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Nienburger Tafel: Helfer brauchen Hilfe

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Von: Katrin Köster

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Schwere Zeiten für das Team der Nienburger Tafel: Die Zahl der Kunden hat stark zugenommen, die Spenden hingegen abgenommen, berichtet Geschäftsführerin Beate Kiehl. Das Bild zeigt die Ausgabestelle in Hoya.
Schwere Zeiten für das Team der Nienburger Tafel: Die Zahl der Kunden hat stark zugenommen, die Spenden hingegen abgenommen, berichtet Geschäftsführerin Beate Kiehl. Das Bild zeigt die Ausgabestelle in Hoya. © Tafel NI

Nienburg – Die Reihen der wartenden Menschen vor den Türen der drei Ausgabestellen der Nienburger Tafel werden immer länger. Das stellt Tafel-Chefin Beate Kiehl und ihr Team zunehmend vor Probleme. Kiehl ist Geschäftsführerin der Nienburger Einrichtung und weiß um die Nöte ihrer Kunden, aber auch die Belastung ihrer derzeit 55 ehrenamtlichen Unterstützer.

„Wir haben in allen Ausgabestellen einen deutlichen Zuwachs“, fasst sie zusammen. So wenden sich derzeit nicht nur Geflüchtete aus der Ukraine an die Tafel, sondern auch viele Menschen, die beispielsweise die gestiegenen Kosten für Strom und Heizung mit ihrem Verdienst nicht mehr stemmen könnten, sagt Kiehl. Konkrete Zahlen hat die Geschäftsführerin dazu noch nicht, da sei die Entwicklung zu frisch.

Plötzlich viel mehr Bedürftige

Die Nienburger reihen sich mit dieser Situation in eine landesweite Entwicklung ein: Erst vor wenigen Tagen sagte Uwe Lampe, Vorsitzender des Tafel-Landesverbandes Niedersachsen/Bremen, dass es einerseits an Lebensmitteln und freiwilligen Helfern fehle, andererseits die Zahl der Bedürftigen aktuell immens sei. „Eine derartige Zunahme bei den Kunden hat es so noch nicht gegeben“, sagte Lampe in einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur (dpa).

In Nienburg werden die Lebensmittel-Spenden gelagert, sortiert und an die insgesamt vier Ausgabestellen in Nienburg, Hoya, Stolzenau und Neustadt verteilt. An allen Standorten hat das Tafel-Team Veränderungen in puncto Spenden bemerkt. „Die Lebensmittel-Spenden haben nachgelassen. Die Firmen kaufen jetzt anders ein, das merken wir schon“, sagt Kiehl. Einige Händler hätten inzwischen vermehrt „Reste-Kisten“ mit Ware des Tages in der Auslage, die sie günstiger abgeben und nicht mehr an die Tafel weiterreichen, so die Geschäftsführerin. Auch die finanzielle Unterstützung hat offenbar nachgelassen. „Einige unserer langjährigen Unterstützer haben inzwischen selbst finanzielle Probleme und spenden daher nicht mehr“, berichtet Kiehl.

Tafel kann derzeit alle Kunden versorgen

Bislang muss die Nienburger Tafel niemanden abweisen, betont Beate Kiehl. Sorgen bereitet ihr die Entwicklung dennoch. Den Betrieb halte das Team derzeit mit großer Mühe aufrecht – „irgendwie“, meint Kiehl. „Wir halten uns an das Motto der Ex-Kanzlerin Angela Merkel: ,Wir schaffen das!’“ Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die Jahre 2015/2016, als zahlreiche afghanische Flüchtlinge in die Weser-Region kamen. „Damals hatten wir plötzlich 25 000 Kunden mehr als sonst“, berichtet sie.

Derzeit jongliert die Tafel mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern ordentlich hin und her, um den Kundenstrom zu bewältigen. Darum müssen ab Mai beispielsweise am Standort Nienburg die neuen Kunden an einem anderen Tag kommen als die Bestandskunden. „So wollen wir die Ausgabe etwas entzerren. Sonst schaffen wir das nicht“, sagt Kiehl. Damit das Merkelsche Mantra auch in der Weserstadt Realität wird, wünscht sich Beate Kiehl weitere Lebensmittel-Spenden von Privatleuten. „Wichtig sind haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Müsli oder Konserven mit Obst und Gemüse, die wir einlagern können“, betont Kiehl. Auch Geldspenden werden gebraucht (wir berichteten). „Unsere Spritkosten für die Kühllaster sind bei den jetzigen Kraftstoffpreisen astronomisch, eben so die Nebenkosten. Da wird mir ganz mulmig, wenn die Abrechnungen kommen“, sagt sie.

Kontakt

Die Tafel Nienburg sitzt an der Leinstraße 16, die Lebensmittelausgabe erfolgt über den Eingang „Neue Wallstraße“. Alle Ausgabestellen sowie die aktuellen Ausgabezeiten im Detail sind zu finden unter www.nienburger-tafel.de.

Kontakt: 05021/915060, info@nienburger-tafel.de

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