Täter hinterlässt DNA-Spuren

Landgericht befindet Vierfach-Einbrecher für schuldig

Das Landgericht Verden von außen.
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Am 11. Juni muss sich der Angeklagte erneut vor dem Landgericht Verden verantworten.

Nienburg/Verden – von Wiebke Bruns. Allein im Haus mit einem Einbrecher – diesen Horror erlebte am 14. Januar 2020 eine 17-Jährige in Nienburg. Aus Angst versteckte sie sich unter ihrem Bett und schickte von dort ihrer Mutter mit ihrem Smartphone eine Nachricht. Die Mutter informierte die Polizei. Der damals 19 Jahre alte Täter wurde am Donnerstag in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden wegen dieser und drei weiterer Taten zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt.

Der Nienburger hatte erst mehrfach an der Haustür geklingelt. Die Schülerin hatte nicht geöffnet. Dann hörte sie unten jemanden im Haus. Es war der Täter, der auch ins Obergeschoss kam und dort alles durchwühlte. Er betrat das Zimmer der 17-Jährigen. Stand vor dem Bett, unter dem sie lag. Vermutet wurde, dass die mit angeschaltetem Martinshorn anrückende Polizei ihn flüchten ließ. Ein Beamter sah den polizeibekannten Täter noch beim Verlassen des Hauses. Dann klickten die Handschellen.

Täter beleidigt Polizistin während Verhaftung

Der gestohlene Schmuck steckte noch in den Taschen seiner Kleidung. Und wie reagierte der Dieb? Er empfahl einer Beamtin, „ihr Gehirn einzuschalten“, prahlte vor den Uniformierten damit, dass er „150 Mille wöchentlich mache“ und sich die besten Anwälte leisten könne. „Da gehört schon eine Abgebrühtheit dazu“, hieß es später in der Urteilsverkündung.

„Die Tochter lag unter dem Bett und hatte Todesangst“, stellte Staatsanwältin Dr. Kristina Hillebrecht in ihrem Plädoyer fest. „Es hätte eine Bande sein können oder ein Vergewaltiger.“ Die Mutter der Schülerin berichtete am zweiten Verhandlungstag von den anhaltenden psychischen Folgen der Tat.

Die Beweise sind erdrückend, doch der Angeklagte wollte nichts sagen, nicht gestehen. Verteidigerin Elke Vieregge-Bruns war somit chancenlos.

Dem Antrag der Staatsanwältin folgend hat die 3. Große Strafkammer des Landgerichts die Berufung des Angeklagten verworfen und das Urteil des Amtsgerichts Nienburg vom 7. Oktober 2020 bestätigt. Dort war der Angeklagte wegen Wohnungseinbruchdiebstahls in drei vollendeten Fällen und einem Versuch zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Nicht nur die 17-Jährige und ihre Mutter, auch weitere Geschädigte haben das Erlebnis des Einbruchs im eigenen Haus offenbar bis heute nicht vollends verkraftet. Bei einer Rentnerin seien Tränen während der Aussage geflossen, hieß es gestern in der Urteilsverkündung. Geerbter Familienschmuck wurde gestohlen, der zwei Weltkriege überstanden habe. Nun scheint er bis auf den sichergestellten Teil der Beute für immer verloren zu sein.

„Mit einem Geständnis hätten Sie sich ein paar Monate weniger verdienen können. Bewährung nicht“, wandte sich der Vorsitzende Richter Lars Engelke in der Urteilsbegründung an den Angeklagten. Die Kammer habe „keinen Zweifel, dass der Angeklagte alle vier Taten begangen hat“.

Richter: „Wie abgebrüht muss man sein?“

An einem Tatort hatte er Blutspuren hinterlassen „Eindeutiger geht’s doch gar nicht“, merkte der Richter an. „Wie abgebrüht muss man eigentlich sein, wenn man im November 2019 das erste Mal ertappt wird, am 2. Januar 2020 vorläufig festgenommen wird und am 14. Januar wieder eine Tat begeht. Das ist wirklich der Hammer. Da muss man die Schwere der Schuld annehmen und dass die Strafe vollstreckt werden muss, liegt so was von auf der Hand“, betonte Engelke.

Ein weiteres Rechtsmittel hat der Angeklagte nicht, aber bereits am 11. Juni gibt es ein Wiedersehen mit derselben Kammer. Dann muss sich der heute 20-Jährige wegen eines Raubüberfalls auf einen Discounter in Marklohe vor dem Landgericht Verden verantworten.

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