Timo Lesniewski: „Ich liebe es, wenn ich unterschätzt werde“

Clown Momo besteigt persönlichen Olymp

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2020 ist Timo Lesniewski mit dem weltberühmten Circus Roncalli auf Tournee

Nienburg - Von Maren Hustedt. Schon als Zehnjähriger spannte Timo Lesniewski im Garten das Bettlaken als Vorhang, um die Nachbarschaft mit kleinen Varieté-Vorstellungen zu unterhalten. 50 Cent hat er damals als Eintrittsgeld erbeten.

Heute spielt der 26-Jährige in der Rolle des Clowns Monsieur Momo auf international etablierten Bühnen und erobert mit charmant naiver Art die Herzen seines Publikums im Sturm. Im heimischen Wohnzimmer erzählt der Nienburger ganz privat von seinem aufregenden Leben zwischen Lampenfieber und Applaus.

„Wenn früher ein Zirkus nach Nienburg kam, war ich schon vorher auf der Festwiese, um die ersten Wagen zu empfangen. Jeden Tag war ich da und hab geguckt - bis der letzte Wagen wieder abgefahren ist. Die Zirkuswelt faszinierte mich. Vor allem die lustigen Clowns. Die lauten, grell geschminkten Clowns haben mir immer Angst gemacht. So wollte ich nie werden. Für mich stand fest: Ich wollte ein liebenswerter Clown werden.“

Und so arbeitete der damalige Grundschüler an seinem Traum, brachte sich selbst Jonglage und Zauberkunststücke bei, entwickelte lustige Programme, bastelte Kostüme und Requisiten, malte Plakate, leitete Zirkus-Kurse in der Schule und besuchte in der Freizeit jede Vorführung von Clowns, die erreichbar war. „Ich habe mein ganzes Taschengeld für Eintrittskarten ausgegeben und mir Shows angesehen – manche davon wieder und wieder.“

Wohin der Weg Timo Lesniewski alias Clown Momo führen wird, weiß noch niemand. Aber, dass er auf dem richtigen Weg ist, steht fest.

Wurde Timo nach seinem Berufswunsch gefragt, antwortete er entschieden „Clown“. „Als ich sieben Jahre alt war, fanden die Leute das niedlich – oh, ein Clown! Mit 14 reagierten sie irritiert und mit 18 Jahren machten sie sich ernsthaft Sorgen um mich.“ Auch seine Mutter appellierte: „Du musst etwas Vernünftiges machen.“

„In der Realschule habe ich meine Noten nicht gerade für mündliche Beteiligung bekommen“, erinnert sich der Nienburger. „Ich habe mich schon immer mehr für meine Sachen interessiert.“ Komischerweise gehörte zu den ersten Auftraggebern des aufstrebenden Clowns eine Lehrerin. „Sie engagierte mich für den Geburtstag ihres Mannes. Im Publikum saßen dann auch andere Lehrer, die mich als stillen Schüler kannten und Bauklötze staunten.“

Ausbildung an der Clownschule Hannover

Nach der Realschule plante der bodenständige junge Mann mit dem Clown im Herzen, zur Berufsschule Sozialpädagogik zu gehen. „Damals bekam ich einen Flyer von der Clownschule Hannover in die Hände“, erzählt er. „Lass Deinen Traum wahr werden“ stand darauf geschrieben. Doch zwischen dem 18-Jährigen und der Erfüllung seines Traums standen rund 9000 Euro Studiengebühren. Die Lösung des Problems nahte in Person der Patentante, die Timo das Geld lieh. 

„Dann bin ich in die Clownschule gekommen und stellte fest: Da gibt es ja noch mehr so Verrückte wie mich. Das war toll.“ Nach zweijähriger Ausbildung und drei bestandenen Prüfungen – mündlich, schriftlich und in Form einer eigenen Show samt Dokumentation – durfte sich der Nienburger „Staatlich anerkannter Darsteller für Clown und Comic“ mit Auszeichnung nennen.

Als Clown Monsieur Momo steht Timo Lesniewski auf der Bühne.

