Mehrheit im Gemeinderat Marklohe stimmt gegen Bürgermeister Friemelt

„Ich lasse mich nicht von 20 Ratsherren abwählen“

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Bürgermeister Volker Friemelt (Dritter von links) kurz bevor der Rat über seine Abwahl abstimmte.

Marklohe - Von Ove Bornholt. Obwohl die Mehrheit des Markloher Gemeinderats am Mittwochabend für die Abwahl von Bürgermeister Volker Friemelt gestimmt hatte, zeigte sich dieser unbeeindruckt. „Ich wurde im Jahr 2013 von mehr als 2000 Bürgern gewählt. Ich lasse mich nicht von 20 Ratsherren abwählen“, teilte der parteilose Verwaltungschef im Anschluss an die Sitzung mit.

Zuvor war die Einleitung des Abwahlverfahrens, wie es im Amtsdeutsch heißt, über die Bühne gegangen. Das bedeutet, dass Friemelt eine Woche Zeit hat, um seinen Verzicht auf das Amt als Samtgemeindebürgermeister zu erklären. Tut er das nicht, gibt es innerhalb der kommenden vier Monate einen Bürgerentscheid. Daran müssten mindestens 25 Prozent der Markloher teilnehmen und mindestens 50,1 Prozent von ihnen für die Abwahl stimmen, um Friemelt von seinem Amt zu entbinden.

Dass es zum Bürgerentscheid kommt, ist wahrscheinlich, denn Friemelt verkündete: „Ich vertraue dem Bürger, dass er mich mit seiner Stimme beim Bürgerentscheid in einigen Monaten im Amt bestätigt.“

Das benötigte Quorum an Wählern scheint kein großes Problem zu sein, versammelten sich doch am Mittwochabend rund 200 Bürger zu der Ratssitzung im Dorfgemeinschaftshaus Dolldof. Mehrere Dutzend Autos der Besucher standen wechselweise zu beiden Seiten der Dolldorfer Straße, im Dorfgemeinschaftshaus war das Gedränge sogar noch größer als auf der Straße.

Für eine Entscheidung von solcher Tragweite, die sich ja auch im öffentlichen Interesse niederschlug, währte die außergewöhnliche Zusammenkunft jedoch sehr kurz. Pünktlich um 20 Uhr eröffnete die Ratsvorsitzende Susanne Schlüter die Sitzung und rund sieben Minuten später war diese auch schon wieder vorüber. 20 von 22 Ratsmitgliedern hatten – einige mit brüchiger, einige mit entschiedener Stimme – „Ja“ zu dem Antrag auf Einleitung des Abwahlverfahrens gesagt, nachdem Schlüter jeden einzelnen namentlich aufgerufen hatte. Einzig Werner Cunow und Heinrich Schlemermeyer (beide CDU) enthielten sich.

Beiden dankte Friemelt, der selbst nicht mit abstimmen durfte, in dem Schreiben, das er an die Presse verteilte, ausdrücklich. Er sei enttäuscht von den übrigen Ratsherren, „die das Ansehen unserer Samtgemeinde beschädigt haben“, heißt es darin.

Im Vorfeld der Sitzung hatten die Fraktionen im Gemeinderat – SPD, CDU und die Grünen – Friemelt in einer gemeinsamen Erklärung Unfähigkeit vorgeworfen, waren jedoch konkrete Beispiele für Fehlverhalten schuldig geblieben. Man wolle den Bürgermeister nicht an den Pranger stellen, so CDU-Sprecher Horst Reschke.

Ob es dabei bleibt, ist mehr als unsicher. Für die kommende Woche hat Reschke ein Pressegespräch angekündigt.

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