Nixen-Kurs in Rehburg-Loccum / Herausforderung: Flosse statt Beine

Schwimmen wie Arielle

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Meerjungfrauen und -männer beim Mini-Nixen-Kurs im Hallenbad Rehburg-Loccum.

Rehburg-Loccum - Von Vivian Krause. Abtauchen, unter Wasser völlige Stille und nur noch dumpfe Stimmen um einen herum. Die Arme über den Kopf strecken, die Knie nur ganz leicht bewegen, in rhythmischen Bewegungen die Flosse auf- und abschwingen und so durch das kühle Nass gleiten, wie eine Meerjungfrau – so meine Vorstellung des Mermaiding-Workshops im Hallenbad in Rehburg-Loccum.

Die Realität sah anders aus. Ich stehe mit meinen 13 Nixen- und Meermann-Freunden für diesen Vormittag – ja auch zwei Jungs waren dabei – im Hallenbad. Komischerweise steche ich aus der Menge hervor, die Kleinen gehen mir allesamt nur bis knapp über die Brust. „Erwachsene haben Angst, die kommen nicht zu solchen Kursen“, erklärt mir Nixe Jessi das ungewöhnliche Bild. Jessica Lingott ist unsere Trainerin für heute. Dennoch freue ich mich mindestens genauso sehr, wie die kleinen Abenteurer um mich herum.

In einer Vorstellungsrunde erfahre ich die Namen derer, die sich auch eine Flosse anschnallen wollen. Nixe Jessi erklärt uns, was wir eigentlich lernen: Mermaiding, abgeleitet vom englischen Wort Mermaid für Meerjungfrau. Die Voraussetzung sei mindestens das Schwimmabzeichen Seepferdchen. Habe ich.

Erstmal stehen ein paar Trockenübungen an: „Stellt euch vor, ihr steht mit dem Rücken an einer Wand und wollt euch abdrücken.“ Schulter nach hinten, Bauch raus, Hüfte hinterher. Und wieder nach hinten an die imaginäre Wand. Das ganze wiederholen. Nach einigen Sicherheitshinweisen („passt mit den Flossen auf, ihr seid damit viel länger als normalerweise“) geht es dann los.

Monika Schwarz von der „Kat‘s Mermaid Academy“, einer Schule für Meerjungfrauen, gibt uns jeweils eine Flosse. Wir dürfen sogar die Farbe auswählen. Blau. Perfekt. Passt super zu meinem Bikini-Oberteil.

Die Nixen- und Meermann-Anwärter setzen sich in einer Reihe auf Matten an den Rand des Schwimmbeckens. Dann schlüpfen wir in die Fußhalterungen der Flosse. Sie erinnern ein wenig an jene beim Wasserski fahren. Glitschig, aus Gummi und mit Sicherheit hinterlassen sie unangenehme Abdrücke an den Füßen.

„Jetzt zieht die Flosse an, wie eine Strumpfhose.“ Also streife ich mir den Stoff über die Beine bis knapp unter den Bauchnabel und fühle mich wie in einem viel zu engen Rock. Dann nur noch oben zubinden. Fertig. Da sitze ich also, eingepackt in eine mit Schuppenmuster gespickte sogenannte Monoflosse. Ob Meerjungfrau, Fisch oder Wal – wie genau ich mich fühlen soll, weiß ich nicht. „Ich wünsche mir schon seit zwei Jahren so eine Flosse“, sagt die kleine Nixe neben mir. So ein unbequemes Ding? Ich wünsche sie mir nicht, so viel steht fest.

Dann geht es auch schon an die erste Übung als Nixe. Mit den Flossen auf das Wasser schlagen. Anstrengend. Hätte ich doch vorher meine Bauchmuskeln trainiert. Wie können die Kleinen um mich herum das so problemlos?

Aber jetzt, endlich schwimmen wie Arielle, die Meerjungfrau aus den Disneyfilmen. Als erstes paddeln wir im Kreis an der Oberfläche. Ganz normale Schwimmbewegungen, nur mit eingeschränkter Beinfreiheit. Sollte ich aber jemals mit gefesselten Beinen in einem Gewässer landen, weiß ich jetzt, wie ich mich zu verhalten habe.

Runde zwei ist dann unter dem Wasser. Jessi macht alle Übungen vor. Da merke ich, eine Taucherbrille wäre von Vorteil gewesen. Das merken meine Augen auch nach kurzer Zeit. Jetzt aber: Abtauchen. Die Bewegungen von der Trockenübung im Hinterkopf und gewillt sie auszuführen. Aber zunächst tut sich da gar nichts. Gefühlt treibe ich nur an einer Stelle. Und dabei langsam wieder an die Wasseroberfläche. Mir kommt die Stimme von Jessi in den Sinn: „Stell einfach den Kopf aus.“

Neuer Versuch. Diesmal mit mehr Schwung. Das Problem: Die kleinen Nixen vor und hinter mir sind nicht so schnell und so bin ich ihnen immer dicht auf den Flossen. Die „Runde“ ist leider auch etwas zu kurz für mich. „Am besten ist, wenn wir zwei Runden dürfen“, strahlt mich der Meermann hinter mir an. Da gebe ich ihm absolut recht.

Die nächste Übung wird in Bahnen geschwommen. Das funktioniert schon besser. Kurven liegen mir wohl nicht so. Unglaublich, wie schnell man mit so einer Flosse sein kann. Zwei mal hoch und runter schlagen, schon ist man am anderen Ende der Bahn. Es läuft. „Ihr seht alle aus wie Kugelfische. Lächelt doch mal“, ruft Jessi in die Menge. Auch das noch.

Als nächstes: Durch drei Ringe schwimmen. Voller Elan tauche ich unter und gleite elegant durch den ersten Ring, dann durch den zweiten. Und dann geht es nicht weiter. Der Grund: Ich habe durchweg alle mitgerissen und an meinem Flossen-Ende gesammelt. Zu meiner Verteidigung: Meine Flosse war wirklich größer als die der kleineren Nixen. Wirklich. Dann folgen noch eine Rolle und ein Handstand – ganz schön viele Tricks, die eine Meerjungfrau so beherrschen muss.

Nach etwa eineinhalb Stunden ist der Spaß dann vorbei. Schade. Das Resümee des Ausflugs in die Unterwasserwelt: Wasser in der Nase, Wasser in den Ohren, brennende Augen und eine Nixe in der Runde, die eine Flosse abgekommen hat. Meine war es nicht, versichert sie mir. Aber dennoch sind alle glücklich.

Zum Schluss gibt es für jeden eine Urkunde. „Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Teilnahme am Mini-Nixen-Kurs“, steht da. Vielleicht bin ich beim nächsten Kurs wieder dabei, denn die Zeit in der Welt der Meerjungfrauen war wirklich etwas ganz anderes. Und anstrengend. Vor allem anstrengend.

Infos rund ums Mermaiding online unter:

www.mermaid-kat.de

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