Unkraut im Garten

Nabu Nienburg rät zu Handarbeit

Giersch wuchert in vielen Nienburger Gärten.
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Der Giersch kann viel mehr als nur wuchern: Dem Nabu Deutschland zufolge kann er als Heilkraut oder Salatbeigabe dienen oder wie Spinat zubereitet werden. Aegopodium podagraria gilt als entsäuerndes Kraut, übersetzt bedeutet der Name „die Gicht heilend“. „Bei Übersäuerung und den daraus resultierenden Krankheiten, wie der Gicht, ist der Giersch eine sehr große Hilfe. Die Mineralien im Giersch neutralisieren die Harnsäure und können so nicht nur Gicht, sondern auch Gelenkschmerzen und andere Beschwerden mildern“, schreiben die Naturschützer.

Landkreis – Giersch, Löwenzahn und andere Wildpflanzen sind vielen Freunden des gepflegten Privatgartens im Landkreis ein Dorn im Auge. Mit Unkrautvernichtern gegen das lästige Grün vorzugehen liegt nahe, ist jedoch verboten. Darauf weisen der Nabu-Kreisverband Nienburg und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hin.

Ja, das Jäten von Hand ist mühsam. Das immer wiederkehrende Auskratzen von vermoosten Stein-Fugen oder das stundenlange Kauern über hartnäckigen Löwenzahnstrünken, deren Wurzeln sich scheinbar unendlich tief ins Erdreich gefressen haben, nervt.

Wolfgang Ehrecke, Sprecher der Landwirtschaftskammer, und Dr. Anja Thijsen, Apothekerin und stellvertretende Vorsitzende des Nienburger Kreisverbandes im Nabu (Naturschutzbund Deutschland) raten Gartenbesitzern dennoch dringend vom Gebrauch von Unkrautvernichtern ab und erklären, warum.

Biozide dürfen nur auf „gärtnerisch genutzte Flächen“

Laut Gesetz dürfen diese Stoffe nur auf gärtnerisch genutzten Flächen im Hausgarten angewendet werden. Darauf macht das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) aufmerksam. „Die Anwendung auf Nichtkulturlandflächen wie zum Beispiel Wegen, Bürgersteigen, Garagenzufahrten, Terrassen, Straßen, Parkplätzen und Hofflächen ist generell verboten“, heißt es. Dieses Verbot gelte nicht nur für Pflanzenschutzmittel, die zur Unkrautvernichtung zugelassen sind, sondern auch für die vermeintlichen Hausmittel Essig und Salz sowie für Grünbelagsentferner und Steinreiniger, die als Biozide im Handel frei erhältlich sind. „Die Anwendung auf solchen Flächen stellt einen Verstoß gegen pflanzenschutzrechtliche Bestimmungen dar“, so Ehrecke.

Anja Thijsen erläutert, weshalb: „Grundsätzlich sind keine chemischen Substanzen für gepflasterte Flächen zugelassen“, sagt sie. Unter den Steinen befinde sich in der Regel mineralischer Untergrund wie Kies oder Sand, in dem die Mittel nicht abgebaut werden. „Die rutschen dann so durchs Erdreich, landen im Grundwasser und schließlich über verschiedene Wege in der Kläranlage.“ Und die könne solche Spurenstoffe nicht aus dem Wasserkreislauf herausfiltern.

Unkrautvernichter landen im Trinkwasser

Die Folge: Der Mensch bekommt die Chemikalien im Laufe der Zeit in sein Trinkwasser. Aus diesem Grund sollten Verbraucher auch keine Reste von Düngern, Unkrautvernichtern, Medikamenten oder anderen chemischen Stoffen in die Toilette kippen, warnt die stellvertretende Nabu-Vorsitzende. Im Nienburger Raum herrscht Geestboden vor. Dieser Bodentyp bringt vor allem Wurzelunkräuter hervor, so Thijsen.

Verboten: Unkrautvernichter ist auf „Nichtkulturflächen“ wie hier nicht erlaubt. Lediglich im Gemüsebeet dürfen Hobbygärtner entsprechende Chemikalien sparsam einsetzen.

Häufig zu finden sind das knäulige Hornkraut, die Knoblauch-Rauke, Vogelmiere, Einjähriges Rispengras, Ringelblumen und das Gartenschaumkraut. Weit verbreitet sind zudem Löwenzahn, Schachtelhalm, Quecke und Giersch. „Den haben einst die Römer mitgebracht – als Vitamin-C-Lieferanten“, weiß die Apothekerin. „Man kann ihn wie Spinat zubereiten, er schmeckt sehr lecker“, findet sie. Wer das Grün loswerden möchte, aber nicht alles essen mag, dem rät die Landwirtschaftskammer zu „wirksamen alternativen Methoden wie mechanisches Entfernen, Heißwasser-Hochdruckreiniger oder Abflammen“.

Thijsen sieht letztere Methode allerdings kritisch: „Mit dem Abflammen ist es so eine Sache. Damit zerstört man viele Kleinlebewesen am Boden“, sagt sie. Sie setzt eher auf „dranbleiben und von Hand jäten“.

Weitere Informationen

Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer, 0511/4005-2428 oder -2178.

www.nabu.de

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