Mehr als 160 Gäste bei „Pottkokenabend“ über Wietzer Vertriebenen-Familien

Helmut Rode brilliert ein letztes Mal als Erzähler

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Ex-Landrat und -Bundestagsabgeordneter Helmut Rode: Garant für launig-gehaltvoll aufbereitete Lokalgeschichte.

Wietzen - Von Christiane Hüneke-Thielemann. Neuer Besucherrekord: Mehr als 160 Gäste hörten beim „Pottkokenabend“ in Wietzen Helmut Rodes Vortrag über das Schicksal von Wietzer Vertriebenen-Familien. Gleichzeitig wurde der Abend ein Abschied nach Maß: Mit bald 85 Jahren will sich der ehemalige Landrat und Bundestagsabgeordnete nun aus der „Wie wör dat fröher“-Reihe zurückziehen.

„Flucht und Vertreibung – wie aktuell das Thema unserer Vortragsreihe in diesem Jahr sein würde, haben wir bei Beginn unserer Planungen nicht geahnt“, sagte der Dorfkulturkreis-Vorsitzende Wilhelm Lüdeke zur Begrüßung. Unter den Gästen waren auch viele Nachkommen von Familien, die einst als Flüchtlinge und Vertriebene im Kreis Nienburg eine neue Heimat gefunden hatten.

Für Helmut Rode, der seit 1998 unter dem Motto „Wie wör dat fröher“ vor allem Wietzer Firmengeschichten aufgearbeitet hatte, war dieser letzte Vortrag über die aus Bessarabien stammenden Familien Heller und Nittel auch deshalb Neuland, weil er erstmals Erzählungen der Hauptpersonen in den Mittelpunkt stellte.

Das waren die zum Teil sehr berührenden Schilderungen von Victor Heller, der 1940 als Zehnjähriger mit seiner Familie Bessarabien, die Heimat vieler im 19. Jahrhundert aus Süddeutschland ausgewanderter Familien, verlassen musste und über zermürbende Lageraufenthalte schließlich in Polen auf einem enteigneten Hof angesiedelt wurde. Nach nur vier Jahren verloren Familie Heller und Victors 70 Kilometer entfernt lebende ältere Schwester Erna Nittel mit ihren Kindern als Vertriebene erneut ihr Zuhause: Im Januar 1945 reihten sich die beide Familienzweige getrennt und bei Eiseskälte in die entbehrungsreichen und gefahrvollen Flüchtlingstrecks Richtung Westen ein.

Nach 18 Jahren „Wie wör dat fröher“: Dorfkulturkreis-Vorsitzender Wilhelm Lüdeke (r.) dankt Referent Helmut Rode nach dessen letztem Vortrag.

„Und hatten bei allem Leid“, so berichtet Rode, „doch das Glück, sich alle irgendwann bei Stade wiederzufinden.“ Über eine Zwischenstation bei Hildesheim kamen beide Familien im September 1945 schließlich in Wietzen bei Landwirten unter und bauten sich – fleißig, gläubig und stets der Hilfe anderer Bessarabien-Vertriebener sicher – schnell eigene Existenzen auf. Erna Nittel, die mit ihren Kleinkindern – zwei davon übrigens als Zuhörerinnen im Publikum – die Flucht gemeinsam mit einer anderen Frau bewältigt hatte, wartete jedoch vergeblich auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg.

Ein Novum bei diesem Abend: Erstmals gab’s einen Vortrag von Helmut Rode in dieser Reihe nicht auf Plattdeutsch – was einigen im Publikum sicher das Hörverständnis erleichterte. Unverändert wurde dagegen der traditionelle „Pottkoken“ samt Kaffee zur Pause serviert.

Am Ende überraschte Helmut Rode, seit mittlerweile 18 Jahren Garant für launig und interessant aufgearbeitete Dorfgeschichte, mit der Ankündigung, dass dies sein letzter Vortrag bei den „Pottkokenabenden“ sei. Aus gesundheitlichen Gründen, so erklärte Helmut Rode, werde er außerdem eine Auszeit nehmen von seinen zuletzt täglichen sieben bis acht Stunden PC-Arbeit in Sachen Heimatgeschichte und sich künftig nur noch „ein bisschen“ der Übersetzung alter Sütterlin-Protokolle fürs Digital-Archiv widmen.

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