Letzte Bürgerversammlung zur Abwahl von Marklohes Verwaltungs-Chef Volker Friemelt

Kritiker nehmen Bürgermeister ins Verhör

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Las sein fünfseitiges Eingangs-Statement komplett vom Papier ab: Volker Friemelt.

Oyle/Marklohe - Von Ove Bornholt. „Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen“ – alternativ könnte er aber auch Samtgemeindebürgermeister in Marklohe werden. Altkanzler Helmut Schmidt bezeichnete seinen jahrzehntealten Ausspruch einmal als „eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage“. Auch der Markloher Samtgemeindebürgermeister Volker Friemelt (parteilos) musste sich während der dritten und letzten Bürgerversammlung am Mittwochabend in Oyle die Frage nach seinen Visionen gefallen lassen. Wie berichtet, stimmen die Bürger am 13. September über seinen Verbleib im Amt ab, nachdem der Rat mit großer Mehrheit Friemelts Abwahl eingeleitet hatte. Zuvor warben Rat und Friemelt in drei Bürgerversammlungen für ihre Sicht der Dinge. Und, was sind nun die Visionen des Verwaltungs-Chefs?

Es sei schwierig, Leitbilder zu benennen, so Friemelt. „Die Punkte Kindergärten und Schulen sind abgearbeitet, wir haben nicht mehr viel Geld“, erklärt er. „Sollen wir weiter Schulden machen?“, fragt Friemelt rhetorisch. „Dann können wir Visionen umsetzen.“ Zum Hintergrund: Die Samtgemeinde hat einen Schuldenstand von, laut Friemelt, rund 8,5 Millionen Euro. Seine Aufgabe sei es, die Samtgemeinde zu lenken und zu leiten. Visionen müssten aus den Mitgliedsgemeinden kommen, fordert er.

Das sieht Marklohes ehrenamtlicher Bürgermeister, Günther Ballandat, etwas anders. „Es ist traurig, dass du in keiner Gemeinde mitarbeiten willst. Deine Vorgänger wussten Bescheid, was dort lief.“

Harte Kritik äußert auch der ehrenamtliche Wietzener Bürgermeister, Hans-Jürgen Bein: Bei der Suche nach einem neuen Gemeindedirektor habe man „keinen Gedanken an Friemelt verschwendet“. Dieser ist zurzeit, anders als vorherige Samtgemeindebürgermeister, in keiner der drei Mitgliedsgemeinden Gemeindedirektor oder Stellvertreter.

Mit den Schulden der Samtgemeinde argumentiert Friemelt auch für seinen Verbleib. Diese würden um 320000 Euro steigen, sagt er und nennt die Erhöhung der Kita-Gebühren als eventuellen Ausgleich.

Er würde die Bürger damit in Geiselhaft nehmen, kritisiert Grünen-Sprecher Dirk Wahl diese Argumentation. „Das ist mit meinem Demokratie-Verständnis nicht vereinbar.“

Auf die Frage nach seinen bisherigen Projekten nennt Friemelt eine Stellungnahme an den Landkreis zur Sicherung des Schulstandorts, Kindergärten und Krippen seien auf neuestem Stand, was allerdings nicht allein sein Verdienst sei, und er erwähnt den Neubau des Feuerwehrhauses in Balge.

„Ein anderthalb-seitiger Brief an den Landkreis als Projekt von 18 Monaten. Das finde ich...“, sagt Wahl und bricht ab, dann setzt er wieder an: „Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.“

Was eine Alternative zu Friemelt angeht, bekräftigt er auf Nachfrage aus dem Publikum, dass es einen parteiübergreifenden Kandidaten geben werde. Derzeit habe man aber noch keinen Kandidaten.

Auf die Frage nach seinem Tagesablauf als Verwaltungs-Chef gießt Friemelt unfreiwillig Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. „Die Post kommt rein, ich überlege, was, wo zu bearbeiten ist“, beginnt er zu antworten und erntet Gelächter. „Er macht die Post morgens, geht zu seiner Frühstückspause und später noch mal zu einer Ehrung“, ätzt Hans-Jürgen Bein.

Das sieht Friemelt anders. Zurzeit konzentriert er sich auf das Abwahl-Verfahren „Ich bin so damit beschäftigt, das ist Aufgabe genug.“ Details, wie denn diese Beschäftigung aussieht, will er nicht nennen. „Aber die Zeit könnte ich sonst anders verwenden.“ Am Sonntag, 13. September, werden die Markloher Bürger entscheiden, wie Friemelt seine Zeit künftig verwendet.

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