Marklohes Samtgemeindebürgermeister Volker Friemelt vor rund 150 Bürgern in Dolldorf erneut attackiert

„Hund und Katze“ in der Drama-Version

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Volles Haus: Rund 150 Menschen kamen zur Bürgerversammlung ins Dorfgemeinschaftshaus in Dolldorf.

Dolldorf - Von Kurt Henschel. „Zwei wie Hund und Katze“ – dieses Theaterstück präsentieren die Heimatspiele Marklohe seit vergangenem Wochenende auf der idyllischen Freilichtbühne des Ortes. Parallel dazu läuft in Marklohe ein vergleichbares Stück – nur handelt es sich nicht um ein Lustspiel, sondern viel eher um ein Drama: Es geht um das Vorhaben des Samtgemeinderats, den Verwaltungs-Chef und Samtgemeindebürgermeister Volker Friemelt abzuwählen (wir berichteten mehrfach). Zugkraft besitzen beide Stücke, denn nicht nur die Stühle vor der Bühne im Wald waren begehrt, sondern auch die im Dorfgemeinschaftshaus in Dolldorf. Rund 150 Menschen kamen dorthin zur ersten von drei Bürgerversammlungen.

Kurz nach 19 Uhr begrüßte Balges Bürgermeisterin Barbara König-Meyer die Einwohner und als Gast Bernd Bargemann. Der Direktor des Amtsgerichts Nienburg fungierte am Mittwochabend als Moderator. Diese Rolle will er auch bei den beiden noch folgenden Zusammenkünften spielen.

Volker Friemelt schloss sich der Begrüßung an und kritisierte in seinem ersten Statement das Vorgehen der Abwahl-Betreiber, die Zeitungsartikel und einen Flyer mit lächelnden und traurigen Smileys als „Hilfe für die Erstellung Ihres eigenen Meinungsbildes zu den Funktionen und Zuständigkeiten unseres Samtgemeindebürgermeisters“ für die Bürger auf den Tischen platziert hatten. Spürbar angesäuert versprach er aber, „konkrete Fragen auch zu beantworten“.

Das war das Einsatz-Stichwort für den Moderator. Bargemann appellierte an die „Einhaltung der Spielregeln“ und kündigte an, „Äußerungen, die unter die Gürtellinie gehen, zu unterbinden“. Dann ging‘s los.

Volker Friemelt verspricht, „ehrlich zu antworten“ und verzichtet auf irgendwelche Schuldzuweisungen. Stattdessen betont er „seine Wertschätzung allen Menschen gegenüber“. Horst Schreiber spricht für die SPD-Fraktion von einer „außerordentlichen und außergewöhnlichen Veranstaltung in der wunderbaren Samtgemeinde Marklohe“ und sagt den Bürgern „objektive Informationen“ zu. Anschließend beschreibt der 61-Jährige die Arbeit im Samtgemeinderat, dessen Mitglieder durchschnittlich auf gut 14-jährige Erfahrung verweisen könnten. Schreiber erklärt erneut, dass sich die 20 Mitglieder, die den Bürgermeister abgewählt sehen wollen, „die Entscheidung nicht leichtgemacht haben“. Volker Friemelt, so Schreiber weiter, habe „in verdammt große Fußstapfen“ seiner Vorgänger Kirchhoff und Kohlmeier treten müssen. Daran sei der jetzige Samtgemeindebürgermeister zu messen. Sein Fazit: „Diese Fußstapfen sind zu groß – er kann sie nicht ausfüllen.“ Friemelt habe „37 Jahre ordentliche Arbeit als Sachbearbeiter geleistet“, besitze „aber keine Führungskraft“. Außerdem, so der SPD-Sprecher, sei es „Herrn Friemelt gelungen, sich als Opfer darzustellen“. Das sei laut Schreiber „unverschämt“, denn Opfer seien die Samtgemeinde, die Mitarbeiter sowie die Bürger.

Volker Friemelts Konter kam prompt: „Die Ausführungen waren zwar rhetorisch gut, sachlich aber falsch.“ Da die angestrebte Abwahl die (ohnehin klamme und zur Haushalts-Konsolidierung gezwungene) Samtgemeinde mit 320000 Euro belasten würde, gebe es „keinen Gewinner und keinen Verlierer“, so der Verwaltungs-Chef. Er beteurte erneut, sich nichts vorzuwerfen zu haben: „Der Rat hat‘s angeschoben – niemand sonst.“

Der Gift-Gehalt im DGH-Versammlungsraum nimmt zu. Moderator Bargemann reißt erstmals verbal an der Leine der Emotionen. Und bittet das Publikum, Fragen zu stellen.

Ein Bürger wollte wissen, ob es schon einen Kandidaten für die Nachfolge Friemelts gebe. Horst Reschke (CDU): „Darüber haben wir noch keine Sekunde nachgedacht.“ Wie reagiert der Rat bei Verbleib Friemelts, war die nächste spannende Frage, die offizielle Aussagen entlockte: Horst Schreiber, Horst Reschke, Susanne Schlüter, Alice Nadine Schlier, Hans-Ludwig Seebode und die im Publikum sitzenden Hans-Jürgen Bein sowie Manfred Adam gaben nacheinander an, ihr Mandat dann sofort niederlegen zu wollen.

„Eingleisigkeit ist

eine Katastrophe“

Horst Schreiber räumte beim Thema „Eingleisigkeit“ ein, dass die damalige SPD-Regierung in Niedersachsen eine „falsche Entscheidung“ getroffen habe. Das sei „eine Katastrophe“, so der SPD-Sprecher, denn die Sozialdemokraten hätten vergessen, „Grundlinien für die Qualifikation“ für einen hauptamtlichen Chef der Verwaltung, der gleichzeitig Bürgermeister ist, festzulegen.

Friemelt spürt den Seitenhieb und betont, „die höchste Qualifikation, die man als Angestellter erreichen kann“, zu besitzen. Darüber hinaus wiederholen sich zahlreiche bereits an anderen Orten ausgesprochene Schuldzuweisungen, die das allgemein zu verspürende Unwohlsein bei allen Beteiligten im Raum nicht wegzuwischen vermochten. Ebenso nicht wegzuwischen: Die Absicht der Rats-Mehrheit, Friemelt aus dem Amt zu entfernen. Auf der anderen Seite weiterhin unumstößlich: Der Wille Volker Friemelts, das Amt zu behalten. Dramatisch: Während die eine Seite hofft, dass am 13. September, „viele Bürger für eine Abwahl stimmen“, hofft Friemelt auf das Gegenteil: „Ich vertraue auf die Bürger und stelle mich.“

Inzwischen stehen die Zeiger der Uhren auf kurz nach 21 Uhr, die auf zwei Stunden limitierte Dauer der Veranstaltung war erreicht. Bargemanns Drei-Punkte-Fazit: „Der Samtgemeinderat scheint überzeugt, dass eine Abwahl notwendig ist, Volker Friemelt ist überzeugt, dass er es kann, und Sie als Bürger müssen es entscheiden.“

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