„Lebenslänglich“: Elf Freundinnen leben mit „Höchststrafe“ prächtig

„Frische“ Erinnerung an die Brötchen mit Sauerkraut

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Kaffeerunde zum Geburtstag: So treffen sich die elf Frauen aus Rehburg bereits seit Jahrzehnten.

Rehburg - Von Beate Ney-Janßen. In der Schule in Rehburg sind elf Frauen Freundinnen geworden – und haben diese Freundschaften bis ins Pensionsalter gepflegt. Sie haben sich quasi selbst die „Höchststrafe“ verpasst: „Lebenslänglich“.

Die Frauen haben sich allerhand zu erzählen. So, wie sie da mit elf Frauen um die Kaffeetafel herumsitzen. Schließlich teilen sie schon fast ihr ganzes Leben miteinander. Die Jüngste von ihnen hat zu diesem Nachmittag eingeladen – weil sie vor wenigen Tagen 66 Jahre alt geworden ist. „Und demnächst bin ich dran“, sagt eine andere Frau, dann werde sie 67 Jahre alt. So ist der Reigen, so geht es reihum von Jahr zu Jahr.

Gut können sie sich noch daran erinnern, wie sie allesamt in Rehburg eingeschult wurden. Dort, wo jetzt am Marktplatz die Sparkasse steht, war ihr Schulgebäude. Auch in dem alten Haus gegenüber, in dem nun die Polizeistation ist, haben sie ein Schuljahr verbracht – und gehörten zu den ersten Jahrgängen, die die neue Schule besuchten, in die heute noch an jedem Morgen die Grundschüler Rehburgs traben. Damals, als sie ihre neunte Klasse der Volksschule absolvierten.

Die Frage nach ihrer Schulzeit, nach der Zeit, als sie sich kennenlernten, lässt viele Erinnerungen wach werden. An die Lehrerin, die immer einmal wieder zuschlug, wenn sie nicht spurten, andererseits aber auch eines ihrer jungen Kätzchen an eine Schülerin verschenkte. An die Plumpsklos, die in Reihe neben der Schule standen, und daran, dass die Jungs dann immer versuchten, einen Blick über die Tür herüber auf die Mädchen zu erhaschen.

Und an den kleinen Laden neben der Schule, zu dem sie dann gingen, wenn sie zehn Pfennig bekommen hatten. Ein Brötchen kauften sie sich davon und ließen es mit Sauerkraut füllen. Fast scheinen sie den Geschmack dieser Köstlichkeit noch auf der Zunge zu spüren, als sie davon erzählen.

Freundinnen sind sie seinerzeit geworden und haben schon damals ihre Geburtstage gemeinsam gefeiert. Mit Topfschlagen und Hinkekästchen. Und zum Abendbrot gab es grünen und roten Wackelpudding. „Da haben wir unsere erste Zigarette geraucht“, erzählt eine der Frauen schmunzelnd – aus Rhabarber-Blättern gedreht. Zum Schwimmen sind sie nach Loccum gefahren, zum Zahnarzt nach Bad Rehburg – kaum etwas, das nicht gemeinsam gemacht wurde.

Dann kam 1964 die Schulentlassung. Danach verloren sie sich aus den Augen. Ausbildung, Arbeit, Familiengründung – da blieb kaum noch Zeit, um Freundschaften zu pflegen. Aber dann, erzählt Marieluise Faber, stand das Jahr an, in dem sie alle 30 Jahre alt werden sollten. Da sei zu einem dieser 30. Geburtstage spontan zum Gratulieren gegangen. Vormittags, bevor andere Gäste dort auftauchten. Ein wenig kichern muss Anni Thürnau schon, wenn sie sich daran erinnert. So viel Spaß machte der spontane Besuch, dass die beiden Frauen beschlossen, auch das nächste Geburtstagskind aus der Schulfreundinnen-Riege zu besuchen – und plötzlich ging es reihum.

Mehr als 30 Jahre sind seitdem schon wieder vergangen. Die Frauen treffen sich aber immer noch. Und freuen sich darüber, dass sie, die Schulmädchen von einst, mittlerweile alle pensioniert sind. Das mache es viel leichter, sich zu diesen Nachmittagen zu verabreden. So dauern diese Freundschaften wohl ein Leben lang.

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