Schlummert im Schlamm der Weser ein historisches Schiff?

Das erste Foto vom vermeintlich historischen Schiffswrack in der Weser. n Foto: Firma Nicola in Halstenbek

Nienburg - Von Kurt Henschel. Spektakuläre Fundsache oder nicht? Bei Echolot-Aufnahmen, die im Zusammenhang mit der geplanten Fahrrinnen-Vertiefung der Weser stehen, ist ein vermeintlich historisches Schiffswrack entdeckt worden.

Im Außenbezirk Nienburg des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Verden verrieten Arne Meins sowie Bernd Meyer vom WSA und Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege in Hannover die bisherigen Erkenntnisse über das Wrack und erläuterten das weitere Vorgehen zur Erforschung und Sicherung des Objekts. Weitere Erkenntnisse soll ein Tauchgang am Donnerstag, 23. Juli, bringen.

Vorweg: Den genauen Fundort haben die Vertreter des WSA und des Landesamts für Denkmalpflege nicht verraten. „Wir wollen das Objekt schützen und verhindern, dass Hobbytaucher es zerstören oder sich selbst in Gefahr bringen“, erklärt Bezirksarchäologe Wulf.

„Schon die Römer haben die Weser als Handels- und Kommunikations-Straße genutzt“, so Wulf weiter. Dass es sich bei dem Fund eindeutig um ein Schiff handele, sei auf einem ersten Foto eindeutig zu erkennen – nur wisse derzeit niemand, aus welcher Zeit es stammt.

Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege will Bernd Meyer vom WSA in Verden nun Maßnahmen auf den Weg bringen, um möglichst herauszufinden, „was das für ein Schiff ist und aus welcher Zeit es stammt“. Ob es irgendwann zu einer – zweifelsfrei teuren – Bergung komme, stehe derzeit noch nicht fest, so Wulf. Auf alle Fälle sei das Fundstück „ein Fremdkörper in der Weser“, erklärte Meyer. Dieser sei zu entfernen, da er aber in Ufer-Nähe liege und die vier Meter entfernte Fahrrinne für den Schiffsverkehr nicht behindere, sei keine Eile geboten, fügt Meyer hinzu.

Sorgsam und sorgfältig wollen die Partner nun vorgehen, um dem Geheimnis des Wracks, das im Weser-Schlamm schlummert, auf die Spur zu kommen. Fest steht bisher, dass das Objekt 21,9 Meter lang ist und aus einem hölzernen Rumpf besteht. Eine Kontaktaufnahme mit dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven habe das bestätigt. Und dennoch, so Wulf: „Wir wissen noch nicht, was es ist. Wir müssen es aber schützen, um die Herkunft und das Alter mit Fachleuten zu erforschen.“

Dazu gehört der genannte Tauchgang am 23. Juli. Vorgesehen ist für diesen Tag, eine Probe von einer Planke des Schiffes zu entnehmen, um über das verwendete Holz ein ungefähres Alter zu bekommen. Möglicherweise gibt es auch einen Spülvorgang, um Auskünfte über das wahre Ausmaß des Wracks beziehungsweise die Art der Ladung zu erhalten. „Das könnte weiterhelfen“, so Wulf und Meyer unisono.

Beide sind schon jetzt gespannt wie die Flitzebögen, „was dabei rauskommt“. Inzwischen sorgen sie sich nicht, dass das Wrack abtreiben könnte, denn es sei „gut eingebettet“. Nur teile ragen hervor. Mehr Sorge bestehe, dass sich Hobby-Archäologen auf die Suche nach dem Fundort begeben könnten. Arnd Hüneke als Justitiar des Landesamtes für Denkmalpflege erklärt unmissverständlich: „Das Objekt ist schon jetzt ein Denkmal. Es ist deshalb auch geschützt. Wer es finden und sich daran zu schaffen machen sollte, macht sich strafbar“, so der Jurist, der seine Praktikantin, die Jura-Studentin Isabelle von Mickwitz, nach Nienburg mitgebracht hatte.

Wie geht es nun weiter? Meyer und Wulf erklärten, dass nun alle notwendigen Maßnahmen für den besagten Tauchgang zu erledigen seien. Da das seine Zeit brauche, dauere es nun eben noch drei Wochen bis zum Taucher-Einsatz und bis zu dem Moment, der möglicherweise neue und spannende Ergebnisse über das im Schlamm schlummernde Wrack bringt.

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