Marklohe: Rat tagt heute und legt Termin für Abwahl-Bürgerentscheid fest

Samtgemeinde ähnelt einem „Labyrinth“

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Nach seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister noch mit Blumen begrüßt – inzwischen will der Samtgemeinderat Volker Friemelt aber loswerden.

Marklohe - Von Kurt Henschel. Mehr und mehr ähnelt die Samtgemeinde Marklohe einem „Labyrinth“ mit schwer zu findenden (Aus-)Wegen. Seit der offiziellen Verkündung des Rates, er wolle Samtgemeindebürgermeister Volker Friemelt abwählen, ist im idyllisch zwischen Bäumen gelegenen Rathaus nichts mehr so, wie es einmal gewesen war.

Aber der Amts-Inhaber kämpft. Er tritt nicht zurück, sondern will die Bürger darüber entscheiden lassen, ob er bleiben soll oder seinen Platz räumen muss. Einen Bürgerentscheid gibt es also – wahrscheinlich am Sonntag, 13. September.

Auf dieses Datum dürfte sich vermutlich der Rat der Samtgemeinde Marklohe in seiner öffentlichen Sitzung, die heute ab 19 Uhr (Beginn ist von ursprünglich 20 Uhr vorverlegt worden) im Gasthaus Kunst an der Bremer Straße in Wietzen über die Bühne geht, verständigen. Und damit die Vorbereitung eines eigentlich nicht vorgesehenen Wahl-Sonntags einleiten.

Obwohl bisher noch immer nicht konkret benannt worden ist, welche „gravierenden Vergehen“ die 20 Mitglieder des 22-köpfigen Gremiums, die für Friemelts Abwahl gestimmt haben, dem Chef der Verwaltung vorwerfen, rolle der Ball und sei nicht mehr aufzuhalten, wie ein Sprecher der Friemelt-Gegner auf Nachfrage mitteilte. Das heißt: Die Gruppe der Unzufriedenen nimmt den Abwahl-Beschluss auf keinen Fall zurück. Und auf der anderen Seite sieht der ziemlich heftig attackierte Volker Friemelt nicht ein, seinen Stuhl freiwillig räumen zu sollen.

Nun also müssen es die Bürger per Wahl richten. Und die kostet die Samtgemeinde Marklohe – unabhängig vom Ausgang – rund 16000 Euro. Geld, das eigentlich in der Kasse nicht übrig ist, denn die Samtgemeinde Marklohe ist ziemlich klamm und hat den Auftrag, ihren Haushalt zu konsolidieren. Doch damit noch nicht genug: Sollte Friemelt nicht Samtgemeindebürgermeister bleiben (dürfen), kämen weitere Kosten hinzu: Sein Salär, das eines Nachfolgers, ferner Kosten für die Ausschreibung der dann neu zu besetzenden Position sowie schlimmstenfalls für die Wahl eines neuen Samtgemeinderats.

Viele Fragen ohne

Antworten lähmen

Bliebe Friemelt im Amt, so wären die 20 Mitglieder des Rates, die seine Abwahl forcieren, die Verlierer. Ob sie ihre teilweise angekündigte Konsequenz, dann sofort ihr Mandat niederlegen zu wollen, auch in die Tat umsetzen, bleibt abzuwarten. Ebenso unklar ist momentan, ob es für den Fall einer möglichen Rücktritts-Welle im Samtgemeinderat genügend Nachrücker gibt und der Rat überhaupt vollzählig weiterarbeiten kann.

Viele unbeantwortete Fragen beeinträchtigen derzeit das Rathaus-Team. Und das liegt dem Vernehmen nach nicht nur daran, dass die Anti-Friemelt-Kampagne in vollem Gange ist, sondern auch daran, dass es im Rathaus-Team dicke Luft gibt.

Inwiefern? Friemelt erklärt, dass ihm einer seiner Mitarbeiter eine Dienstaufsichtsbeschwerde ans Bein gebunden habe, über die der Rat heute Abend im öffentlichen Teil ebenfalls zu befinden hat. Der Mitarbeiter hatte den dieser Zeitung vorliegenden Unterlagen zufolge eine Amtszulage für seinen Dienstposten beantragt und Friemelt „Untätigkeit“ vorgeworfen. Friemelt wehrt sich gegen diesen Vorwurf, sieht seinerseits „kein unangemessenes Verhalten“ und fordert heute Abend vom Rat, „die Dienstaufsichtsbeschwerde als unbegründet zurückzuweisen“.

Fakt ist: Es knackt und knistert in Marklohe sowie im Umfeld. Friemelt spricht von Zuständen, die er während seiner bisherigen 40 Arbeitsjahre in der Verwaltung „so noch nicht erlebt“ habe. Aber er wirft die Brocken nicht hin – er sei sich keines gravierenden Vergehens und der Rückendeckung seines Teams sowie seiner Wähler bewusst. „Wenn ich in die Kasse gegriffen hätte, würde ich natürlich und selbstverständlich die Konsequenzen ziehen“, so der Chef der Verwaltung, der vom Typ her stets um ein harmonisches Miteinander bestrebt sei.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Mitarbeiter komme für Friemelt bei seiner täglichen Arbeit derzeit erschwerend hinzu, dass sein allgemeiner Stellvertreter Matthias Sonnwald bereits seit rund vier Monaten dienstunfähig fehlt. Zusammenfassend stellt Friemelt fest: „Einmal vom Image-Schaden für die Samtgemeinde abgesehen – was hier abgeht, ist mir unbegreiflich. Und ich weiß bis heute nicht, was ich Schlimmes angerichtet haben soll.“

Vielleicht gibt es ja darauf heute Abend vor wahrscheinlich zahlreichen Zuhörern eine Antwort.

Mehr zu Friemelts Ansichten unter

www.volker-friemelt.de

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