Profi-Taucher bringen Gewissheit: Kein historisch wertvoller Fund in der Weser / Archäologen enttäuscht

Schiffswrack entpuppt sich als Baumstamm

+
Beim vermuteten Schiffswrack in der Weser handelt es sich lediglich um einen Baumstamm.

Nienburg - Von Kurt Henschel. „Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Baumstamm“, erklärte Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege ziemlich enttäuscht. Er hatte darauf gehofft, dass es sich bei dem Objekt, das Anfang Juli in der Weser entdeckt worden war, um ein historisch wertvolles Schiffswrack handelt.

„Nach der Echolot-Aufnahme deuteten die Konturen eindeutig darauf hin, dass es sich um ein Schiff handelt“, so Wulf. Das bestätigte auch Mike Belasus vom Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, der wie Wulf gerne weitere Aufschlüsse über den Schiffsverkehr vergangener Jahrhunderte auf der Weser gewonnen hätte.

Früh am Morgen war Arne Meins, Leiter des Bauhofs Nienburg des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Verden, mit einem Arbeits-Team per Schiff zur Fundstelle aufgebrochen. Mit an Bord waren drei Taucher einer Firma aus Seelze bei Hannover. Einer von ihnen, Hans-Georg Ruhnke, stülpte sich den etwa zwölf Kilogramm schweren Spezial-Helm mit Sprechfunk und Scheinwerfer auf, legte alle übrigen Utensilien, die zusammen fast 40 Kilogramm wiegen, an und tauchte ab – verbunden mit und kontrolliert von den Kollegen an Bord des Schiffes. Dort herrschte Spannung der besonderen Art. Vor allem Friedrich-Wilhelm Wulf hielt es kaum aus, bis eine Nachricht aus dem Wasser kam: „Ich fühle etwas Rundes, es könnte ein Baumstamm sein“, funkte Profi-Taucher Ruhnke nach oben.

Diese Echolot-Aufnahme ließ alle Experten denken, dass es sich um ein Schiffswrack handeln muss.

Wulf mochte das nicht glauben, musste sich aber spätestens mit dieser Tatsache abfinden, als der etwa 20 Meter lange Stamm geborgen und am Ufer abgelegt worden war. „Ich war felsenfest überzeugt. Es war davon auszugehen, dass es ein Schiffswrack ist“, so der enttäuschte Wulf, der dann aber nüchtern feststellte: „Es hat sich leider anders dargestellt als vermutet – schade.“ Etwas gelassener reagierte Bernd Meyer, Leiter des für die Mittelweser zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamts Verden. „Es war etwas in der Weser und wir hatten zu prüfen, ob es ein Hindernis für die Schifffahrt darstellt. Diesen Fall haben wir sauber abgearbeitet“, erklärte Meyer, der sich von Kapitän Jürgen Buchholz zur Fundstelle schippern ließ und das als sehr angenehm empfand: „Ich komme eigentlich viel zu selten in diesen Genuss“, sagte Meyer, der jederzeit auf alle Fragen antwortete und zugab: „Ich hätte mich natürlich auch gefreut, wenn es nicht nur ein Baumstamm gewesen wäre.“

Etwa 20 Jahre nach dem Fund zweier Schiffe aus dem 18. Jahrhundert bei Rohrsen hatte Wulf gehofft, dass sich Geschichte wiederholt: „Eigentlich wäre es an der Zeit für einen weiteren Fund mit historischer Bedeutung gewesen“, erklärte er und wandte sich ab vom Baumstamm. Für den – entweder eine Eiche, wahrscheinlicher aber eine Pappel – interessiert sich nämlich niemand. Er besitzt keinen archäologischen Wert und beschäftigt nur noch das WSA-Team in Nienburg, das die Entsorgung übernimmt. Weil sich alle Experten so sicher gewesen seien, dass es sich um ein Schiffswrack handelt, hätten bereits Pläne für das weitere Verfahren bestanden, so Wulf. Eine Bergung sei nicht angedacht gewesen: „Wir wollten es abdecken, um es zu erhalten“, so Wulf. Eine Bergung, die wohl rund eine Million Euro gekostet hätte, sei nicht geplant worden.

„Das Geld hätten wir auch nicht gehabt“, erklärte der Denkmalpfleger, der nun kein weiteres Denkmal pflegen muss. Mike Belasus vom Deutschen Schifffahrtsmuseum sei mit „vorsichtigen Erwartungen“ von Bremerhaven nach Nienburg gefahren, „um sich selbst nicht zu enttäuschen“. Er habe aber „gehofft, es könnte ein Schiff sein“. „Es wäre richtig gut gewesen, etwas mehr über Verkehr und Handel auf der Weser in den vergangenen Jahrhunderten zu erfahren“, so Belasus. Als Friedrich-Wilhelm Wulf die Fassung einigermaßen zurückerlangt hatte, sprach er von einem „guten Erlebnis“ und lobte die Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Alles ist optimal gelaufen.“ Da er sich „ganz sicher“ sei, dass „irgendwo im Fluss noch etwas liegt“, wisse er nun, dass im Falle eines weiteren und vielleicht dann historischen Fundes alles Notwendige seinen guten Gang gehen würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Meistgelesene Artikel

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Pkw ohne Versicherungsschutz gefahren

Pkw ohne Versicherungsschutz gefahren

Arbeitskreis „Bürger gestalten Hoya“ strotzt vor Ideen

Arbeitskreis „Bürger gestalten Hoya“ strotzt vor Ideen

Nur fünf Wochen nach Knie-Operation leitet Herbert Nordbrock wieder seine Übungsgruppe

Nur fünf Wochen nach Knie-Operation leitet Herbert Nordbrock wieder seine Übungsgruppe

Kommentare