Schauspielerin Karin Rode über Loccum als Kulisse der Serie „Neues aus Uhlenbusch“

Nackte Gitarristen und Hähne ohne Federn

Ein ganzes Dorf als Filmkulisse: Loccum war in der Serie „Neues aus Uhlenbusch“ im ZDF zu sehen, sogar ein Spiel haben die Serien-Macher herausgebracht. Karin Rode (rechts) war damals sieben Jahre alt und spielte die Rolle der „Bierlisa“.
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Ein ganzes Dorf als Filmkulisse: Loccum war in der Serie „Neues aus Uhlenbusch“ im ZDF zu sehen, sogar ein Spiel haben die Serien-Macher herausgebracht. Karin Rode (rechts) war damals sieben Jahre alt und spielte die Rolle der „Bierlisa“.

„Auweia, auweia, der Hahn legt keine Eier…“ Ende der 1970er-Jahre wurde der Fernseher eingeschaltet, wenn das Lied vom Gockel Konstantin erklang. In Loccum schauten alle ganz genau hin, schließlich hat nahezu das gesamte Dorf in dieser ersten sozialkritischen Fernsehserie für Kinder mitgewirkt. Bei einem Spaziergang erinnert sich die damalige Hauptdarstellerin Karin Rode an diese Zeit zurück.

Loccum – Am Heiligabend 1977 kam Karin Rode vor Romy Schneider: In der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ wurde die erste Folge einer Serie für Kinder angekündigt. Mit der siebenjährigen Karin in der Hauptrolle. Erst darunter tauchte Romy Schneiders Foto auf. Die „Bierlisa“ war Rodes Rolle: Niemand wollte mit ihr spielen, weil ihr Vater trank. Mobbing würde es heute heißen, was der Kleinen im Film widerfuhr, und „Bierlisa“ riefen die Kinder ihr hinterher, weil der Vater sie schickte, um Bier zu holen – im Laden von Oma Piepenbrink.

Wie gut, dass es in Lisas Dorf die Oma Piepenbrink gab. Sie war, oft gemeinsam mit dem Briefträger Onkel Heini, Retterin in der Not, wenn Uhlenbuschs Kinder Probleme hatten. In Lisas Fall setzte sie sich mit deren Vater in die Kneipe und machte ihm deutlich, dass ihm ein Bier nicht schade, der Vater aber lieber Milch trinken solle.

Das hatte es vorher noch nicht gegeben: Alkoholismus als Thema in einem Kinder-Format. Schon an jenem Heiligabend schalteten Millionen Zuschauer ein, um „Neues aus Uhlenbusch“ zu sehen. Und das blieb lange Zeit so. Die Sozialkritik in Uhlenbusch kam ebenso gut an, wie auch die Darstellung des Lebens von Kindern auf dem Land. Ein Straßenfeger – das war Uhlenbusch.

Für das Dorf Uhlenbusch, in dem all das spielte, war Loccum Vorbild: Loccum, das sich seit Jahrhunderten in erster Linie durch sein Kloster einen Namen gemacht hatte, war plötzlich wegen ganz anderer Dinge in aller Munde – und zuvor war ein ganzes Dorf an den Dreharbeiten beteiligt.

Warum Loccum? Das lag an dem Loccumer Hans-Heinrich Strube, der einen ganzen Stall voller Kinder hatte. Was Sohn Michael mit seinem besten Freund Mattn, Matthias Graf, ausheckte, schrieb Strube auf und gab es als Buch heraus. Das ZDF bekam „Die Höhle im Wald“ in die Finger. Bald darauf begann die Arbeit an den ersten Drehbüchern und auch der Ort des Geschehens stand fest: Loccum.

Im Frühjahr 1977 hielt eine Berliner Film-Crew Einzug und für Loccums Bewohner begann eine spannende Zeit, in der beschauliches dörfliches Leben auf Großstadt-Flair traf.

