Minister Christian Meyer bei Nordwestrand-Sendung in Nienburg / Ulrich Löhr: „Was hier läuft, ist Bauern-Bashing“

Thema „Glyphosat“ bringt Landwirte auf die Palme

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Moderator Stefan Pulß hält Landwirtschaftsminister Christian Meyer das Mikro unter die Nase.

Nienburg - Von Regine Suling. Pflanzenschutzmittelwirkstoffe im Grundwasser und Glyphosat in der Muttermilch: Politisch gefärbte Panikmache oder Aufforderung zum Handeln? Von jedem etwas, zumindest, wenn man der Diskussionrunde folgte, die sich im Hotel „Zur Krone“ teils lautstark entfaltete.

Das Nordwestradio hatte zu dieser Aufzeichnung eingeladen. Moderator Stefan Pulß fühlte dem Thema auf den Zahn, sprach mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen), Helmut Dammann-Tamke (MdL), dem agrarpolitischen Sprecher der CDU, Ulrich Löhr, Vizepräsident im Landvolk Niedersachsen, und Anouchka Jankowski vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz).

Der NLKWN hatte für den Anlass der Radio-Sendung gesorgt: Er hatte Ergebnisse über die Untersuchung von Grundwasser auf Pflanzenschutzmitteln aus 25 Jahren vorgelegt. Dabei wurden unter anderem zwischen 2008 und 2013 an 135 von insgesamt 1200 Messstellen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe nachgewiesen. „Wir haben das Grundwasser auf 108 Wirkstoffe untersucht“, sagte Anouchka Jankowski. „Wirkstoffbezogen relativiert sich das Ergebnis“, befand die Autorin der Untersuchung, da nicht jeder Wirkstoff an jeder Messstelle gefunden worden sei.

Für Minister Meyer indes war klar: „Unter landwirtschaftlichen Flächen ist am ehesten etwas zu finden.“ Zudem habe der Absatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich zugenommen, sagte Meyer, und im Nu landete die Diskussion beim Thema Glyphosat. Die Weltgesundheitsorganisation habe das Herbizid als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, erklärte der Minister.

Ulrich Löhr als Vertreter der Landwirte hielt dagegen: „Alle Landwirte müssen einen Pflanzenschutz-Führerschein machen, aber jeder Kleingärtner kann das einsetzen, was er will.“

Auch Anouchka Jankowski sah das ähnlich: „Glyphosat ist nicht das Hauptproblem. Wir hatten deutlich höhere Befunde bei anderen Wirkstoffen.“

Helmut Dammann-Tamke wurde lautstark: „Die emotionale Bedienung des Themas ist eines Minister nicht würdig“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete und sprach damit die Studie der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen an, bei der lediglich 16 Proben Muttermilch untersucht wurden, in denen mehr als 0,1 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) Glyphosat nachgewiesen worden seien. „Die Studie ist natürlich nicht repräsentativ“, gestand selbst Christian Meyer ein. Trotzdem: „Es bleibt dabei: Man hat Werte gefunden, die nicht ins Trinkwasser gehören.“

Das Thema Glyphosat brachte die etwa 50 Landwirte im Saal schließlich auf die Palme. Und auch die Diskutanten: „Wir haben das schärfste Pflanzenschutzmittelgesetz der Welt“, sagte Helmut Dammann-Tamke.

Dr. Hans-Christian-Hanisch (Bücken) meldete sich als Gast aus dem Publikum zu Wort und wurde deutlich: „Ich fühle mich gemobbt, vor allem von Teilen der Politik. Wir setzen nur das ein, was zugelassen ist. Und es gibt kein Pflanzenschutzmittel, was unbedenklicher ist als Glyphosat“, erklärte der Landwirt und ehemalige Vorsitzende des Landvolks Mittelweser.

Noch lebhaftere Züge nahm die Diskussion an, als sie auf das Thema Antibiotika im Grundwasser zusteuerte. Auch wenn sich in Lebensmitteln keinerlei Rückstände finden ließen, „muss man sich Sorgen machen“, erklärte Meyer.

„Wir setzen Antibiotika nur dann ein, wenn es nötig ist. Dazu bin ich schon aus Gründen des Tierschutzes verpflichtet“, sagte Ulrich Löhr. „Was hier läuft, ist Bauern-Bashing“ (heftige, herabsetzende Kritik), wurde Dammann-Tamke laut. Und Anouschka Jankowski relativierte: „Der Beweis, ob es sich dabei um Tier- oder Human-Arzneimittel handelt, wurde nicht geführt.“

Populismus schrieb Dr. Hans-Christian Hanisch dem grünen Minister ins Stammbuch: „Es geht nur darum, den Leuten Angst zu machen und den Produzenten eins auszuwischen.“

Wer sich die ganze Diskussion anhören möchte: Am kommenden Mittwoch, 15. Juli, will Nordwestradio diese von 18 bis 19 Uhr senden.

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