Rehburg-Loccum

Stress reduzieren bei der Lama-Wanderung

Bereits bei der Begrüßung der Teilnehmer bekommt Coachin Jennifer Hein (2.v.l.) eine Idee davon, welches Lama zu welchem Menschen passen könnte.
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Bereits bei der Begrüßung der Teilnehmer bekommt Coachin Jennifer Hein (2.v.l.) eine Idee davon, welches Lama zu welchem Menschen passen könnte.

Es ist eine Situation – so ähnlich wie im Zoo. Abgesehen davon, dass die Spannung auf beiden Seiten des Zauns gleich intensiv ist. Die Gruppe von sechs Personen, die Jennifer Hein gerade an das Gehege ihrer sechs Lamas herangeführt hat, tritt nervös von einem Fuß auf den anderen. Unverhohlen zwar, aber mindestens genauso aufgeregt blicken die Vierbeiner auf ihre menschliche Gästeschar.

Rehburg-Loccum – Anlass dieser Begegnung ist eine Wanderung mit Lamas, bei der Mensch und Tier jeweils paarweise durch Wald und Flur bei Rehburg-Loccum streifen. Keiner der Teilnehmer hatte bisher Kontakt zu Lamas, dennoch ahnt Coachin Jennifer Hein schnell, welche Paare sich zusammenfinden werden. „Bereits bei der Begrüßung bekomme ich eine Idee davon, welches Lama zu welchem Menschen passen könnte“, erklärt die studierte Erziehungswissenschaftlerin und Soziologin mit Schwerpunkt Arbeit und Wirtschaft.

Gruppenverhalten anhand von Lamas erlernen

Der Schwerpunkt in der Arbeit mit ihren Lamas liegt für Jennifer Hein, die auch den pädagogischen Bereich der Heimvolkshochschule Loccum leitet, in der Erwachsenenbildung. Dazu gehören Workshops im psychosozialen Bereich, Gesundheitstage, Trainings zu Körpersprache, Stressreduzierung, Achtsamkeit und mehr. Regelmäßig bietet die Soziologin Outdoortrainings für Gruppen an, die neue Perspektiven erarbeiten wollen – zum Beispiel für einen verbesserten Arbeitsalltag. Mittels vermeintlich einfacher Aufgaben, die mit den Lamas gemeinsam gelöst werden sollen, bekommen die Teilnehmer die Möglichkeit, Rollenverteilungen und eigene Verhaltensweisen neu zu betrachten. Wer strebt nach außen, gibt den Ton an? Wer ist zurückhaltend, fügt sich ein? Wie läuft die Kommunikation? Wie arbeitet die Gruppe zusammen? In der anschließenden Reflexion geht es sowohl um die Stärken der Gruppe als auch um ihre Potenziale und darum, sie im Unternehmen künftig besser zu nutzen.

„Lamas sind wahnsinnig sensibel“, sagt die Coachin, die sich als leidenschaftliche Liebhaberin dieser genügsamen Tiere aus den peruanischen Anden outet. „Ihr Blick ist intensiv und untrüglich. Sie erblicken den Menschen hinter der Fassade und spiegeln seine wahre Natur. Darum sollte man im Umgang mit Lamas einfach nur authentisch sein.“

Lamas spucken nur einander an

„Einfach nur authentisch. Wie geht das denn?“ Die anwesenden Teilnehmer blicken einander fragend an – inklusive mir. Denn auch ich werde mit Unterstützung von Jennifer Hein von dem Lama ausgesucht, welches zu mir passt. Und so fühle ich mich irgendwie nackt und ausgeliefert, während ich auf mein persönliches Lama warte.

Im Verlauf der Lama-Wanderung kommen Mensch und Tier einander näher. Grundlage für ein gutes Verständnis ist Authentizität.

Auf der anderen Seite des Zauns nimmt das angespannte Summen der kamelartigen Vierbeiner an Lautstärke zu und gipfelt in einem kräftigen Spuck-Sprühregen. Entgegen der landläufigen Meinung spucken Lamas normalerweise keine Menschen an, betont Jennifer Hein. Untereinander kennen die Tiere jedoch kein Pardon: Wer nervt, kriegt eine Ladung ab. Und wer zu nah dran steht eben auch.

Beeindruckende Erkenntnis durch das Lama als Wanderpartner

Nach einer kurzen Einweisung werden Mensch und Tier einander zugeführt. Mein Lama heißt Ed, sieht aus wie der Außerirdische Alf und würdigt mich keines Blickes. An der Seite des rotbraunen Wallachs – kastrierter Hengst – fühle ich mich nicht nur klein, weil sein Kopf mich überragt. Seine ganze Haltung, inklusive erhobener Nase, drückt Überlegenheit aus. „Es ist ja nur eine Wanderung“, spreche ich mir Mut zu und bin froh darüber, dass meine Gedanken und Gefühle im Anschluss nicht analysiert werden.

„Ed ist sehr entspannt“, beschreibt ihn Jennifer Hein. Damit kann ich mich gut identifizieren. „Er geht meist im hinteren Teil der Gruppe.“ Auch das kommt mir entgegen. Ich signalisiere dem Lama, dass wir gehen, und es folgt. Prima. Innerlich wachse ich um ein paar Zentimeter. Doch obwohl ich Ed professionell führe, wie ich meine, finden wir uns ruckzuck weit abgeschlagen hinter der Gruppe wieder. Warum nur? Wie zwei Beobachter...

Im Verlauf der Lama-Wanderung kommen Mensch und Tier einander näher. Grundlage für ein gutes Verständnis ist Authentizität.

Da verstehe ich es: Authentizität. Meine angestammte Rolle als Journalistin passt perfekt zu dieser Position. Nicht in der Gruppe, sondern außerhalb davon, als Beobachterin. Genau hierhin hat das Lama mich geführt. Diese Erkenntnis ist für mich ebenso beeindruckend wie motivierend. Denn schließlich will ich heute ein Teil der Gruppe sein. Also straffe ich die Schultern, blicke nach vorn und treibe meinen Wanderpartner entschlossen an. Ich habe meine Rolle in der Gruppe wahrgenommen, reflektiert und bewusst verändert. Genauso wie Jennifer Hein ihre Arbeit mit den Lamas beschreibt.

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