Ortsdurchfahrt Münchehagen nachbessern / Schutzstreifen gefordert

ADFC kritisiert: Zu wenig Platz für Radfahrer

Die Ortsdurchfahrt Münchehagen: Der ADFC und auch die Polizei Nienburg sehen hier Nachbesserungsbedarf. Es fehlen Schutzstreifen auf der Fahrbahn, die Pflastersteine wurden in Reihe verlegt. Das erhöht laut ADFC das Risiko für Stürze bei Radfahrern.
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Die Ortsdurchfahrt Münchehagen: Der ADFC und auch die Polizei Nienburg sehen hier Nachbesserungsbedarf. Es fehlen Schutzstreifen auf der Fahrbahn, die Pflastersteine wurden in Reihe verlegt. Das erhöht laut ADFC das Risiko für Stürze bei Radfahrern.

Landkreis Nienburg – Radfahren kann eine riskante Angelegenheit sein – vor allem, wenn die Straße, auf der der Radler sich bewegen soll, für diesen gar keinen Platz vorsieht. So beobachtet es Berthold Vahlsing, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), unter anderem im Bereich der im Frühjahr ausgebauten Ortsdurchfahrt Münchehagen (B441). Und es ärgert ihn.

„Der Landkreis bewegt sich nicht wirklich“, findet er. Das Gespräch mit den zuständigen Behörden habe der ADFC bereits mehrfach gesucht. So habe es einen Ortstermin im Februar, ein Treffen im Mai in der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und eine Reihe von Telefongesprächen gegeben, zuletzt im September, berichtet er auf Nachfrage. Allerdings ohne Erfolg, bedauert Vahlsing, der sich vertröstet fühlt.

Wie sieht eine radgerechte Lösung aus seiner Sicht aus? Vahlsing wünscht sich Schutzstreifen auf der Fahrbahn, mal auf der linken, mal auf der rechten Seite. Diese Markierungen würden Radlern und Autofahrern gleichermaßen verdeutlichen, dass der Radverkehr auf der Fahrbahn stattfinden soll.

So gibt es auch die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr vor. Der ADFC unterstützt dieses Konzept. „Die Sichtbarkeit der Radfahrer ist auf der Straße einfach viel besser“, erläutert der ADFC-Sprecher. Und: „Der Radfahrer wird nur auf geeigneten und aus seiner Sicht sicheren Verkehrswegen fahren.“ Die Verkehrsbehörde des Landkreises habe sich dieser Auffassung angeschlossen, so Vahlsing. Daher sind die Nebenanlagen für Radfahrer freigegeben.

„Sie sind zwar freigegeben, aber nicht tauglich“, bringt Vahlsing das Problem auf den Punkt. „Wer bei einer kompletten Neusanierung einer Ortsdurchfahrt mit Nebenanlagen die Anforderungen des modernen Radverkehrs nicht beachtet, stellt sich gegen den Klimaschutz und die damit verbundene Verkehrswende“, meint er.

Der ADFC habe eine Beurteilung der Sanierung der Ortsdurchfahrt an alle Verantwortlichen übermittelt, so Vahlsing. Der Verband kritisiere darin den Ausbau der Nebenanlagen, die aufgrund ihrer Ausführung und der verfügbaren Breiten für den Fahrradverkehr wenig geeignet seien. In Abschnitten ständen nur 1,5 Meter, an Engstellen 1,25 Meter zur Verfügung.

Darüber hinaus entspreche die Oberflächenbeschaffenheit nicht den Vorgaben der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA), dem technischen Standardwerk, an dem sich die Gerichte orientierten. „So hat man unter anderem die Betonpflastersteine in langen Abschnitten schön in Reihe verlegt – für jeden schmalen Reifen ein Risiko“, nennt Vahlsing ein Beispiel.

Verwaltung lehnt Markierungen ab

Werner Müller ist Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg und beurteilt die Situation ähnlich wie Vahlsing: „Oberstes Ziel muss die gegenseitige Akzeptanz von Autofahrer und Radfahrer sein“, stellt er fest. In seinen Augen ist es in Münchehagen nicht zu spät, etwas an der Gestaltung der Durchfahrt zu ändern. Auch Müller ist für die Lösung, wechselseitig Schutzstreifen aufzubringen.

Da kommt die Verwaltung ins Spiel: Müller zufolge müsste die zuständige Straßenbaubehörde eine entsprechende Markierung anordnen. „Aber die Verwaltung will das nicht“, so der Beamte. Weshalb? Welche alternative Möglichkeit gäbe es, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu wahren? Zu einer entsprechenden Anfrage äußerten sich bis Redaktionsschluss weder die Kreisverwaltung noch die Straßenbaubehörde.

Müller schaut aus der Polizistensicht auf die Situation: „Der Radler soll wieder auf die Fahrbahn, doch erfahrungsgemäß behalten etwa 90 Prozent der Menschen ihr Verhalten bei“, so Müller. Vor allem Senioren falle es schwer, sich umzugewöhnen. Sprich: Ohne deutliche Markierung werden sich nach Müllers Einschätzung viele Radfahrer nicht trauen, auf eine Hauptverkehrsstraße zu wechseln. Das ist Müller zufolge nicht nur in Münchehagen so: „Es gibt viele Ortsdurchfahrten in der Region, wo man die Chance hätte, etwas zu ändern.“

Vahlsing liegt auch der Umweltaspekt am Herzen: Mit dem höheren Pedelec-Aufkommen hätte die Bereitschaft der Verkehrsteilnehmer zugenommen, das Rad für innerörtliche und für Fahrten in die Nachbargemeinden zum Einkaufen zu nutzen. „Die Verkehrswende beginnt vor Ort oder durch Abwürgen eben nicht“, meint der Vereinssprecher.

Von Katrin Köster

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