Pädagogisches Personal streikt für Aufwertung der Arbeit

„Wir sind auch Familienberatungsstelle“

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Sie wollen eine bessere Wertung für ihre Jobs: Pädagogisches Personal aus dem Landkreis.

Nienburg - Von Nikias Schmidetzki. In roten Lettern prangt der Satz an der Wand: „Heute für morgen Zeichen setzen“ steht im Nienburger Büro der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft „verdi“ an der Wand – ein Slogan, der zu der Situation der Erzieherinnen, Sozialassistenten und Sozial-Pädagogen, die sich derzeit im Ausstand befinden, gut passt.

Rund 50 Angestellte von Kommunen haben bereits gestreikt, nun weitet es sich aus. Auch die städtische Kindertagesstätte in der Nienburger Alpheide und die Einrichtungen der Lebenshilfe sind nun betroffen. Insgesamt wollen sich rund 140 bis zum kommenden Donnerstag nächster Woche beteiligen. Eine Aufwertung der Arbeit ist das primäre Ziel. Die soll auch mit einem Mehr an Gehalt einhergehen und im besten Fall einer optimierten Arbeits- und bereits Ausbildungssituation.

Es gibt einige Notgruppen. Wer dort arbeitet wäre früher vielleicht als Streikbrecher kritisiert worden. Heute gibt es zum Teil sogar Gesten des Danks von den aktiv Streikenden für die entsprechenden Kollegen. „Wir haben auch eine Verantwortung den Eltern gegenüber“, sagt etwa Janine Schimanski. Eben jene Eltern stünden schließlich auch vor einer Herausforderung. Dennoch seien die Reaktionen überwiegend verständnisvoll – aber nicht nur. „Es ist aufgrund des Streiks auch zu Unmut gekommen“, sagt Stefan Eckert. Daher ist Aufklärung über Hintergründe und Ambitionen wichtig. Die Arbeit sei in den vergangenen Jahren mehr geworden, die Anzahl von Auffälligkeiten bei Kindern gestiegen, betont Kerstin Schönfeld. Und das nicht nur im Kindergarten-Bereich. Ebenso habe das Jugendamt damit zu kämpfen. Daher unterstützen Mitarbeiter des Landkreises bei den Forderungen nach mehr Anerkennung der Arbeit. Andreas Liebsch: „Wir haben ein schlechtes Ansehen. Entweder kommen wir zu früh oder zu spät, heißt es oft.“

Ein gesellschaftlicher Wandel sei wohl der Hauptgrund für veränderte Bedingungen bei der Arbeit mit Kindern – und mit deren Familien. Denn: „Wir sind auch Familienberatungsstelle“, findet Janine Schimanski und erhält breite Zustimmung. Nach einer schulischen – und damit unentgeltlichen Ausbildung folgt eine Einstufung von in der Regel etwa 2 300 Euro im Monat – im Falle einer vollen Stelle. Und die haben die wenigsten. Hinzu kommt, dass nicht wenige als geringer bezahlte Sozialassistentinnen eingestellt werden, trotz höherer Qualifikation. Oder andersrum Sozialassistentinnen die Arbeit einer Erzieherin verrichten. Bei Mehrarbeit und schwierigeren Bedingungen dürfe man ruhig etwas mehr verlangen, findet verdi-Vertreter Volker Selent – insbesondere im kommunalen Bereich. Schließlich hätten Bürgermeister 2014 auch eine Aufwertung bekommen. Etwa zehn Prozent weniger als in technischen Berufen bekomme das pädagogische Personal.

Gleichzeitig wollen die Streikenden auf eine Änderung des Kita-Gesetzes hinarbeiten. Weil der Beruf an Attraktivität einbüße, sei es auch so schwierig gute Vertretungskräfte zu finden. Einen besseren Personalschlüssel wollen sie erreichen, der wäre eine weitere wichtige Hilfe. Denn die derzeitige Situation sei sogar nicht mehr gesund. „Die psychischen Erkrankungen haben Rückenerkrankungen abgelöst“, erklärt Janine Schimanski.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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