„Papa, hinten im Garten sitzt ein nackter Mann und spielt Gitarre!“ Jürgen Rust grinst breit, als er das erzählt. „Ist schon in Ordnung. Das ist nur der Rudi“, hat er seiner Tochter geantwortet. Rudi Korte war in ganz Loccum bald bekannt, denn er musste Requisiten heranschaffen. Ob es nun die Einrichtung von Oma Piepenbrinks Laden war, ein Fuder Heu für längst abgeerntete Felder oder ein Schwein, das durchs Dorf getrieben werden sollte.

Die Loccumer erwiesen sich als kooperativ und gewöhnten sich selbst an den Anblick von Nudisten mit Gitarre, die auf ihren Höfen campierten. Den Geist von Uhlenbusch, in dem es um Leben und Leben lassen ging, um Verständnis füreinander und das Miteinander, haben sie mit solchen Szenen auch jenseits der Kamera getragen.

Rust hat aber noch mehr als nur Erinnerungen und legt ein Würfel-Spiel „Neues aus Uhlenbusch“ auf den Tisch, das damals vom ZDF herausgegeben wurde. Das will er demnächst Loccums Kindergarten schenken. Der trägt den schönen Namen „Uhlenbusch“ und hat natürlich eine Eule im Logo. Weil Uhlenbusch im Hochdeutschen „Eulenbusch“ heißt.

Eine hölzerne Eule steht auch bei Marianne Menze im Garten. Sie will aber ein ganz anderes Schätzchen zeigen und führt ihren Besucher Matthias Graf – den Mattn aus dem Ursprungsbuch – geradewegs in ihre Remise. „Wir haben die Tür von Bauer Brömmelkamps Haus gerettet“, sagt sie.

Brömmelkamp war der brummige Bauer, der Bälle hortete, die Kinder aus Versehen auf seinen Hof schossen. Der Hof-Schauplatz gegenüber ist abgerissen, die Tür als Andenken noch da. Menze selbst durfte vor der Kamera eine Sau betüddeln. „Und abends haben wir bei Hilbrecht die Korken knallen lassen“, erzählt sie. Hilbrecht, das war die Kneipe mit Kino. Dort zeigte das Film-Team abends die Szenen, die tagsüber gedreht worden waren.

Dort bei Hilbrecht war der Dreh- und Angelpunkt von allem Geschehen. Denn außer Kino und Kneipe bimmelte in diesem Haus auch die Glocke von Oma Piepenbrinks Laden. Das Haus steht noch, verströmt mittlerweile aber einen morbiden Charme. Den Eingang zum Laden haben sich die Linden vor der Tür erobert.

Karin Rode muss Äste beiseiteschieben, um einen Blick hinein werfen zu können. Mit der Tasche überm Arm musste sie als Lisa in den Laden hüpfen. „Und es goss in Strömen“, erzählt sie. Der Regen kam aber nicht vom Himmel, sondern aus den Schläuchen der Freiwilligen Feuerwehr Loccum.

Während die Feuerwehr-Leute häufiger Regen simulieren durften, gingen die Schützen des Dorfes leer aus. Sie hatten für die große Schützenfest-Folge zu hohe Gagen verlangt. Da kam eben der Verein aus dem benachbarten Münchehagen zum Zuge. Das wurmt so manchen Loccumer bis heute.

Die mittlerweile 50-Jährige Rode lässt sich gegenüber von Hilbrecht auf einer Milchbank nieder. Genau dort, sagt sie und zeigt auf die Straße, hat der Gockel Konstantin sein Federkleid verloren.

Am Titelsong zur Uhlenbusch-Serie mit dem Gockel Konstantin versucht sich noch heute Loccums Gästeführer, der Pingelkeerl Heinrich, wenn er bei Hilbrecht steht und Döntjes von Uhlenbusch erzählt. „Irgendwer stimmt immer mit ein“, weiß er aus Erfahrung. Und das seien beileibe nicht nur die Leute aus der Umgebung. Uhlenbusch, das habe sich ins Gedächtnis eingebrannt. Er rät seinen Begleitern dann immer, die Leute im Dorf anzusprechen. „Die erzählen gern und viel davon!“

Von Beate Ney-janssen

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