Gemeinsam gegen Missstände

Omas gegen Rechts: „Wir sind kein Kaffeekränzchen“

Gabi Sosnitza und die „Omas gegen Rechts“ tragen rote Hüte, angelehnt an die pinken Wollmützen, die beim 2017er Women’s March in den USA weltweit bekannt geworden sind.
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Gabi Sosnitza und die „Omas gegen Rechts“ tragen rote Hüte, angelehnt an die pinken Wollmützen, die beim 2017er Women’s March in den USA weltweit bekannt geworden sind.

Landkreis – Die Oma – eine nette alte Dame, die ihre Enkel liebt und tolle Kuchen backen kann. „Darum geht es bei uns nicht“, stellt Gabi Sosnitza aus Leese mit resoluter Stimme klar. „Wir sind kein Kaffeekränzchen.“ Sosnitza ist eine von 30 Frauen aus der Region, die sich seit August in der Gruppe „Omas gegen Rechts“ für aktuelle soziale Themen einsetzen möchten.

Im Gespräch mit der ehemaligen Lehrerin für Geschichte, Erdkunde sowie Werte und Normen wird denn auch rasch deutlich, um was es ihr und ihren Mitstreiterinnen geht. Sie entsprechen nicht dem gängigen Oma-Klischee, sie benutzen es und spielen auch mal damit, um auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam zu machen. So nahmen sie bereits in stilechter Oma-Montur mit Hütchen an Fridays-for-Future-Demonstrationen teil, nennt Sosnitza ein Beispiel. Auch an den Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht am 9. und 10. November hatten sich einige der Nienburger „Omas gegen Rechts“ mit einem Schweigemarsch durch Nienburg beteiligt.

In Sosnitzas Augen sind die wichtigsten Werte der Gesellschaft Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. „So steht es auch in den UN-Menschenrechtskonventionen“, ergänzt die 66-Jährige. „Mir ist es wichtig, dort einzuhaken, wenn ich diese Werte bedroht sehe“, sagt sie. Die Rolle der ruhigen, häuslichen Oma ist nicht ihre Sache.

Erstarken der AfD in der Gesellschaft bereitet Sorge

Sosnitza richtet ihren Blick lieber dorthin, wo es ihrer Meinung nach nicht richtig läuft: So bereitet ihr unter anderem das Erstarken der AfD in bestimmten Bereichen der Gesellschaft Sorge, ebenso die in ihren Augen zunehmenden Zeichen von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Faschismus. Das müsse erkannt, benannt und „im Konkreten auch der politische Widerstand und die Bewusstseinsbildung organisiert werden“, zitiert sie einen Leitgedanken der Bundesgruppe von „Omas gegen Rechts“.

„Wir haben ja als Kinder der Kriegsgeneration mitbekommen, was Entbehrung bedeutet. Und wie es ist, wenn man irgendwo nicht willkommen ist“, berichtet die 66-Jährige. Auch Sosnitzas Familie habe einst aus dem Osten flüchten müssen. „Wir haben den Aufbau der Bundesrepublik mitbekommen, den Kalten Krieg, den Umschwung von der CDU-Regierung auf Brandt“, erzählt sie. Ihre Quintessenz: „Wir müssen miteinander reden und in Frieden Lösungswege suchen.“ Das hätten sich alle „Omas gegen Rechts“ auf die Fahnen geschrieben.

Die Nienburger Gruppe trifft sich alle vier Wochen. „Im Übrigen beschränken wir uns nicht nur auf ältere Frauen“, so Sosnitza. Als Unterstützer seien auch Männer und jüngere Menschen gerne gesehen. Die Nienburger Gruppe befindet sich Sosnitza zufolge noch in der Findungsphase und plane derzeit die kommenden Aktionen. Das nächste Treffen ist am 4. Dezember avisiert.

Weitere Informationen:

Wer sich beteiligen möchte, bekommt unter ogr-nienburg@gmx.de weitere Informationen.

Links: www.omasgegenrechts.de und https://omasgegenrechts-nord.de

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