55-Jähriger aus Rehburg-Loccum steht vor Gericht

Angeklagter soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben

Durch nicht eingereichte Steuererklärungen soll der Angeklagte Steuern hinterzogen haben.
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Durch nicht eingereichte Steuererklärungen soll der Angeklagte Steuern hinterzogen haben.

Verden/Rehburg-Loccum – Steuern in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro soll ein 55  Jahre alter Angeklagter aus Rehburg-Loccum durch nicht eingereichte Steuererklärungen hinterzogen haben. Es geht um Einkünfte aus den Jahren 2009 bis 2012. Zudem soll er falsche Angaben gemacht haben, als das Finanzamt 2012 und 2014 bei ihm vollstrecken wollte. Damit soll er noch mal einen Vorteil von 260 000 Euro erlangt haben. Seit dieser Woche muss sich der 55-Jährige wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Verden verantworten.

Der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Stade zufolge hat der aus Schleswig-Holstein stammende Mann sein Einkommen durch die Akquise von Flächen für Windkraftanlagen erzielt. Als Tatorte werden Rehburg-Loccum, Flensburg und eine Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg genannt.

Als erste Zeugin im Prozess wurde die zuständige Steuerfahnderin gehört. Die Ermittlerin aus Hannover berichtete von unterschiedlichen Firmen, an denen der Angeklagte als Gesellschafter oder Geschäftsführer beteiligt war – beispielsweise an einem Planungsbüro. Rechnungen habe er von diesem an sich selber gestellt, berichtete die Zeugin. Auf einem beschlagnahmten Computer sei beispielsweise eine Rechnung über 240 000 Euro gespeichert gewesen. Eine Partnerin aus dem Planungsbüro habe hinsichtlich der Rechnungsstellung kein Problem gesehen. „Er hatte die Leistung erbracht“, habe ihr die Frau erklärt.

Eine Rechnung sei „sehr beeindruckend“ gewesen. 300 000 Euro netto seien berechnet worden. „Für die Aufhebung eines Vertrages. Ich dachte, das kann nicht richtig sein.“ Es sei um eine Provisionsvereinbarung gegangen. Die ausgezahlten 57 000 Euro Umsatzsteuer wurden vom Angeklagten nicht an das Finanzamt abgeführt.

„Das müssen Umsätze in Millionenhöhe gewesen sein, sonst gibt es keine solche Provision“, merkte der Vorsitzende Richter an. „Gelernt“ habe sie aus den Ermittlungen, dass in der Windkraftbranche mehr Geld unterwegs ist, als sie es sich habe vorstellen können. „Und wie ich es mit Arbeit, wie ich es kennengelernt habe, nicht messen kann“, so die Ermittlerin. „Ich habe mich bemüht, Ausgaben zu ermitteln, die er gehabt haben könnte“, berichtete die Fahnderin. Der Vorsitzende sprach mögliche Schmiergelder an, doch darauf gibt es offenbar keine Hinweise.

Ein Beteiligter an den Geschäften habe ihr gesagt, dass diese nicht üblich seien. Es sei jedoch „auffällig, wenn 20 000 Euro am Montag eingehen und am Dienstag abgehoben werden“, sagte die Zeugin. „Entweder hat einer einen besonderen Lebensstil oder ein Lebensgeheimnis“, merkte sie an. Der Angeklagte habe aber auch gar keine anderer Chance gehabt, sein Vermögen zu sichern, als das Geld bar abzuheben. Teilweise seien die Barabhebungen dabei „im Minutentakt“ erfolgt.

Bei der Durchsuchung seiner Villa in Rehburg-Loccum im Jahr 2015 habe der Angeklagte gefasst gewirkt. „Es herrschte ein reges Treiben.“ Irgendwann hätten sich der 55-Jährige und seine Frau in „thronähnliche Sessel gesetzt“. Es habe sie an „Hof halten“ erinnert.

Die Villa sei beim Erwerb sanierungsbedürftig gewesen. „Für meine Begriffe ist das Luxusstandard, der da verbaut ist“, berichtete sie auf Nachfrage des Staatsanwalts. Natursteinbadewanne, ein Herd für 9 000 Euro, nannte sie als Beispiele. „Alles tipptop.“

Bei der Durchsuchung war auch Polizei im Einsatz. Nachdem Munition gefunden worden war, sei nach Waffen gesucht worden, so die Zeugin. Ihr Fokus habe auf Unterlagen gelegen. „Erstrebenswertes Ziel wäre es auch gewesen, das Geld zu finden.“ Fand sich aber nicht. Der Zwinger von zwei Hunden im Keller sollte durchsucht werden, genauso das Terrarium, in dem sich eine Würgeschlange befand, schilderte sie weiter. Da war die Mitwirkung des Angeklagten erforderlich, was kein Problem gewesen sei. Am 16. Oktober will sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern.

Von Wiebke Bruns

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