Deutsch-britische Liebe

Brexit führt ein Paar aus Münchehagen vor den Traualtar

+
Der Brexit bringt für Valerie Grill und Jon Taylor allerhand Probleme mit sich.

Münchehagen - Europäisch denken und leben – das ist für Valerie Grill und Jon Taylor immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Nun allerdings befürchten die Deutsche und der Brite erhebliche Einschränkungen. Und haben Konsequenzen daraus gezogen.

Der Holzrahmen der Terrassentür des alten Bauernhauses, in dem Valerie Grill in Münchehagen lebt, windet sich in Jugendstil-Manier um die Glasscheiben. Jon Taylor hat sie gebaut – eines von vielen Holzbauteilen in dem Haus, die unter seinen geschickten Händen entstanden sind. Als Tischler und Zimmermann verdient er seinen Lebensunterhalt. Mal in Deutschland, mal in Belgien oder Frankreich und selbstverständlich auch in seiner Heimat Großbritannien. Dort hat er seine Werkstatt und ist ansonsten ein europaweit Reisender in Sachen Handwerk. Die schönen und durchdachten Arbeiten des 47-jährigen Briten sind gefragt und mal in diesem, mal in jenem Land Aufträge anzunehmen hat für Taylor immer einen großen Reiz gehabt. Es war ja auch so einfach: Offene Grenzen und die Chance, in allen 28 Staaten der Europäischen Union arbeiten zu dürfen. Seit dem britischen Votum für den Brexit ist ihm allerdings klar, dass alles ganz schnell auch ganz anders kommen kann.

Die Arbeit ist das eine, was ihm Kopfzerbrechen bereitet – die Liebe das andere. 15 Jahre schon sind Taylor und Grill ein Paar und auch wenn sie nicht in einem Land leben, konnten sie sich dank Europa doch so oft und so lange sehen, wie sie wollten. Einen zweiten Lebensmittelpunkt hat Jon Taylor schon lange in Grills Haus in Münchehagen. Und nun?

Lange haben beide diskutiert, überlegt, Möglichkeiten abgewogen. Da Taylor nicht in Deutschland gemeldet war, wäre er einer jener Briten, die ziemlich schnell nach vollzogenem Brexit das Land hätten verlassen müssen. Drei Monate ist die Zeit, die bislang genannt wird.

Eine Liebesehe also – aber doch eine, die eigentlich gar nicht geplant war.

Nägel mit Köpfen haben die beiden nun gemacht und sich für eine Hochzeit entschieden. Sie habe das ohnehin schon lange gerne gewollt, sagt Valerie Grill. Ihr Jon sei da eher zurückhaltend gewesen. Als frischgebackener Ehemann – am 22. Februar traten sie vor die Standesbeamtin im Rehburg-Loccumer Rathaus – hat sich seine Einstellung aber geändert. Mit einer Ehe, hatte er befürchtet, komme ein gewisser Zwang in die Beziehung. Das, sagt er grinsend, empfinde er erstaunlicherweise nicht so. Eine Liebesehe also – aber doch eine, die eigentlich gar nicht geplant war. Direkt nach der Trauung hat er sich an den Tresen des städtischen Bürgerbüros gestellt und sich in Rehburg-Loccum angemeldet. Was aber gewinnt er nun durch die Ehe? Zum einen könne er bei seiner Frau sein. Das sei doch ein großer Vorteil. Immerhin hat er nun das Aufenthaltsrecht. Bevor er einen Antrag auf Einbürgerung stellen kann, muss er aber einige Jahre warten. Erst dann kann Taylor die ganzen Vorzüge wieder genießen, die er sein Leben lang als Europäer hatte.

Seine Werkstatt in Großbritannien löst er nun auf und sucht sich in der Nähe Münchehagens einen neuen Platz dafür. Um seinem Beruf nachgehen zu können, braucht er zunächst eine Anerkennung durch die Handwerkskammer. Das britische Ausbildungssystem sei doch ein ganz anderes als das deutsche, sagt er. Einen Gesellenbrief als Tischler oder Zimmermann? So etwas gibt es dort nicht. Konnte er vorher trotzdem in der EU arbeiten, so muss er nun warten, bis die Handwerkskammer in Deutschland ihm die Genehmigung gibt. Ein wenig überbrückt er die Wartezeit, indem er Flüchtlinge in der Evangelischen Heimvolkshochschule Mathematik lehrt. Das fällt ihm nicht schwer. Schließlich hat er abstrakte Mathematik studiert.

Viele weitere Fragen sind ebenfalls noch ungeklärt. Gilt sein britischer Führerschein nach dem Brexit noch? Und für August planen die beiden nach der etwas überstürzten Heirat eine richtig schöne Trauungs-Zeremonie. Wird Taylors Vater dann überhaupt nach Deutschland fliegen können? Dessen Versuch, jetzt schon einen Flug zu buchen, sei jedenfalls kläglich gescheitert, erzählt Taylor.

Mit vielen britischen Freunden stehen Taylor und Grill in diesen Monaten in Kontakt. Viele von ihnen sind in einer ähnlichen Situation und jeder versucht, einen Weg für sich zu finden. Eine Freundin in Frankreich, erzählt Grill, habe es besonders hart getroffen. Sie hatte zuletzt Sozialhilfe bezogen. Da sie nicht

ade

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Supertanker mit iranischem Öl verlässt Gibraltar

Supertanker mit iranischem Öl verlässt Gibraltar

Unwetter richten hohe Schäden an

Unwetter richten hohe Schäden an

Brinkfest in Hodenhagen

Brinkfest in Hodenhagen

Erstes Kindersommerfest in Twistringen

Erstes Kindersommerfest in Twistringen

Meistgelesene Artikel

Baustelle an Verdener Landstraße: Umleitung und Einschränkung in Nienburg

Baustelle an Verdener Landstraße: Umleitung und Einschränkung in Nienburg

Rückkehr der wilden Samtpfoten nach Nienburg

Rückkehr der wilden Samtpfoten nach Nienburg

Neue Liebeschance: Christina Grass geht zu „Bachelor in Paradise“ 2019

Neue Liebeschance: Christina Grass geht zu „Bachelor in Paradise“ 2019

„Damit der Himmel in Hoya lebendig bleibt“

„Damit der Himmel in Hoya lebendig bleibt“

Kommentare