Fünf Fragen an Landtagskandidaten in Nienburg-Nord

Helge Limburg (Grüne): „17-Punkte-Plan für mehr Lehrer“

Landkreis Nienburg - „Vor uns liegen wunderbare Tage“ – ein Zitat, das dem 1986 ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme zugeschrieben wird, hat Helge Limburg, Landtagsabgeordneter der Grünen, sehr beeindruckt. Der 34-jährige Limburg nennt als seine Stärke: „Ich kann gut auf Menschen zugehen.“ Und seine Schwäche? „Meine Kleidung ordentlich und farblich passend zu halten, gelingt mir nicht immer“, antwortet er.

Angst hat Limburg „vor einem Erstarken des Rechtspopulismus und Rassismus in Deutschland und Europa und einem Zerfall der Europäischen Union.“ Im Interview vor der Landtagswahl am 15. Oktober nimmt er Stellung zu aktuellen landtagspolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Helge Limburg

Helge Limburg: Die rot-grüne Koalition hat ausreichend Lehrerstellen in den Haushalt eingestellt, die Finanzierung ist also gegenwärtig nicht unser Problem. Diese Stellen sind allerdings längst nicht alle besetzt. Das Kultusministerium hat einen 17-Punkte-Plan aufgelegt, unter anderem mit verstärkter Gewinnung von Quereinsteigern. Das unterstütze ich.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Limburg: Die in Pension gehenden Polizisten sollen vollständig wiederbesetzt werden. Darüber hinaus hat Rot-Grün insgesamt 1 000 zusätzliche Stellen geschaffen. Was zusätzlich in den kommenden Jahren notwendig sein wird, muss jeweils Jahr für Jahr geprüft werden. Zulagen für besondere Dienstzeiten haben wir bereits geschaffen.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Limburg: Niedersachsen ist ein sicheres Land. Polizei, Präventionsstellen, Gerichte, Staatsanwaltschaft und der Verfassungsschutz sind gut aufgestellt. Wir wollen die Polizeigewalt an heutige Erfordernisse anpassen. Sorgen bereiten mir die bundesweiten Netzwerke rechtsextremen Terrors, die immer wieder aufgedeckt werden. Dem müssen wir noch konsequenter begegnen.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Limburg: Rot-Grün hat in den letzten Jahren mehr als 250 Stellen in diesem Bereich geschaffen und so die Justiz entlastet. Diese Maßnahmen werden wir fortsetzen um als Ziel zu erreichen, dass die Belastung für Gerichte und Staatsanwaltschaft weiter sinkt.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Limburg: Unser Ziel ist, bei ausreichenden Übergangsfristen, der Ausstieg aus der Kastenstandshaltung bei Sauen. Dafür hat Niedersachsen eine entsprechende bundesratsinitiative gestartet. Daneben müssen die bestehenden Gesetze vollzogen werden. Niedersachsens Landwirte arbeiten grundsätzlich tierschutzgerecht!

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Limburg: Eine einfache Lösung gibt es nicht. Das Land hat beim Bund erreicht, dass gefährliche, aggressive Rudel entnommen werden können. Ausreichend wolfssichere Zäune können außerdem Risse verhindern. Wir müssen uns aber an das Leben mit dem Wolf gewöhnen.

Landtagswahl-Kandidaten im Porträt

In unserer Reihe „Kandidaten im Porträt“ stellen sich die Landtagskandidaten vor. Helge Limburg ist parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion und bewirbt sich im Wahlkreis Nienburg-Nord (Bruchhausen-Vilsen, Heemsen, Hoya, Marklohe, Steimbke) erneut um ein Landtagsmandat. Bei der Landtagswahl 2013 erzielt er mit 3 725 Stimmen das drittbeste Ergebnis. Limburg ist 34 Jahre alt und Jurist. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Rubriklistenbild: © Grüne

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