauordnung und Bauleitplanung“ sowie „Erfolgreiche Pressearbeit“. An einem Wochenende geht es um „Rhetorik“, ein Tagesseminar widmet sich dem „Zeitmanagement“, zusätzlich geplant sind eine Fahrt zum Deutschen Bundestag sowie eine nach Brüssel. Die finale Veranstaltung soll im Frühjahr 2016 in Hannover im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung über die Bühne gehen.

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