Landgericht bestätigt Urteil gegen 22-Jährigen aus erster Instanz / Täter drohen zivilrechtliche Forderungen im sechsstelligen Bereich

Tritt gegen Schienbein verändert Leben des Opfers brutal

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Das Landgericht Verden hat das Urteil des Amtsgerichts Nienburg gegen einen 22-Jährigen aus Wietzen für dessen folgenreichen Tritt gegen das Schienbein eines 31-Jährigen bestätigt.

Wietzen/Verden - Von Wiebke Bruns. Um einen Tritt gegen das Schienbein und die gravierenden Folgen für das Opfer ging es am Dienstag in einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden. Der 31 Jahre alte Geschädigte aus Sulingen kann infolge der Verletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben. Strafrechtlich hatte die gefährliche Körperverletzung für den 22 Jahre alten Angeklagte aus Wietzen (Kreis Nienburg) 600 Euro Schmerzensgeld und eine Woche Dauerarrest zur Folge.

Die Tat hatte sich am 10. Februar 2013 gegen 0.45 Uhr in einer Disco in Sulingen ereignet. Der Angeklagte hatte die Frau des späteren Opfers angetanzt. Diese ging zu ihrem Mann, der Angeklagte folgte ihr. Als sich der Geschädigte lediglich zwischen die Beiden stellte, trat der damals 20-Jährige mit voller Wucht gegen das Schienbein des Mannes.

Es folgte eine erste Not-Operation. Gebrochen waren das Schienbein, das Sprunggelenk und doppelt das Wadenbein. Eine weitere Operation gab es bereits, eine Dritte muss laut Helmut Gottstein, Anwalt des Nebenklägers, noch folgen.

Als gelernter Zimmermann kann der 31-Jährige nicht mehr in seinem alten Beruf arbeiten und musste umschulen. Wegen der verschlechterten finanziellen Situation musste sich auch die Frau des Geschädigten beruflich verändern. Beide waren bis zur Tat begeisterte Motorradfahrer. Der 31-Jährige war sogar im Motorradrennsport aktiv. Fahren kann er mit dem Motorrad jetzt gar nicht mehr.

Die vom Amtsgericht Nienburg als gefährliche Körperverletzung gewertete Tat habe sich so ereignet, wie im erstinstanzlichen Urteil festgestellt. „So war es“, erklärte der Angeklagte. Die Berufung wurde auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt, wobei es dem Angeklagten nicht um das Schmerzensgeld ging, das er bereits mit 50 Euro monatlich bezahlt. „Was ihm zu schaffen macht, ist die eine Woche Dauerarrest“, erklärte Verteidiger Dr. Christian Hilgartner und bemühte sich redlich, das Gericht davon zu überzeugen, dass der Arrest nicht erforderlich sei. Jedoch ohne Erfolg.

„Sie müssen bedenken, was für Konsequenzen das Ganze für den Nebenkläger hat“, erwiderte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe. „Gewaltanwendungen werden scharf betrachtet, weil diese immer mehr werden“, so Grebe. Der Angeklagte habe Glück gehabt, dass er als Heranwachsender noch nach Jugendstrafrecht verurteilt worden ist, sonst wäre die Strafe deutlich höher ausgefallen. Berücksichtigung fand beim erstinstanzlichen Urteil zudem die erhebliche Alkoholisierung mit 1,9 Promille.

„Der Tritt zeigt ein erhebliches Maß an Brutalität. Da muss etwas Spürbares folgen“, betonte Oberstaatsanwalt Jann Scheerer. Die eine Woche Dauerarrest sei durchaus vertretbar, auch wenn sein Kollege diesen in erster Instanz nicht mal beantragt habe.

Die Berufung hatte keine Aussicht auf Erfolg und wurde schließlich zurückgenommen. Das erstinstanzliche Urteil ist damit rechtskräftig. Opfer-Awalt Gottstein begrüßte das Ende des strafrechtlichen Verfahrens, denn diese Verhandlungen seien jedes Mal eine unheimliche Belastung für seinen Mandanten und dessen Frau gewesen. „Drei Monate Umschulung waren auch wie Dauerarrest. Da steht eine Woche in keinem Verhältnis“, sagte der Geschädigte nach der Verhandlung.

Wegen Schmerzensgeld-Forderungen wird er sich noch zivilrechtlich mit dem Angeklagten auseinandersetzen müssen. Auf diesen kommen zudem Regress-Forderungen bezüglich der Operationen, Rehabilitations-Maßnahmen und Umschulung zu. Nach Einschätzung des Anwalts des Geschädigten aus Sulingen dürften diese Forderungen im sechsstelligen Bereich liegen.

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