Im Klinikum Mittelweser behandeln die Ärzte zwei afghanische Jungen

„Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können“

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Sajed (von links) und Esmatulla fühlen sich wohl im Nienburger Klinikum. Chefarzt Dr. Michael Stalp behandelt die Zehnjährigen.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Neugierig lugt Esmatullah um die Ecke, während Dr. Michael Stalp, Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie am Nienburger Klinikum Mittelweser, mit den Presservertretern spricht. Der zehnjährige Junge aus Afghanistan scheint zu spüren, dass es dabei um ihn geht. Als Stalp dann noch seinen Namen nennt, strahlt Esmatullah und kommt mit seinen bunten Krücken in den Aufenthaltsraum gehumpelt.

Ängstlich oder verstört wirkt er überhaupt nicht. Und das, obwohl er weit weg von Zuhause, von Mama und Papa ist, in einem fremden Land, dessen Sprache er kaum versteht und hier eine schwere Verletzung auskurieren muss. „Er ist sehr tapfer“, lobt Stalp. „Aber das sind eigentlich alle Kinder aus dem Friedensdorf, die wir hier behandeln. Es gab nie irgendwelche Probleme.“

Der Verein Friedensdorf ermöglicht Eltern aus Ländern, in denen Krieg und Armut herrschen, ihre Kinder in Krankenhäusern in Deutschland behandeln zu lassen. Sie kommen unter anderem aus Angola, Ghana oder Afghanistan. Zwei- bis dreimal im Jahr bringt ein Flieger die Patienten hin und zurück. Die Behandlungskosten übernehmen die Kliniken, die als Partner des Vereins fungieren.

Dr. Stalp ist seit sieben Jahren an dem Projekt beteiligt und behandelt meist vier Kinder pro Jahr. Die Verletzungen sind vielfältig: Von komplizierten Brüchen bis hin zu Schusswunden. Seit vergangener Woche sind die beiden Afghanen Esmatullah und der ebenfalls zehnjährige Sajed im Nienburger Klinikum.

Auch Sajed bewegt sich mit Krücken fort. „Er hatte einen Oberschenkelhalsbruch, der zwar operiert wurde, aber nicht ausgeheilt ist“, erläutert Stalp, während die Kinder sich zu ihm an den Tisch setzen und frühstücken.

„Wir wissen nicht, ob etwas bei der OP oder hinterher schiefgelaufen ist. Jedenfalls hatte er einen regelrechten Knick im Knochen, so dass unterhalb der Hüfte eine Beule aus der Haut ragte. Wäre das nicht behandelt worden, hätte er niemals vernünftig laufen können.“

„Auf jeden Fall

hat er Schmerzen“

Bei Esmatullah steht die Diagnose noch nicht fest. Er hat eine Veränderung im Oberschenkel, die zu einer Schwellung geführt hat. „Auch hier könnte es ein alter Bruch sein. Auf jeden Fall hat er Schmerzen. Wir haben eine Probe entnommen und warten jetzt auf das Ergebnis“, so Stalp.

Er wirft einen Blick auf die Kinder, die ihre Brötchen essen. „Ihre Behandlung ist zum Teil auch eine Chance für junge Kollegen, um ihnen zu zeigen, was es alles für Verletzungen gibt. Aber vor allem ist es ein schönes Gefühl, helfen zu können. Ohne unsere Unterstützung hätten diese Kinder keine Möglichkeit, ein normales Leben zu führen.“

Die Verständigung mit beiden sei kein Problem. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sie Deutsch lernen. Wir haben zum Glück auch Ärzte, die als Übersetzer helfen können.“ Tagsüber kümmern sich Physiotherapeuten um die Kleinen oder die Frauen von der ökumenischen Krankenhaushilfe spielen mit ihnen. Hin und wieder bringen auch Kollegen ihre Kinder mit.

Sajed und Esmatullah haben mittlerweile ihre Brötchen verputzt. Sobald sie ihre Operationen gut überstanden haben, geht es für sie in die Zentrale des Friedensdorfes ins Ruhrgebiet. Dort werden sie von Ärzten weiter betreut, bis sie vollständig genesen und kräftig genug für die Rückreise in ihre Heimat sind.

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