Nun geriet der Stein ins Rollen. Es folgten immer mehr Engagements: Auftritte bei Familienfeiern und Stadtfesten, im Nienburger Kulturwerk, Theater Auf dem Hornwerk und auf anderen Bühnen... Die Liste der Referenzen von Clown Momo wuchs und wuchs. Auch beim GOP Varieté Theater Hannover trat er auf. Bis vor Kurzem arbeitete Momo auch als Klinik-Clown im Kinderkrankenhaus Auf der Bult. Eine Arbeit, die ihm am Herzen liegt. „Ich schaffe es leider nicht mehr, regelmäßig dort aufzutreten, aber diese Arbeit ist so wichtig und erdet mich. Deshalb bleibe ich in Kontakt.“

Jeder einzelne Auftritt habe ihn ein Stück weiter gebracht auf seinem Weg. „Doch es war immer klar, wohin ich will – in den Zirkus.“ Die Tür zu dieser neuen, faszinierenden Welt öffnete sich für Clown Momo im Verlauf einer sommerlichen Landpartie. 

„Es war so heiß, dass wir kaum auftreten konnten. Eigentlich frustrierend. Aber es gab Zeit für Gespräche, und ich lernte Rodrigue Funke kennen, den Regisseur vom Regensburger Weihnachtszirkus.“ Bei der Erinnerung an diesen Moment durchläuft Timo ein leichter Schauer. „Und er wollte mich für seine Show! Unbedingt...“ Niemand scheint mehr über diese Entwicklung zu staunen, als Timo selbst. 

„Funke meinte, es gibt so wenig gute Clowns. Er müsse mich unbedingt engagieren.“ Das Programm stand zu dem Zeitpunkt eigentlich schon fest. Der Regisseur ließ es, um Momo zu integrieren, noch einmal komplett umschreiben. „Ich wurde der Rote Faden der Show“, erzählt Timo etwas außer Atem. Ein Plakat vom Regensburger Weihnachtszirkus hängt heute im Nienburger Treppenhaus. Mitten darauf: der strahlende Clown Momo mit Fliege und Melone. „Ich bin so stolz darauf.“

"Vor lauter Glück habe ich nach meiner ersten Zirkusshow Rotz und Wasser geheult"

Die Story der Show mit dem Namen „Ein Fest der Liebe“: Naiver Clown verliebt sich in glamouröse Sängerin, wird aber nicht erhört. Das Publikum schließt den Verzweifelten ins Herz, die Diva ignoriert sein Werben. Erst am Ende der Show gewinnt Monsieur Momo als schwebender Engel die Zuneigung seiner Angebeteten und wird mit einem Kuss auf die Wange belohnt – ebenso wie mit dem tosenden Applaus des begeisterten Publikums.

Privat ist der 26-Jährige eher bodenständig und ruhig.

„Wenn 1400 Leute einem zujubeln – das ist so verrückt. Vor lauter Glück habe ich nach meiner ersten Zirkusshow Rotz und Wasser geheult.“ Mit der Spielzeit im Regensburger Weihnachtszirkus hat Timo Lesniewski alias Monsieur Momo seinen persönlichen Olymp bestiegen. Mittlerweile kann er von seiner Arbeit als Clown leben, bekommt mehr Anfragen, als er annehmen kann. Bis Sommer 2020 ist der Kalender voll. Zum Jahreswechsel ist Timo für den Weihnachtszirkus in Aachen engagiert. „Vielleicht bin ich nächstes Jahr sogar in Hannover dabei? Das wäre toll.“

Timo ist seinem Herzen gefolgt und hat – allen Zweiflern zum Trotz – seinen Lebenstraum verwirklicht. Als Clown Momo erobert er jetzt die Bühnen dieser Welt – geht 2020 mit dem weltberühmten Circus Roncalli auf Tournee. 

Aber immer noch gibt es Menschen, die seine Arbeit nicht ernst nehmen. Der 26-Jährige weiß damit umzugehen. „Inzwischen liebe ich es, unterschätzt zu werden“, gesteht er schmunzelnd. „Vor allem, wenn ich sehe, wie sich das nachher wandelt. Wie neulich, als ich zum Erstaunen meiner Mitbewerber den Euskirchener Kleinkunstpreis gewann.“ 

Momo live in Nienburg erleben

Die nächste Gelegenheit, Monsieur Momo in Aktion zu erleben, bietet sich allen Nienburgern am Samstag, 23. November, ab 20 Uhr im Theater Auf dem Hornwerk. Für die Vorstellung gibt es nur noch wenige Karten. 

Timo Lesniewski dazu: „Das wird mein vorerst letztes Varieté in Nienburg sein. Denn ich möchte reisen, will ganz viel lernen und neue Sachen entwickeln. Ich möchte am Strand oder an der Straße aus dem Koffer heraus spielen und Kollegen treffen, um mit frischen Ideen zurückzukehren.“

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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