Polizeimuseum in Nienburg präsentiert umfassende Dokumentation

Paketbomben-Attentäter von Halacz kehrt zurück

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Eingerahmt von den Landtagsabgeordneten Karsten Heineking (r.) und Johann-Heinrich („Jan“) Ahlers: Reinhold Grüneklee. Seine Tante aus Eystrup war 1951 mit 18 Jahren Opfer des Paketbomben-Attentäters Erich von Halacz geworden. Mit großem Interesse sah sich der Polizist aus Hilgermissen in der Ausstellung im Nienburger Polizeimuseum um.

Nienburg - Von Kurt Henschel. Erich von Halacz? Wer ist das denn? Menschen, die nach 1951 geboren worden sind, können diesen Mann kaum kennen. Dabei ist beziehungsweise war er derjenige, der als Paketbomben-Attentäter nicht nur in ganz Deutschland für seine heimtückischen Mordanschläge in Eystrup, Bremen und Verden für Furore gesorgt hatte. Zwei Menschen starben damals, andere zogen sich schwerste Verletzungen zu. Knapp 64 Jahre nach den Taten präsentiert das Polizeimuseum in Nienburg eine umfassende Dokumentation über von Halacz und einen außergewöhnlichen Kriminalfall.

Dieter Buskohl, der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen mit Sitz in Nienburg, eröffnete gestern die ab heute geöffnete Ausstellung vor geladenen Gästen aus Politik, Polizei und der Region um Nienburg. Er erinnerte daran, was am 29. November 1951, übrigens dem 22. Geburtstag des Täters, geschehen war: An dem Tag wollte die Mitarbeiterin Margret Grüneklee gegen 8.30 Uhr wie üblich am Postamt Eystrup die Post für ihren Arbeitgeber, die Firma Göbber, abholen. Neben einem Paket bekam sie eine 30 Zentimeter lange und versiegelte Papprolle ausgehändigt – als Eilpost gekennzeichnet und adressiert an Carl Mayntz, den Leiter der Marmeladen-Fabrik. Kurze Zeit später – Margret Grüneklee hatte gerade den Schalter verlassen – erschütterte eine Explosion den Raum. Die damals 18-Jährige war auf der Stelle tot, weitere Personen teils schwer verletzt.

Ein Zeitungsarchiv-Band zeigt im Polizeimuseum den aus Drakenburg stammenden Paketbomben-Attentäter Erich von Halacz.

Während in Eystrup noch Tatort-Untersuchung liefen, erhielt gegen 11.30 Uhr der Inhaber des Kraftfutterwerks „Niedersachsen“ in Verden, Anton Höing, von seinen Mitarbeitern ein ebenfalls röhrenartiges Paket. Beim vorsichtigen Öffnen entdeckte Höing einen weißen Draht und verdankte sein Leben dem Glück: Eine defekte Batterie des Zünders hatte die Explosion der zweiten Paketbombe verhindert. Doch damit nicht genug: Gegen 13.15 Uhr erhielt der damalige Chefredakteur der „Bremer Nachrichten“, Dr. Adolf Wolfard, von seiner Sekretärin ebenfalls ein röhrenförmiges Paket überreicht. Als er das Paket „scherzend“ öffnete, wie es in der Begleitpublikation zur Ausstellung heißt, tötete ihn die Explosion der Paketbombe und verletzte die Sekretärin sowie den Feuilleton-Chef schwer.

Die „Soko S“ (das „S“ stand für „Sprengstoff“) begann mit der Suche nach dem Täter und nach dem Motiv. Das sei laut Dr. Dirk Götting, dem Historiker und Kurator des Polizeimuseums Nienburg „eindeutig Habgier“ gewesen. Von Halacz, der nach einer Flut von Hinweisen gefasst worden und zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, habe mit den Attentaten Erpressungen vorbereiten wollen, so Götting, um in Nienburg einen Schallplatten-Laden eröffnen zu können. Sowohl Buskohl als auch Heinrich Sieling vom Verein „Museum Nienburg“ sowie eben Kurator Götting bezeichneten den Kriminalfall von Halacz als ein „geschichtliches Dokument“, über das sich ab heute die Öffentlichkeit im Polizeimuseum in Nienburg informieren kann.

Öffnungszeiten am Wochenende
Die Ausstellung im Polizeimuseum ist heute von 10 bis 13 Uhr, morgen von 11 bis 14 Uhr sowie am Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt es unter Telefon 05021 / 8877880 oder im Internet unter www.pa.polizei-nds.de

Lesen Sie auch zu dem Thema:
Dr. Dirk Götting zur Ausstellung im Polizeimuseum - „Ein bis dahin einzigartiges Ereignis“

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