Zuviel Nitrat im Grundwasser: Verband widerspricht Kritik der Landwirtschaft

Nur Ablenkungsmanöver?

Es wird zuviel gedüngt in der Agrarwirtschaft: Diese These verteidigt der VSR-Gewässerschutz auch nach heftiger Kritik seitens der Landwirtschaftsverbände. Der Verband appelliert an die ökologische Verantwortung der Agrarwirtschaft.
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Es wird zuviel gedüngt in der Agrarwirtschaft: Diese These verteidigt der VSR-Gewässerschutz auch nach heftiger Kritik seitens der Landwirtschaftsverbände. Der Verband appelliert an die ökologische Verantwortung der Agrarwirtschaft.

Landkreis Nienburg / Uchte – Scharfe Kritik erntete der VSR-Gewässerschutz in den vergangenen Wochen für seinen Bericht, wonach industrielle Agrarwirtschaft zu hohen Nitratwerten im Boden führt (wir berichteten). Landwirtschaftsverbände halten dem entgegen, dass die hohen Werte unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre sind.

Dem widerspricht Dipl. Oecotroph. Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz nun in einem weiteren Schreiben an die Presse: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Da diese nicht vorhanden sind, kann man davon ausgehen, dass die untersuchten Grundwasserproben nicht durch Abwasser belastet werden.“

Insgesamt stellte das Team der gemeinnützigen Organisation zu hohe Nitratwerte im Grundwasser fest. Wie bereits berichtet, überschreitet dabei fast jede vierte der 18 untersuchten Brunnenwasserproben im Raum Uchte den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l). „Bei den Proben mit hohen Nitratwerten wurde keine Belastung aus Abwasser festgestellt“, so der VSR weiter. Andererseits seien bei den Wasserproben mit bakterieller Belastung keine erhöhten Nitratwerte gefunden worden. „Das beweist, dass die Ursache der Nitratbelastung hier nicht den defekten Abwasserrohren zuzuordnen ist“, stellt Bareiß-Gülzow fest. Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter sei die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. „Hier hat sich der VSR-Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt, um festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind“, schreibt der Verband. Gerade die städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung weisen laut VSR allerdings eine geringe Nitratbelastung auf. Diese Annahme bestätigt offenbar der Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes: „Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen.“

Die hohe Nitratbelastung habe gravierende Folgen für die Umwelt, betont der VSR. Das belastete Grundwasser sickert in Gräben und Bäche, von dort in die Flüsse und gelangt so in die Nordsee. Dort führe die massive Nitratbelastung zu einem übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel. „Ohne Sauerstoff ist kein Leben möglich – Fische sterben, sogenannte Todeszonen entstehen. Eine Verringerung der Belastung unserer Gewässer ist dringend nötig“, betonen die Vertreter des VSR.

Susanne Bareiß-Gülzow findet es schade, „dass die Landwirtschaftsverbände von den Nitratbelastungen, die von der Agrarindustrie ausgehen, ablenken wollen“. Eine Verringerung der Nitratbelastung sei möglich – das zeigten die geringen Werte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen wird Landwirtschaft betrieben. Die Wasserversorger schlugen schnell Alarm, als sie feststellten, dass die Nitratwerte drastisch anstiegen.

„Dank frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und Landwirten sank die Belastung enorm“, berichtet die VSR-Vorsitzende. „Es wird höchste Zeit, die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen“, betont Susanne Bareiß-Gülzow.

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