Wie lebten Rehburger Juden vor 200 Jahren?

Jüdisches Buch gibt Rätsel auf

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Die hebräischen Schriftzeichen sind zwar übersetzt worden – viele Fragen bleiben aber dennoch offen.

Rehburg-Loccum - Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rehburg zu rekonstruieren, ist das Ziel. Gemeinsam ziehen die Evangelische Akademie Loccum, der Rehburger Bürger- und Heimatverein und der Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum dazu an einem Strang, laden für Dienstag, den 13. Oktober, um 19 Uhr ins Rehburger Heimatmuseum ein und bitten bei dieser Aufgabe um Mithilfe.

Recht unspektakulär sieht das „Kassabuch“ aus: rund 60 vergilbte Seiten, gefüllt mit kurzen Anmerkungen zu Ausgaben und Einnahmen, teils in Sütterlin, teils in Hebräisch, ohne Einband und einleitende Worte. So hat der Rehburger Bürger- und Heimatverein es über Jahrzehnte in seinem großen Fundus alter Dokumente aufbewahrt. Aufmerksamkeit kam dieser Liste erst zu, als der Arbeitskreis Stolpersteine nach Unterlagen über die jüdische Gemeinde suchte und das vermutlich nur deshalb, weil es eben das einzige Dokument war, das auch hebräische Schriftzeichen enthielt und außerdem an seinem Anfang die Jahreszahl 1802 zu lesen war.

Nachdem der Arbeitskreis dieses Kassabuch in einer Ausstellung 2014 als eines von vielen Exponaten zeigte, wurde die Evangelische Akademie Loccum neugierig, suchte Sponsoren und ließ das Buch vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte transkribieren und kommentieren – in der Hoffnung weitere Erkenntnisse über das Leben in der kleinen ländlichen jüdischen Gemeinde Rehburg zu erhalten. Als gemeinde- und wirtschaftsgeschichtlich sehr wertvoll bezeichnete Professor Michael Brocke, Leiter des Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg, das Kassabuch, nachdem er die ersten „Kostproben“ erhalten hatte und nahm den Auftrag entgegen.

Diese Ergebnisse möchten alle Beteiligten nun der Öffentlichkeit vorstellen – und hoffen bei der weiteren Bearbeitung auf Hilfe. Mit der Übersetzung allein ist es nämlich nicht getan. Etliche Fragezeichen tummeln sich noch darin – wenn es um Ortsnamen geht, um Familiennamen oder auch um Bezeichnungen aus früheren Zeiten, die heutzutage nicht mehr leicht nachvollziehbar sind. Wissen um Geschichte, um Rehburg und auch um Nachbargemeinden, zu denen die Rehburger Gemeinde Kontakt hatte, wird in vielerlei Hinsicht benötigt, um aus den Puzzleteilen, die das Kassabuch nun darstellt, ein Ganzes zu machen.

Interessierte an der jüdischen Gemeinde und solche, die sich an den weiteren Recherchen beteiligen möchten oder womöglich aus eigenem Wissen heraus dazu beitragen können, die Rätsel zu lösen, sind zu dem Abend im Heimatmuseum eingeladen. Um Anmeldungen wird unter Telefon 05037/5765 oder per E-Mail bis zum 6. Oktober gebeten. Wer zuvor die Übersetzung des Kassabuches sehen möchte, findet sie auf der Stolpersteine-Internetseite.

arbeitskreis@stolpersteine-rehburg-loccum.de

www.stolpersteine-rehburg-loccum.de

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