Nein-Sager gesucht

Logistikzentrum Nienburg Süd: Proteste gegen B-Plan

14 Hektar groß ist das Waldgebiet Schäferhof Süd, das die Stadt Nienburg gerne roden und als Logistikzentrum vermarkten würde. Die Verwaltung hatte sich bereits Ende Januar für die Erstellung eines Bebauungsplanes ausgesprochen. Das möchten die zehn Unterzeichner eines offenen Briefes so nicht akzeptieren und rufen die Nienburger zum Protest auf.

Der Schwalbenschwanz ist einer der Insekten, die im Bereich Schäferhof Süd heimisch sind.
  • Stadt Nienburg möchte 14 Hektar alten Mischwald roden und vermarkten
  • Eine große Parkfläche soll dort entstehen
  • Umweltschützer und Initiativen protestieren mit offenem Brief und Unterschriften-Aktion

Nienburg - Unterschrieben haben den Brief Naturschützer, attac Nienburg, die evangelische Jugend und das NetzWerk Landkreis Nienburg. Sie befürchten gravierende Schäden für Flora und Fauna, wenn der Bereich wie angedacht zu einem großen Parkplatz umgebaut werden sollte. Darum fordern sie die Verwaltung auf, diese Pläne aufzugeben.

Derzeit befindet sich am Schäferhof Süd ein Mischwald – relativ alt und reich an verschiedenen Tier- und Pflanzenarten. 14 Hektar ist er groß. Das entspricht ungefähr 20 Fußballfeldern. Erk Dallmeyer von der Nienburger Kreisgruppe im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) kennt das Gebiet. „Dort leben haufenweise bedrohte Arten“, betont er. Das von der Stadt beauftragte Umweltbüro Copris hatte bereits im Dezember ein Gutachten erstellt. Das Gebiet zeichnet sich demnach durch „ein kleinräumiges Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen“ aus, was laut BUND auch die hohe Artenvielfalt begründet. Die Zerstörung oder erhebliche Beeinträchtigung von geschützten Biotopen (hier Sandtrockenrasen) sei laut dem Bundesnaturschutzgesetz verboten. So „weist der Landschaftsrahmenplan nahezu das gesamte Plangebiet als Extrem- und Sonderstandort für Biotoptypen aus“, stellen die Umweltschützer fest. In dem Waldgebiet leben laut Gutachten unterschiedlich stark bedrohte Arten, darunter 8 Fledermausarten, 45 Brutvogelarten, 3 Reptilienarten, 27 Tagfalter- und 22 Nachtfalterarten, 18 Heuschreckenarten und 81 Käferarten.

Umweltgutachten: Seltene Tiere im Schäferhof-Areal zu Hause

„Durch den Bau des Logistikzentrums würden nicht nur sehr viele bedrohte und stark bedrohte Arten vernichtet werden oder ihren Lebensraum oder ein wichtiges Nahrungsgebiet verlieren, sondern auch unzählige andere, nicht gezählte Arten“, befürchten die Umweltschützer. Sie sehen sich durch das Fazit des Gutachtens bestätigt. Dallmeyer und die übrigen Unterzeichner betonen, dass globale Probleme wie Klimawandel und Artensterben „nur durch sofortiges Umdenken und entsprechendes Handeln aller Menschen“ gelöst werden können. „Wir können nicht fordern, dass in Südamerika, Südostasien und Zentralafrika die Zerstörung der Regenwälder für den Klimaschutz und den Artenschutz gestoppt werden, wenn wir vor der eigenen Tür bereit sind, für Parkplätze 14 Hektar Wald mit einer einzigartigen Tierwelt zu zerstören.“ Das ist in den Augen der Protestierenden nicht vereinbar mit dem Masterplan Klimaschutz, den die Stadt 2020 vorgestellt hatte.

Auch die geplante Nutzung der auf dem Gelände vorhandenen Bahngleise gleiche den Umweltschaden nicht aus, den die Rodung mit sich bringen würde. Davon ist Dallmeyer überzeugt. In seinen Augen muss die Stadt nun zeigen, dass sie zu ihren Konzepten steht: „Die Stadt und der Landkreis Nienburg müssen endlich aufwachen und aktiv werden, sonst ist es zu spät. Dies haben viele Bürger erkannt“, schreibt die Gruppe.

Protestierende: Ersatzpflanzung reicht an Altbestand nicht heran

Eine Ersatzpflanzung, auch wenn sie größer sein sollte als der ursprüngliche Wald, reicht den Unterzeichnern zufolge nicht aus. Erk Dallmeyer erklärt, warum: „Ein älterer Baum hat vielmehr Blattwerk als ein junger. Darum kann er viel mehr CO2 binden. Außerdem ist in den Stämmen alter Bäume schon viel CO2 gespeichert, das können junge Bäume nicht auffangen.“ Dallmeyer zufolge benötigt eine aufgeforstete Waldfläche gut 50 Jahre, bis sie mit der „Arbeit“ eines alten Waldes mithalten kann. Der Altbestand im besagten Areal besteht aus Mischwald – mit Erlen, Eichen, Lärchen und Kiefern. Dieser Mix beherberge viele Arten, die in einem Jungwald nicht die nötigen Bedingungen vorfinden würden. „Aus ökologischer Sicht kann man Ersatzpflanzungen also überhaupt nicht mit Altbeständen vergleichen“, bringt es Dallmeyer auf den Punkt.

Details und offener Brief

Folgende Gruppen beteiligen sich am Protest gegen das Logistikzentrum Nienburg Süd: Bund Kreisgruppe Nienburg, Nabu Kreisverband Nienburg, Naju Nienburg, Bundjugend Nienburg, Naturfreunde Nienburg, Gesellschaft für Vogelschutz, attac Regionalgruppe Nienburg, Fridays for Future Nienburg, Ev. Jugend Nienburg, Das NetzWerk Landkreis Nienburg.

Die Unterzeichner rufen dazu auf, sich an ihrem Protest zu beteiligen. Der offene Brief im Original und alle Details im Internet unter: www.bund-nienburg.de

Rubriklistenbild: © BUND

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