Neujahrsempfang der Landeskirche im Kloster / Top-Thema: Flüchtlinge

Auch Christian Wulff tritt den Weg nach Loccum an

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Auch Landtagspräsident Bernd Busemann – hier mit Ralf Meister – zählt zu den oft und gern gesehenen Gästen des Neujahrsempfangs.

Loccum - Von Beate Ney-Janßen. Ein einziges Thema hat den Neujahrsempfang der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bestimmt: Flüchtlinge. Sowohl Landesbischof Ralf Meister als auch Ministerpräsident Stephan Weil konzentrierten sich – wie gestern bereits kurz berichtet – ganz und gar auf diese Thematik.

Wer bekommt schon derart viele Geburtstagsgrüße? Im Namen sämtlicher Niedersachsen gratulierte Ministerpräsident Stephan Weil Landesbischof Ralf Meister. Ähnlich wird es dem Bischof vermutlich noch häufiger ergehen, denn in seinen künftigen Amtsjahren wird es auch immer so sein, dass er am Tag vor dem Neujahrsempfang der Landeskirche Hannovers Geburtstag hat.

Der 6. Januar, der Epiphanias-Tag, ist bereits seit mehr als 40 Jahren der Tag, an dem dieser Empfang großes öffentliches Interesse erfährt. Ähnlich treu ist sich die Kirche in dieser Zeit auch mit dem Ort geblieben: Die Spitzen aus Politik, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft Niedersachsens machen sich stets auf den Weg zum Kloster Loccum. 140 Plätze gibt es dort – und eine Einladung zu bekommen, ist eine Ehre.

Was das alte Jahr bestimmt hat, was sie als zentrale Aufgaben im neuen Jahr sehen, welche Wünsche und auch, welche Ziele sie haben – das stellen beim Empfang jeweils der Ministerpräsident und der Landesbischof in den Mittelpunkt ihrer Reden. Dass beide gleichermaßen viele Facetten des Themas „Flüchtlinge“ aufgriffen, verwunderte niemanden. Schließlich war es das beherrschende Thema in 2015 und wird es voraussichtlich auch in den kommenden Jahren noch sein.

Wirksame Bekämpfung

der Flucht-Ursachen

Wohnungsbau, Arbeitsmarkt, das Bildungssystem und die Beachtung staatlicher und gesellschaftlicher Regeln sieht Weil als die Aufgaben der Zukunft im Hinblick auf die Flüchtlinge an. Diese seien ungleich größer als die bislang aufgetretene Aufgabe der Aufnahme von flüchtenden Menschen in Niedersachsen. Das sind die praktischen Dinge, die hierzulande anstehen und nicht nur die Landesregierung in Atem halten.

Gleichwohl sprach Weil aber auch von „Welt-Innenpolitik“, von Grundsatzfragen, die noch auf Antworten warteten, und von der globalen Entwicklung. Es gebe keine Alternative zu einem gemeinsamen europäischen Vorgehen, sagte er. Die stellenweise offene Häme, mit der in Europa auf die sogenannte „Deutsche Einladung“ reagiert werde, gebe Veranlassung, daraus für die Zukunft die „richtigen Schlussfolgerungen“ zu ziehen. Die wirksame Bekämpfung der Flucht-Ursachen, die Sicherung der EU-Außengrenzen und die großzügige Aufnahme von Menschen in Kontingenten seien der Weg, der im Jahr 2016 notwendig werde.

Sowohl Weil als auch Meister nahmen in ihren Reden Bezug auf das Bündnis „Niedersachsen packt an“, das unter anderem von der Landesregierung und den beiden christlichen Kirchen ins Leben gerufen wurde. Für Mitmenschlichkeit und Integration und gegen Ausgrenzung beschrieb Weil die Haltung, die mit diesem Bündnis zum Ausdruck gebracht werden solle. Eine gemeinsame Haltung, die wie ein Mantel Menschen zusammenhalte und sie widerständig gegen fahrlässige Argumente und gegen die Bedrohung der Humanität im Land mache, umschrieb es Meister. Das Logo des Bündnisses gab es für alle Gäste zum Abschluss des Empfangs als Anstecknadeln.

Wie es einem Bischof zukommt, zielte Meister ansonsten in erster Linie auf den Glauben, Gefühle und das Befinden der Menschen ab. Sorge um ihre Sicherheit breite sich bei den Menschen auch hierzulande aus. Die meisten Menschen hier lebten so, als hätten sie ein Recht auf Sicherheit in allen Bereichen des Lebens. Die Sicherheit auf ein glückliches, unbeschwertes Leben gebe es aber eben nicht – Sorgen und diffuse Ängste würden nun allerdings angesichts der vielen Flüchtlinge wachsen. Mit Sorge beobachte er, dass jenes Gefühl des Verlustes von Sicherheit mancherorts in Ausbrüche von Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz, Rassismus und Schlimmerem umschlagen.

Vier Punkte listete Meister auf, wie dem begegnet werden könne. Zum einen mit der vermutlich größten Bürgerbewegung der Bundesrepublik, einer engagiert helfenden Gemeinschaft, die Dinge erreiche, die scheinbar unerreichbar schienen. Zum zweiten mit der starken Gemeinschaft, die daraus erwachse – etwa mit dem Bündnis „Niedersachsen packt an“. Zum dritten, in einer Weltsituation, die seit dem vergangenen Epiphanias-Empfang dramatischer geworden sei, müsse die Friedens-Ethik in den Blick genommen werden. Die evangelischen Kirchen hätten sich derzeit so positioniert, dass sie militärische Eingriffe als notwendig hinnehme würden, um noch Schlimmeres zu verhindern. „Doch klar ist: dauerhafter Friede geschieht nur auf dem Weg des Gewaltverzichts und des friedlichen Interessenausgleichs.“

Der vierte Punkt für den Landesbischof liegt in der Jahreslosung „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Diese Empathie, diese urmütterliche Geste der innersten Beteiligung gehe für ihn dem neuen Jahr und allem Handeln voraus.

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