Messerstiche in den Rücken

Versuchter Totschlag in Nienburg? Ex-Freund des Opfers vor Gericht

Der Prozess wird am 8. Dezember am Landgericht Verden fortgesetzt. Archiv
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Der Prozess wird am 8. Dezember am Landgericht Verden fortgesetzt. Archiv

In Liebenau wurde am 26. Mai eine 20 Jahre alte Nienburgerin mit zwei Messerstichen in den Rücken verletzt. Ohne Operation wäre die Frau nach Einschätzung eines Rechtsmediziners „sehr wahrscheinlich gestorben“. Als potentiell lebensbedrohlich stufte der Sachverständige aber auch die Kopfverletzung des mutmaßlichen Täters ein, der sich derzeit vor dem Landgericht Verden wegen versuchten Totschlag verantworten muss.

Nienburg – Der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte aus Steyerberg leugnet nicht die Stiche, aber eine Tötungsabsicht. Bei dem Opfer handelt es sich um seine Ex-Freundin. Deren damaliger Freund soll dabei mit einer Eisenstange auf den 22-Jährigen losgegangen sein. Unklar ist noch, ob vor oder nach den Stichen. Gegen den ebenfalls 22-Jährigen wurden Ermittlungen eingeleitet, das Verfahren aber wegen „nicht zu widerlegender Rechtfertigung“ eingestellt.

Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin, deren Mutter und zwei weiteren Personen soll sich der ebenfalls 22-Jährige damals auf den Weg nach Liebenau gemacht haben. „Sie planten es, dem Angeklagten zu zeigen“, heißt es in der Anklageschrift. So soll es die 20-Jährige nach der Tat gegenüber einer Polizistin ausgesagt haben. In dem Prozess hat die 20-Jährige dies bestritten. Diesbezüglich sieht die zuständige Schwurgerichtskammer noch Klärungsbedarf.

Stich neben der Wirbelsäule

Eindeutig in seinen Aussagen war der Rechtsmediziner. Ein Stich habe die Frau im Bereich des Schulterblatts getroffen. Dies habe vermutlich ein Eindringen der Klinge in die Tiefe verhindert. Der andere Stich neben der Wirbelsäule habe zu einem Pneumothorax geführt. Luft und Blut haben sich in der linken Brusthöhle gesammelt.

Im Nienburger Krankenhaus wurde eine Drainage gelegt, berichtete der Rechtsmediziner. „Damit war die Gefährlichkeit im Grunde schon gebannt“, erklärte er. Unbedingt notwendig sei die anschließende Operation in einer Klinik in Hannover gewesen. Der Stich habe um nur zwei Zentimeter eine große Schlagader verfehlt.

Angesehen hatte sich der Rechtsmediziner damals auch die Verletzungen des Angeklagten. Zu einem Schlag mit einer Eisenstange passe die festgestellte Verletzung am Hinterkopf. Die Kopfschwarte sei durchtrennt gewesen. „Man muss von einer erheblichen Krafteinwirkung ausgehen“, erklärte der Sachverständige.

„Kopf mehrfach seitlich auf den Boden geschlagen“

Der Angeklagte habe ihm von Schlägen berichtet, die er mit dem Arm abgewehrt habe. Außerdem sei er am Kragen gepackt worden. Dazu hätten die geschilderten Schmerzen und sichtbare Rötungen an Arm und Hals gepasst.

Zu beurteilen hat die Schwurgerichtskammer auch die Schuldfähigkeit des Angeklagten. Nach der Tat war er von Polizeibeamten am Boden fixiert worden. Der 22-Jährige habe „geschrien und seinen Kopf mehrfach seitlich auf den Boden geschlagen“, schilderte ein Polizeibeamter. „Man hat das Knirschen der Knochen gehört. Er wirkte völlig wie von Sinnen.“

Durch Zureden habe er den Angeklagten beruhigen können, berichtete der Beamte. „Wir kannten uns aus früheren Einsätzen in Steyerberg. Es war alles ähnlich gelagert.“ Immer in Verbindung mit der Ex-Freundin und immer sei die Stimmung „sehr erhitzt“ gewesen.

Der Prozess wird entgegen der Planung bereits am Mittwoch, 8. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt.

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