Abriss der Niedersachsenhalle

Loccum erhält ein neues Hotel

Angelo Vazzano startete vor fünf Jahren mit seinen Brüdern den Restaurantbetrieb „Vier Jahreszeiten“ in Loccum. Nun wird er durch ein Hotel ergänzt. Die 111 Jahre alte Niedersachsenhalle kann nicht integriert werden und muss abgerissen werden.
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Angelo Vazzano startete vor fünf Jahren mit seinen Brüdern den Restaurantbetrieb „Vier Jahreszeiten“ in Loccum. Nun wird er durch ein Hotel ergänzt. Die 111 Jahre alte Niedersachsenhalle kann nicht integriert werden und muss abgerissen werden.

Es tut sich was in Loccums Restaurant Vier Jahreszeiten. Sehr sichtbar – denn die alte Niedersachsenhalle wird in diesen Tagen abgerissen. Eine Ära neigt sich ihrem Ende zu, eine neue Ära beginnt: Die Brüder Vazzano, die in dem Restaurant seit fünf Jahren Kulinarisches anbieten, steigen nun ins Hotelgeschäft ein.

Loccum – 16 Appartements und drei Penthouse-Wohnungen. Das ist der Plan, den die Brüder ausgeheckt haben. Läuft alles glatt, soll das dreistöckige Gebäude inklusive Tiefgarage zum Jahresende bezugsfertig sein. Auf dem Platz der Niedersachsenhalle soll der Hotelkomplex entstehen. Als Gäste wünschen sie sich Urlauber, Geschäftsreisende und alle, die in Loccum und Umgebung nach Übernachtungsmöglichkeiten suchen.

Ein Rückbau soll sicherstellen, dass Materialien aus Niedersachsenhalle weiterverwendet werden

Den Entschluss, die alte Halle für diesen Neubau abzureißen, haben sich die Brüder nicht leicht gemacht. Den Begriff Abriss weist Lorenzo Vazzano dann auch weit von sich. Rückbau nennt er das – sie hätten ein Unternehmen damit beauftragt, das die alten Baustoffe weiter verwertet. So werden Holzständer und Ziegel aus Loccum womöglich irgendwo in der Republik wieder neu zu Ehren kommen.

In Loccums Ortskern, nahe Marktplatz und Kloster, entsteht der Komplex mit Appartements und Penthouse-Wohnungen der Brüder Vazzano.

Ein Vorbau an der Halle ist bereits einige Zeit zuvor entfernt worden. Erst dadurch ist deutlich geworden, wie lange die Scheune bereits in Loccum das Ortsbild prägt, denn die Jahreszahl 1911, in eisernen Lettern auf die Wand geschraubt, ist seitdem wieder sichtbar. 111 Jahre lang hat sie somit nahe dem Marktplatz gestanden.

Die Tradition des Gasthofs Niedersachsen, den Familie Vazzano vor sieben Jahren übernahm, reichte unterdessen noch weiter zurück. 1867 wurde er von der Familie Seele gegründet. Über fünf Generationen blieb es in Loccum dabei, dass man „zu Seele“ ging. Bis zu dem plötzlichen Tod von Ulrich Seele.

Niedersachsenhalle zuletzt noch von Rassegeflügelzüchtern und für Gewerbeschau genutzt

In den Gründerjahren diente der Gasthof nicht nur als Kneipe. Ein Barbier und Raseur gehörten ebenso an diesen Ort, wie auch der Zahnarzt und das örtliche Bestattungsunternehmen. Es geht die Legende um, dass sich die Loccumer zunächst am Tresen gebührend betäubten, bevor sie sich auf dem Zahnarztstuhl niederließen.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass Seeles einen Gasthof und kein Gasthaus unterhielten, verschwindet ebenfalls in diesen Tagen: Immer noch hingen Ringe zum Befestigen der Pferdeleinen an der Wand der Niedersachsen-Halle. Mit Kutschen oder auch beritten konnten Gäste dort beruhigt einkehren. Für ihre Tiere wurde in der Scheune gesorgt.

Als nach und nach die Pferdestärken den Motoren wichen, wandelte sich auch die Nutzung der Scheune. Viele Loccumer erinnern sich noch an fröhliche und ausschweifende Feste in der Halle, erzählt Angelo Vazzano. Zuletzt wurde die Halle in erster Linie von den Rassegeflügelzüchtern für ihre jährliche Schau und beim Loccumer Herbstmarkt für allerhand Stände mit Kunsthandwerk und Büchern genutzt.

Das wird sich nun ein weiteres Mal ändern. Und wer weiß: Womöglich ziehen dann erneut illustre Gäste ein. Wie damals, als Niedersachsens Kabinett sich zu einem lustigen Abend im Gasthof Niedersachsen traf, an dem der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU, David McAllister, sich als hervorragender Sänger outete und nicht nur Ministerpräsident Christian Wulff begeistert einstimmte.

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