Raya feiert Pfingstmontag ihren dritten Geburtstag – ohne Mama und Papa

Syrisches Kleinkind von seinen Eltern getrennt

Die in Liebenau lebende Familie Mohamad mit Enkeltochter Raya sowie Katja Keul und Karim Iraki (l.).

Liebenau - Raya Ibrahim muss am Pfingsmontag, 16. Mai, ihren dritten Geburtstag ohne ihre Eltern feiern. Im Januar hat sie mit ihren Großeltern Deutschland erreicht und wohnt seitdem in Liebenau. Dort erhielt sie kürzlich Besuch von der Bundestagsabgeordneten Katja Keul (Bündnis 90 / Die Grünen) aus Nienburg und dem Mitglied des Grünen-Kreisvorstands, Karim Iraki, der das Gespräch dolmetschte.

Bei der Flucht über das Mittelmeer ist Raya von ihrer Mutter und ihrer eineinhalbjährigen Schwester getrennt worden, als sie in das Boot der Schleuser einsteigen wollten. Gerade hatte ihre Mutter sie hochgehoben auf das Schiff und wollte selbst einsteigen, als der Schleuser sie zurückwies mit der Bemerkung, das Boot sei voll. Gleich darauf fuhr er los. So blieb die Mutter mit der kleinen Schwester in der Türkei zurück, während Raya mit ihren Großeltern in Griechenland landete. Rayas Vater befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in Syrien.

Als Raya in dem griechischen Lager erkrankte, half die Caritas der Familie und verschaffte ihr einen Platz auf einem Schiff nach Athen. Von dort fuhren die Ibrahims mit Bussen weiter bis nach Deutschland – kurz bevor Mazedonien endgültig seine Grenzen schloss.

Als Rayas Mutter (24) mit ihrem weiteren Kleinkind Griechenland erreichte, gab es von dort kein Weiterkommen mehr. Seitdem hängt sie in Athen fest und musste teilweise mit ihrem Kind auf der Straße schlafen.

Rayas Vater hat inzwischen die Türkei erreicht, kommt allerdings ebenfalls nicht weiter. „So ist die Kleinfamilie durch die EU-Flüchtlingspolitik über drei Länder verteilt und findet keinen Weg mehr zueinander“, erklärt Katja Keul und fügt hinzu: „Was die kleine Raya noch nicht weiß, ist, dass mit dem Asylpaket II in Deutschland auch die Familienzusammenführung für Minderjährige für zwei Jahre ausgesetzt worden ist.“

Ihr Großvater ist verzweifelt. Er war in Damaskus ein wohlhabender Einzelhandelskaufmann und hat durch den Krieg sein gesamtes Vermögen verloren. „Wenn es irgendetwas gäbe, zu dem wir zurückkehren könnten, würde ich sofort zurückgehen“, sagt er. Aber derzeit ginge es leider nur noch in eine Richtung. Das Haus seines Bruders wurde bombardiert, die drei jugendlichen Neffen getötet sowie deren Schwester schwer verletzt.

In den vergangenen vier Jahren ist der Großvater mit seiner Familie in der Gegend von Hama ständig von einem Ort an den nächsten geflüchtet. Seine Kinder haben seit 2011 siebenmal die Schule gewechselt. Er sei Deutschland für ewig dankbar dafür, dass man ihn und seine Familie aufgenommen habe. Jetzt bleibe dem besorgten Großvater nur noch die Hoffnung, dass er seine älteste Tochter mit ihrem Kind bald wiedersehen könne.

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