Lebende Legende Helmut Rode feiert

Kürzertreten ist jetzt angesagt

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Nur noch sporadisch an alten Dokumenten arbeiten: Nach dem morgigen 85. Geburtstag gönnt sich Helmut Rode erstmals eine Auszeit vom Ehrenamt.

Wietzen - Von Christiane Hüneke-Thielemann. Helmut Rode, Nienburgs ehemaliger Landrat und Bundestagsabgeordneter, feiert morgen seinen 85. Geburtstag. Zur Ruhe gesetzt hat sich der Wietzener im politischen Ruhestand jedoch nie. Unermüdlich, oft auch unbemerkt, war er fürs Gemeinwohl im Einsatz. Jetzt legt er erstmals eine Pause ein: Sein letztes offizielles Ehrenamt als Archivpfleger übergibt er morgen in jüngere Hände – und will sich auch sonst einfach mehr Ruhe gönnen.

„Vielfach habe ich ‚auswärts‘ gelebt und gewirkt – nun bleibe ich ganz zuhause in Wietzen“, hat der Jubilar auf seine Geburtstags-Einladung geschrieben. Mit der Familie und vielen Weggefährten will er morgen Rückblick halten und dabei vielleicht auch ein bisschen „aus der Schule plaudern“.

Erlebt hat der Wietzener in rund 60 Jahren Einsatz für Gemeinwesen und Politik wahrlich genug. Seit 1968 gehörte Rode dem Nienburger Kreistag an, war CDU-Fraktionsvorsitzender und zehn Jahre lang ehrenamtlicher Landrat des Landkreises: „Das war eigentlich die schönste kommunalpolitische Zeit – da konnte man richtig was bewegen“, erinnert er sich. Zwei Wahlperioden lang vertrat der Mittelständler als CDU-Bundestagsabgeordneter den Landkreis, pendelte nicht nur zwischen Wietzen und dem damaligen Regierungssitz Bonn, sondern absolvierte auch manchen Auslands-Einsatz für den Bundestag.

Nachdem Helmut Rode kurz vor seinem 65. Lebensjahr nicht mehr als MdB kandidiert hatte, wurde er allerdings kein Ruheständler: Mit dem gleichen Engagement, mit dem er als Politiker jahrelang für „seinen“ ländlichen Raum gekämpft hatte, setzte er sich weiterhin für Lebenshilfe und Musikschule, den Aufbau eines Betreuungsvereins und viele weitere soziale Projekte ein. Auch ländliche Kultur, Musik, Erwachsenenbildung und Heimatpflege lagen ihm von jeher am Herzen – und von der Öffentlichkeit oftmals unbemerkt, wirkte er dafür in unzähligen Vereinen und Gremien mit.

Der Grundstein für dieses Engagement wurde in jungen Jahren durch einen Aufenthalt an der Heimvolkshochschule Loccum gelegt, deren Geschicke er später lange mitbestimmte. Der Wietzer hätte als überzeugter Christ gerne Theologie studiert, auf Wunsch seines Vaters stieg er nach Abitur und kaufmännischer Ausbildung jedoch ins heimische Unternehmen ein. Doch eines hatte er durchgesetzt: Anfang der 50er-Jahre besuchte er fünf Monate lang die christlich geprägte Einrichtung – eine Zeit, die Spuren für sein künftiges Leben hinterließ.

Etwas zu gestalten für Gemeinschaft und Gemeinwohl im Sinne dieses „Loccumer Geists“, das war ihm als Bundestagsabgeordneter und Landrat ebenso wichtig wie in unzähligen Ehrenämtern. Ende der 90er-Jahre wurde ihm für dieses Wirken das seltene Niedersächsische Verdienstkreuz 1. Klasse verliehen, mit dem das Bundesverdienstkreuz am Bande war er zehn Jahre zuvor ausgezeichnet worden. Mindestens ebenso viel Freude machte es ihm allerdings, selbst als Landrat die ums Gemeinwohl verdienten Menschen im Landkreis zu ehren.

Nach dem Ausscheiden aus der Politik widmete sich der Vater von fünf Kindern und mittlerweile Großvater von acht Enkelkindern vor allem der Heimatgeschichte und war gerngesehener Referent bei Seniorenkreisen und Kirchengemeinden. 1998 stieg er mit der Aufarbeitung lokaler Unternehmensgeschichte in die Vortragsreihe „Wie wör dat fröher?“, auch als Wietzens „Pottkokenabende“ bekannt, ein. 2005 wurde Rode Archivpfleger der Gemeinde. Große Bedeutung hatte dabei die Zusammenarbeit mit der Grundschule: Kindern Heimatgeschichte vermitteln, ganz nach dem Motto: „Keine Zukunft ohne Herkunft“.

Das Ziel, Lokalgeschichte „von unten“ sichtbar zu machen, setzte Rode auch mit der von ihm initiierten Geschichtswerkstatt Wietzen um. Eine echte Herausforderung stellte er sich selbst im vergangenen Jahr mit seinem Buch „30 Jahre Heimatstube“ – 270 Seiten mit Zeitdokumenten trug der 84-Jährige damals in Rekordzeit zusammen.

„Acht bis zehn Stunden habe ich so täglich vorm Computer verbracht – aber damit soll und muss jetzt erstmal Schluss sein“, sagt Helmut Rode. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen: das Hören fällt schon lange schwer, Augenprobleme erschweren die PC-Arbeit. Keine Vorträge und politischen Veranstaltungen mehr, stattdessen kürzertreten, mehr an der frischen Luft sein, mehr Zeit mit Ehefrau Inge und der Familie verbringen, das hat sich der Jubilar nun für seine Auszeit vom Ehrenamt vorgenommen. Und höchstens noch mal so ein bis zwei Stunden am Tag alte Sütterlin-Schriften in den PC übersetzen – ganz locker, ohne Termindruck.

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